Ausgabe 03/2026

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Montag, 12. Januar 2026

Liebe Leserinnen und Leser,

gerade in der Schmerztherapie ist es ein bekanntes Phänomen: Während manche schmerzgeplagte Patientinnen und Patienten sehr gut auf ein Analgetikum ansprechen, zeigt das gleiche Mittel bei anderen Personen mit gleicher Indikation keinerlei Wirkung. Eine Ursache könnte das genetische Profil der Betroffenen sein. Dieses wird von der Pharmakogenetik adressiert – einer Disziplin, die wesentlich zu einer personalisierten Pharmakotherapie beiträgt und somit auch in der Behandlung von Schmerzen eine immer größere Rolle spielen wird. Welche genetischen Polymorphismen die Pharmakokinetik und Pharmakodynamik verschiedener Analgetika beeinflussen, fasste ein spanisches Forscherteam in einer Übersichtsarbeit zusammen.

Wissenschaftler aus der Schweiz konnten indes zeigen, dass bereits minimale genetische Abweichungen antikörperbasierte Therapien unwirksam machen können, indem sie zu einzelnen Aminosäureveränderungen an den Epitopen etablierter Antikörpertherapien führen. Da monoklonale Antikörper, die sich gegen CGRP richten, eine wachsende Rolle in der Migräneprophylaxe und -behandlung spielen, könnte diese Erkenntnis auch das mangelnde Therapieansprechen einiger Migränepatientinnen und -patienten erklären. Darauf deutet auch eine erste Untersuchung chinesischer Wissenschaftler hin, die bereits 2024 im „Journal of Headache and Pain“ erschien.

Während die pharmakogenetische Testung in Deutschland noch in den Kinderschuhen steckt, macht sich der National Health Service im Vereinigten Königreich auf den Weg, die Pharmakogenetik in den nächsten zehn Jahren in die routinemäßige klinische Praxis zu integrieren. Den Auftakt macht eine erste klinische Leitlinie, die eine routinemäßige CYP2C19-Genotypisierung vor der Erstverschreibung des Thrombozytenaggregationshemmers Clopidogrel empfiehlt.

Die beschriebenen Befunde machen deutlich, dass genetische Faktoren einen bislang unterschätzten Beitrag zum Therapieansprechen in der Schmerzmedizin leisten könnten. Auch wenn die pharmakogenetische Testung hierzulande noch kein klinischer Standard ist, zeigen internationale Entwicklungen, wohin die Reise gehen kann. Für Schmerzmedizinerinnen und Schmerzmediziner lohnt es sich daher schon heute, pharmakogenetische Konzepte mitzudenken – als möglichen Schlüssel zu einer künftig noch individuelleren und effektiveren Schmerztherapie.




   Ihre
   Dr. Aileen Hochhäuser

 

 
 
Pharmakogenetik zur Optimierung der Schmerztherapie

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In den letzten Jahren hat sich die Pharmakogenetik (PGx) als vielversprechender Ansatz zur Optimierung der Auswahl und Dosierung von Analgetika auf Basis patienten­spezifischer genetischer Profile herausgestellt.

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Antikörpertherapien: Genetische Varianten können sie unwirksam machen

Schweizer Forscher berichten in einer aktuellen Arbeit, dass bereits aufgrund minimaler genetischer Abweichungen bestimmte antikörperbasierte Therapien bei manchen Patienten nicht wirken können.

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Vor Erstverschreibung von Clopidogrel: Britische Leitlinie empfiehlt Gentest

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Als Prodrug wird die Wirksamkeit von Clopidogrel von dem individuellen Spiegel des Enzyms CYP2C19 bestimmt. Um diesen zu ermitteln, empfiehlt eine britische Leitlinie nun einen Gentest vor Erstverschreibung des Medikaments.

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Unsere Auswahl: Aktuelles aus internationalen Journals

Von Patienten berichtete Ergebnisse, postoperative Schmerzen und Schmerzlinderung nach ambulanten Operationen (POPPY): Basisdaten aus der ambulanten Chirurgiepraxis im Vereinigten Königreich.
Anaesthesia 07.01.2026

Eine Schädigung der peripheren Nerven reduziert die Efferozytose von Makrophagen und begünstigt so neuropathische Schmerzen.
Proc Natl Acad Sci U S A 2026;123(1):e2511401122.

Nachahmung der Opioidanalgesie in kortikalen Schmerzbahnen.
Nature 07.01.2026

 
 

Stress verstärkt Schmerzen und erschwert die Gefühlsregulation bei Depression und Fibromyalgie

Eine neue Studie unter Federführung des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit zeigt, dass Menschen mit Depression und Fibromyalgie nahezu identische Muster einer gestörten Gefühlsregulation aufweisen und dass Stress in beiden Gruppen Schmerzen und Stimmung deutlich verschlechtert.

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Therapie chronischer Schmerzen: Korrelation von Rückenmarkstimulation und Eosinophilie

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US-amerikanisch Forschende haben eine deutlich höhere Eosinophilenkonzentration bei Schmerzpatienten unter Neuromodulation festgestellt.

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KURZMELDUNGEN:

Eine überfraktionelle Gruppe von Bundestagsabgeordneten arbeitet derzeit an einem Gesetzesentwurf zur Neuregelung des assistierten Suizids. Ärztepräsident Dr. Klaus Reinhardt begrüßt das Vorhaben.
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In Schleswig-Holstein sind die Ausgaben für Migränemittel weiter gestiegen. Dabei entfällt ein Großteil der Kosten auf neue Wirkstoffe, berichtet die AOK NordWest.
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TERMINE:

22. Münchner Schmerztag
31.01.2026
München

Westdeutsche Anästhesietage 2026
27.02.–28.02.2026
Bonn

2. Multidisziplinäres Perioperatives Symposium
08.03.-14.03.2026
Going am Wilden Kaiser, Österreich

 
 

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