Liebe Leserinnen, liebe Leser,
weltweit nimmt die Prävalenz von Übergewicht und Adipositas bei Kindern und Jugendlichen zu. Die Folgen sind weitreichend, denn aus übergewichtigen Kindern werden oft übergewichtige Erwachsene – mit den bekannten negativen Auswirkungen auf die persönliche und öffentliche Gesundheit. Eines der Länder mit den höchsten Zuwachsraten bei Adipositas ist Chile, weshalb das Land bereits in den Jahren 2016 und 2019 ein weltweit beachtetes Maßnahmenpaket zur Bekämpfung von Übergewicht in der Bevölkerung eingeführt hat. Dazu zählen Warnhinweise auf Verpackungen, Werbe- und Verkaufsbeschränkungen und die Reformulierung von Produkten. Die Maßnahmen zeigen Erfolg, wie eine aktuelle Studie mit 300.000 Kindern im Alter zwischen vier und sechs Jahren zeigt. In der Kohorte der Kinder, die nach Einführung der Maßnahmen heranwuchsen, ging die Prävalenz von Übergewicht und Adipositas um etwa ein bis 1,4 Prozentpunkte zurück. Für Kritiker solcher Eingriffe des Staates in die persönliche (Ernährungs-)Freiheit ist dieser Rückgang nicht der Rede wert, auf die Gesamtzahl der in Chile lebenden Kinder und Jugendlichen hochgerechnet, bedeutet dies Zehntausende Kinder, die langfristig gesünder aufwachsen.
Für die Befürworter ernährungspolitischer Maßnahmen in Deutschland sind die aktuellen Ergebnisse ein weiteres Argument, an ihrem Ziel festzuhalten. Allerdings ist zu betonen, dass der chilenische Erfolg auf einem Bündel von Interventionen beruht, während wir uns hierzulande noch nicht einmal auf eine einzige wie beispielsweise die Einführung einer Zuckersteuer oder eines Werbeverbotes für ungesunde Lebensmittel einigen können.
Wasser auf die Mühlen der Kritiker solcher Maßnahmen könnten die Ergebnisse einer internationalen Studie sein, die an einer Kohorte norwegischer Kinder und deren Eltern herausgefunden hat, dass der häufig beobachtete Zusammenhang „dicke Eltern – dicke Kinder“ vor allem genetisch bedingt zu sein scheint. Jedenfalls konnten die Forschenden kaum einen Einfluss der Schwangerschaft oder der Erziehung auf das Gewicht von Kindern, deren Eltern adipös waren, feststellen.
Diese Erkenntnis sollte aber kein Grund sein, die Flinte ins Korn zu werfen und nicht weiter auf eine gesündere Ernährung von Kindern (und Erwachsenen) und mehr Bewegung zu dringen, denn von den so erzielten Vorteilen profitieren langfristig alle.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein entspanntes Wochenende und eine aufschlussreiche Lektüre dieser und weiterer interessanter Neuigkeiten in unserem Newsletter!
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