hin und wieder gibt es Nachrichten, die mich an Schildbürgerstreiche erinnern: So stand zur Diskussion, Ethanol in Desinfektionsmitteln zu verbieten, weil es als CMR-Stoff – krebserregend, erbgutverändernd, fortpflanzungsgefährdend – einzustufen sei. Allerdings gilt das nur dann, wenn man es trinkt … Zum Glück hat sich die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) dagegen ausgesprochen. Schließlich ist nicht klar, wie teuer und eventuell auf lange Sicht vielleicht gesundheitlich noch viel fragwürdiger Alternativen wären.
Jahrzehntelange Erfahrungen gibt es auch mit Alkohol in Arzneimitteln – doch aufgrund von Kindern und Menschen mit einer Alkoholkonsumstörung sind Bedenken dabei aus meiner Sicht verständlicher. Aber auch hier ist natürlich die Frage berechtigt, ob Alternativen nicht neue Probleme aufwerfen oder gar nicht infrage kommen, weil der Alkohol als Extraktionsmittel dient. Der Branchenverband Pharma Deutschland warnt davor, die ECHA-Entscheidung als Entwarnung für die gesamte Ethanol-Regulierung zu lesen.
Ein kurzer Abstecher zur Hämatologie: Die American Society of Hematology weist darauf hin, dass die topaktuellen Poster und Abstracts, die bei der vergangenen 67. Jahrestagung vorgestellt wurden, jetzt online verfügbar sind.
Doch nun zu den im Betreff angekündigten Themen: Bei Prostatakrebs gibt es zum einen aktuelle Erkenntnisse zur Metastasierung. Demnach aktiviert die Abspaltung der extrazellulären Domäne des onkogenen Transmembranproteins TROP2 die Signalübertragung über den Epidermalen Wachstumsfaktorrezeptor (EGFR) und fördert so die Entstehung von Metastasen.
Neu sind auch Empfehlungen zur Definition des PSMA-positiven biochemischen Rezidivs (BCR): Dies soll ein Prostatakrebsrezidiv beschreiben, das ausschließlich mittels PSMA-PET/CT nachweisbar ist. Neben weiteren Empfehlungen zur Erfassung der Basisdaten und zu den Anforderungen an die Bildgebung schlugen die Wissenschaftler zudem vor, ein Hochrisiko-BCR mit einer PSA-Verdopplungszeit von bis zu sechs Monaten zu definieren, unabhängig vom PET-Befund.
Ferner belegt eine britisch-italienische Forschungsarbeit, dass sich mit sequenzieller Liquid Biopsy Merkmale zirkulierender Tumor-DNA (ctDNA) identifizieren lassen, die mit einem Behandlungserfolg bei Patienten mit metastasiertem kastrationsresistenten Prostatakrebs unter Cabazitaxel-Therapie assoziiert sind. Auch bei Hodenkrebs besitzt ctDNA eine hohe Aussagekraft, konkret für das Überleben nach Orchiektomie und retroperitonealer Lymphknotendissektion. Bleiben wir in der Uroonkologie: Für das klarzellige Nierenzellkarzinom konnten Forscher belegen, dass das Ausschalten eines bestimmten DNA-Elements das Tumorwachstum verlangsamen kann.
Beim Melanom konnten Wissenschaftler den Homeobox-haltigen Transkriptionsfaktor Hoxd13 als treibenden Faktor für das Wachstum identifizieren. Auf therapeutischer Seite eröffnet sich mit Nanopartikeln, mit denen Melanome mittels niedrigenergetischem Nahinfrarot-Laser zerstört werden können, ohne das umliegende gesunde Gewebe zu schädigen, eine neue Option. Zu guter Letzt sei noch auf eine zunächst skurril anmutende Studie zu akralen Melanomen bei Mexikanern hingewiesen: Aber sie lenkt den Blick darauf, dass die genetische Abstammung bei der Entstehung und dem biologischen Verhalten des akralen Melanoms entscheidend zu sein scheint.
Ich wünsche Ihnen eine interessante Lektüre und eine sonnige Woche!