|
Liebe Leserinnen und Leser,
Herz-Kreislauf-Erkrankungen gelten als Erkrankungen des Alters. Dank moderner interventioneller Verfahren können heutzutage auch Hochbetagte mit KHK und Herzinfarkt erfolgreich behandelt werden. So wurden im Jahr 2023 die häufigsten perkutanen Koronarinterventionen bei Personen im Alter zwischen 70 und 79 Jahren vorgenommen. Und auch rund 40 Prozent der Bypass-Operationen erfolgten bei den über 70-Jährigen.
Damit ist es nicht wirklich überraschend, dass das Risiko für die Entwicklung eines postoperativen Delirs in diesem Patientenkollektiv besonders hoch ist. Es handele sich um „eine der zentralen Komplikationen moderner Herzmedizin“, betont Prof. Georg Nickenig, Direktor der Klinik für Kardiologie am Universitätsklinikum Bonn und Koautor einer jüngst veröffentlichten Übersichtsarbeit zu dem Thema. Neben dem vermehrten Einsatz standardisierter Screening-Instrumente fordern die Studienautoren auch gezielte präventive – und vor allem nicht medikamentöse – Maßnahmen. Diese könnten das Auftreten eines Delirs um bis zu 40 Prozent senken.
Vor gut einem Jahr schlug eine internationale Kommission vor, Adipositas (BMI >30 kg/m²) in zwei Kategorien einzuteilen: Während Menschen mit klinischer Adipositas bereits Folgeerscheinungen wie Bluthochdruck oder Störungen des Zucker- und Fettstoffwechsels aufweisen, gelten jene mit präklinischer Adipositas als weitgehend gesund. Neuen Analysen zufolge können vier von fünf Adipösen in die erste Kategorie eingeordnet werden – nur etwa jede fünfte Person gilt demnach als präklinisch adipös.
So ganz aufatmen können die Personen, die bislang „nur“ mit dem Übergewicht zu kämpfen haben, aber auch nicht: Im Vergleich zu Normalgewichtigen tragen auch sie ein vierfach erhöhtes Risiko für ein Typ-2-Diabetes. Bei Menschen mit klinischer Adipositas ist dieses sogar achtfach höher – und geht zudem mit einem dreifach höheren Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen einher. Laut den verantwortlichen Forschern überlappen viele klinische Kriterien zwischen den Kategorien jedoch stark, weshalb sie die Frage aufwerfen, ob eine umfangreiche Diagnostik zur Einteilung überhaupt notwendig ist.
Zum Schluss noch ein trauriges Update zu dem in der vergangenen Woche geschilderten Fall des italienischen Jungen, dem ein buchstäblich erfrorenes Herz transplantiert worden war: Nachdem eine Gruppe von Ärzten den Zustand des Kindes bereits in der letzten Woche als zu schlecht für eine erneute Transplantation eingeschätzt hatte, ist der „kleine Krieger“ am Wochenende verstorben. Die Mutter fordert nun Aufklärung.
Lesen Sie weitere spannende Meldungen aus der Herzmedizin im heutigen Newsletter und auf unserem Nachrichtenportal. Viel Freude bei der Lektüre wünscht
|