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Liebe Leserinnen und Leser,
gerade in der Schmerztherapie ist es ein bekanntes Phänomen: Während manche schmerzgeplagte Patientinnen und Patienten sehr gut auf ein Analgetikum ansprechen, zeigt das gleiche Mittel bei anderen Personen mit gleicher Indikation keinerlei Wirkung. Eine Ursache könnte das genetische Profil der Betroffenen sein. Dieses wird von der Pharmakogenetik adressiert – einer Disziplin, die wesentlich zu einer personalisierten Pharmakotherapie beiträgt und somit auch in der Behandlung von Schmerzen eine immer größere Rolle spielen wird. Welche genetischen Polymorphismen die Pharmakokinetik und Pharmakodynamik verschiedener Analgetika beeinflussen, fasste ein spanisches Forscherteam in einer Übersichtsarbeit zusammen.
Wissenschaftler aus der Schweiz konnten indes zeigen, dass bereits minimale genetische Abweichungen antikörperbasierte Therapien unwirksam machen können, indem sie zu einzelnen Aminosäureveränderungen an den Epitopen etablierter Antikörpertherapien führen. Da monoklonale Antikörper, die sich gegen CGRP richten, eine wachsende Rolle in der Migräneprophylaxe und -behandlung spielen, könnte diese Erkenntnis auch das mangelnde Therapieansprechen einiger Migränepatientinnen und -patienten erklären. Darauf deutet auch eine erste Untersuchung chinesischer Wissenschaftler hin, die bereits 2024 im „Journal of Headache and Pain“ erschien.
Während die pharmakogenetische Testung in Deutschland noch in den Kinderschuhen steckt, macht sich der National Health Service im Vereinigten Königreich auf den Weg, die Pharmakogenetik in den nächsten zehn Jahren in die routinemäßige klinische Praxis zu integrieren. Den Auftakt macht eine erste klinische Leitlinie, die eine routinemäßige CYP2C19-Genotypisierung vor der Erstverschreibung des Thrombozytenaggregationshemmers Clopidogrel empfiehlt.
Die beschriebenen Befunde machen deutlich, dass genetische Faktoren einen bislang unterschätzten Beitrag zum Therapieansprechen in der Schmerzmedizin leisten könnten. Auch wenn die pharmakogenetische Testung hierzulande noch kein klinischer Standard ist, zeigen internationale Entwicklungen, wohin die Reise gehen kann. Für Schmerzmedizinerinnen und Schmerzmediziner lohnt es sich daher schon heute, pharmakogenetische Konzepte mitzudenken – als möglichen Schlüssel zu einer künftig noch individuelleren und effektiveren Schmerztherapie.
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