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Liebe Leserinnen und Leser,
im heutigen Newsletter begeben wir uns etwas abseits der klassisch medizinisch-wissenschaftlichen Themen und widmen uns einem gesellschaftlichen Aspekt: den Herausforderungen, denen Frauen als Medizinerinnen begegnen.
Dass es Ärztinnen auf der Karriereleiter deutlich schwerer haben als ihre männlichen Kollegen, zeigt eine Erhebung der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI). Dieser zufolge sind wir auch im Jahr 2025 noch weit entfernt von einer Parität bei Führungspositionen in medizinischen Fachgesellschaften. Während der Anteil der Medizinstudentinnen seit Jahren bei etwa 60 Prozent liegt, ist derzeit nur rund ein Drittel der Vorstandsmitglieder von 183 AWMF-Fachgesellschaften weiblich. Eine Präsidentin haben sogar nur etwa ein Viertel. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei akademischen Führungspositionen in Kliniken und Editorial Boards, aber auch bei internationalen Fachgesellschaften und der Repräsentation auf Fachtagungen, wie die Autoren der aktuellen DIVI-Studie aufzeigen. Neben der noch immer vorherrschenden traditionellen Rollenverteilung hinsichtlich familiärer Verpflichtungen werden männerdominierte Hierarchien und Netzwerke als Gründe genannt, die Frauen den Aufstieg erschweren.
Unterfüttert wird das Ganze von einer aktuellen Umfrage des Marburger Bundes, an der rund 500 Ärztinnen und Ärzte aus Hamburger Kliniken teilnahmen. Die Befragten beklagten eine mangelnde Vielfalt in Führungspositionen und starre, machtzentrierte Hierarchien, die einen Nährboden für Machtmissbrauch schaffen. Misogyne, sexistische, aber auch homophobe und rassistische Kommentare gehören demnach zum Alltag vieler Ärztinnen und Ärzte. Das Besetzungsverfahren für ärztliche Führungspositionen in ihrer Klinik bemängelte rund die Hälfte als intransparent und kaum an objektiven Kriterien orientiert.
Wenigstens einen kleinen Lichtblick gibt es jedoch: Sexuelles Fehlverhalten bleibt in der wissenschaftlichen Community offenbar nicht folgenlos. Forschungsarbeiten mutmaßlicher Täter werden nach dem Bekanntwerden von Anschuldigungen sexuellen Fehlverhaltens seltener zitiert, Beschuldigte publizieren seltener, kooperieren weniger mit anderen und verlassen die akademische Forschung mit größerer Wahrscheinlichkeit. Das zeigt eine aktuelle Studie von Forschenden aus München. Aber auch hier wird deutlich: Männer halten zusammen – denn der Effekt fiel in stärker männlich dominierten Disziplinen schwächer aus.
Die Forderung der DIVI nach einem „tiefgreifenden Kulturwandel“ im gesamten System der medizinischen Fachgesellschaften ist also mehr als berechtigt.
Eine informative Lektüre und eine erfolgreiche Woche wünscht Ihnen
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