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Liebe Leserinnen und Leser,
in kaum einem anderen Fachgebiet ist die Balance zwischen Fortschritt und Zurückhaltung so wichtig wie in der Pädiatrie. Das wird aus den Studien, die ich Ihnen im heutigen Newsletter präsentieren möchte, eindrücklich deutlich.
So zeigt eine aktuelle Arbeit aus den USA, dass „mehr und frühe Medizin“ nicht automatisch „bessere Medizin“ bedeutet: So kann eine zu frühe Bildgebung bei fieberhaftem Harnwegsinfekt im Säuglingsalter unnötige und belastende Diagnostik nach sich ziehen. Die Forschenden raten stattdessen, mit der Ultraschalluntersuchung der Harnwege zu warten, bis das Fieber abgeklungen ist.
Auch gängige Probiotika, die die Entwicklung des kindlichem Mikrobioms unterstützen sollen, sind offenbar längst nicht so nützlich wie gedacht, wie eine Studie aus Großbritannien zeigt. Denn tatsächlich fehlt zumindest Kindern der westlichen Welt ein wichtiger, und oft in kommerziellen Produkten enthaltener Bakterienstamm gänzlich.
Ein differenzierter Blick ist auch in der Neonatologie gefragt. So deuten die Ergebnisse eines US-amerikanischen Forscherteams darauf hin, dass Staphylokokken als häufiger Auslöser der neonatalen Sepsis differenzierter betrachtet werden müssen. Denn anders als erwartet fanden die Wissenschaftler, dass Methicillin-sensibler S. aureus (MSSA) mehr invasive Infektionen zu verursachen scheint als Methicillin-resistenter S. aureus (MRSA).
Die Botschaft ist klar: Gute Kinder- und Jugendmedizin braucht weniger reflexhafte Routinen, sondern gutes Timing und mehr Präzision.
Eine aufschlussreiche Lektüre und ein schönes Wochenende wünscht Ihnen
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