|
Liebe Leserinnen und Leser des Kompakt Onkologie,
wie entkommen Krebszellen den fein ausgeklügelten Mechanismen des Immunsystems? Dieser Frage gingen japanische Wissenschaftler jetzt nach. Wie sich zeigte, nutzen die Krebszellen den Mitochondrien-Transfer hin zu Immunzellen und die metabolische Neuprogrammierung der Tumormikroumgebung als Schlüsselstrategie zur Immunflucht.
CAR-T-Zell-Therapien haben sich bekanntlich bei der Behandlung bestimmter Blutkrebsarten als vielversprechend erwiesen. Wir berichten über überarbeitete CAR-T-Zellen, die in niedrigen Dosen eine anhaltende Wirkung bei großzelligen B-Zell-Lymphomen zeigen. Leider können CAR-T-Zell-Therapien in seltenen Fällen mit neuen Krebserkrankungen einhergehen. Bei einer Patientin, die ein Lymphom im Darm entwickelte, war der virale Vektor, der zur Entwicklung der CAR-T-Zellen verwendet wurde, in das P53-Gen in T-Zellen im Darm integriert worden. Zusätzlich scheint bei ihr eine Mutation im Tumor-Suppressor SOCS1 eine Rolle gespielt zu haben.
Immuntherapien haben die Krebsbehandlung revolutioniert, aber sie können erhebliche Nebenwirkungen haben. Ein innovativer Ansatz beinhaltet die Verwendung von Blutwäsche mit UV-Licht – der extrakorporalen Photopherese –, um Entzündungen zu reduzieren. Verblüffenderweise spielt dabei Adiponektin, bekannt aus dem Fettstoffwechsel, eine zentrale Rolle. Die Nebenwirkungen konnten weitgehend gestoppt werden, ohne dass die Krebsbekämpfung litt.
In der Hämatologie hat ein Forscherteam mit der VITT-ähnlichen Monoklonalen Gammopathie thrombotischer Signifikanz eine neue Entdeckung gemacht und damit eine Erklärung für die spontane und ungewöhnliche Blutgerinnung geliefert, die trotz Behandlung mit Blutverdünnern in voller Dosis weiterhin auftritt. Darüber hinaus beleuchten wir die aktualisierte S3-Leitlinie zur Chronischen lymphatischen Leukämie. Demnach sollen vor dem Start einer neuen Therapielinie der TP53-Deletions- und Mutationsstatus und zusätzlich der IGHV-Mutationsstatus erhoben werden. Für die Erstlinien- und auch die Rezidivtherapie werden nur noch chemotherapiefreie, zielgerichtete Therapien empfohlen. Neu aufgenommen wurde ein Kapitel zur Richter-Transformation.
Jenseits der Krebsforschung befasst sich unser Newsletter mit dem Bereich der Präzisionsmedizin. Ein Opinion-Leader-Meeting der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin betonte die Notwendigkeit, ihr Potenzial in Deutschland zu nutzen.
Last, but not least sei der Hinweis auf die Bedeutung von Ernährungsdefiziten bei Patienten erlaubt. Zum Jahresende 2024 haben das Universitätsklinikum Leipzig und die Techniker Krankenkasse einen Qualitätsvertrag zur umfassenden Diagnostik, Therapie und Prävention von Mangelernährung geschlossen, wobei der Vertragszeitraum in die Nullwertmessung und den Interventionszeitraum geteilt ist. Die im Vertrag festgelegten Leistungen werden demnach erst ab dem 01.06.2025 durchgeführt.
Ich wünsche Ihnen eine interessante Lektüre und eine gute Woche!
|