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Liebe Leserinnen und Leser,
Prävention ist in aller Munde – und das nicht erst seit gestern. Sie bildet eine der drei Säulen des EU Safe Hearts Plan und machte einen relevanten Anteil der Diskussionen auf der 92. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft Kardiologie (DGK) aus.
Auf politischer Ebene hob DGK-Präsident Prof. Stefan Blankenberg in diesem Zusammenhang die Sinnhaftigkeit einer Anhebung der Tabaksteuer auf das europäische Durchschnittsniveau sowie die Einführung einer Steuer auf zuckergesüßte Getränke hervor. Zumindest erstere hat durch die am Montag bekannt gegebenen Maßnahmen zur Abfederung der hohen Energiepreise infolge des Iran-Kriegs nun Vorschub bekommen: Die schwarz-rote Koalition hat beschlossen, die Tabaksteuer bereits in diesem Jahr zu erhöhen. Anders als von Blankenberg erhofft, werden die damit erzielten Einnahmen aber erstmal nicht zurück in das Gesundheitssystem fließen, um beispielsweise Krankenkassenbeiträge zu stabilisieren oder weitere Präventionsmaßnahmen zu fördern. Die damit stattdessen gegenfinanzierte Entlastung von Autofahrern kann wohl als genau das Gegenteil von Prävention bezeichnet werden. Somit bleibt das gesundheitsfördernde Potenzial einer Erhöhung der Tabaksteuer (zumindest vorerst) hinter seinen Möglichkeiten zurück.
Eine Zuckersteuer ist im Gegensatz dazu zwar noch in weiter Ferne, war aber dennoch Thema auf dem DGK 2026. Denn Vorsicht geboten ist hinsichtlich eines einfachen Austauschs gegen bestimmte Süßstoffe. Der Charité-Kardiologe Dr. Marco Witkowski präsentierte Daten, die eine Assoziation zwischen erhöhten Blutkonzentrationen der Zuckeraustauschstoffe Xylit und Erythrit mit einem gesteigerten kardiovaskulären Risiko bei Herz-Kreislauf-Patienten aufzeigen. Worauf dieser Effekt zurückgeführt werden kann, lesen Sie im entsprechenden Beitrag.
Nicht direkt präventiv, aber zumindest als Frühwarnsystem können Smartwatches und Wearables heutzutage bei der Aufdeckung problematischer Blutdruckmuster im Alltag dienen. Dass eine Blutdruckmessung mit einem solchen Gerät derzeit noch keinen Ersatz für die medizinische Diagnostik darstellt und die Technologie das Gesundheitssystem in der aktuellen Situation – ohne geregelte und sinnvolle Einbindung in die Versorgung – eher be- als entlastet, berichtete Prof. Christina Magnussen.
Definitiv sinnvoll ist hingegen die kardiovaskuläre Prävention mittels Impfung, die laut Prof. Stephan Schirmer derzeit noch nicht konsequent mitgedacht wird. Er rät, Impfstatus und Impfberatung systematisch in die kardiologische Versorgung zu integrieren.
Viel Spaß bei der Lektüre wünscht Ihnen
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