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Liebe Leserinnen und Leser der Ophthalmologischen Nachrichten,
dass weniger zuweilen mehr sein kann, ist eine Binsenweisheit. Weniger kann bei der Verarbeitung visueller Reize sogar von Vorteil sein und vielleicht sogar die Sicherheit erhöhen. Ein deutsch-niederländisches Forschungsteam (Leipzig/Amsterdam) hat anhand von Experimenten mit Testpersonen herausgefunden, dass störende, ablenkende visuelle Reize, die immer wieder auftreten, vom visuellen System gezielt unterdrückt werden und so die Reizflut reduzieren. Die Aufmerksamkeitssteuerung wäre demnach einem Lernprozess unterworfen und nicht bloß willkürlich. Alltagsrelevant, so die Forscher, könnte dies etwa bei Berufspendlern sein, die immer wieder dieselbe Strecke fahren und sich so durch das Ausblenden stets wiederkehrender visueller Störreize sicherer im Verkehr bewegen würden.
Anpassungsfähigkeit auf der Ebene retinaler Proteine haben Forscher des International Centre for Translational Eye Research in Warschau, Polen, nachgewiesen. Ihnen gelang es, anhand von Schweinenetzhäuten zu zeigen, dass das Glykoprotein RBP3 nicht nur als bloßer Retinoid-Transporter fungiert, sondern in Abhängigkeit von der Art und Konzentration des gebundenen Moleküls seine Form verändern kann. Dieser aktive, adaptive Mechanismus erlaube eine exakte Regulierung der Zufuhr von Schlüsselmolekülen zu den Photorezeptoren, um den Transport dieser Moleküle zu optimieren. Das Verständnis dieser Dynamik könnte neue Wege für die Erforschung des Sehzyklus und potenzielle Therapien für degenerative Erkrankungen der Netzhaut eröffnen.
Zwei in der deutschen Augenforschung anerkannte Ophthalmologinnen sind in diesen Tagen mit besonderen Ernennungen gewürdigt worden. Prof. Martina C. Herwig-Carl hat an der Universität Bonn eine W2-Professur für Ophthalmopathologie erhalten. Diese Professur soll eng mit den Forschungsschwerpunkten „Onkologie“ und „Immunosciences“ der Bonner Medizinischen Fakultät sowie mit dem Centrum für Integrierte Onkologie verknüpft werden.
Prof. Teresa Barth vom Universitätsklinikum Regensburg ist von der DOG als deutsche Teilnehmerin für das Leadership Development Programme der European Society of Ophthalmology (SOE) ausgewählt worden. Talentierte Ophthalmologen werden hier gezielt auf Führungsaufgaben in der Ophthalmologie vorbereitet und erhalten die Möglichkeit, sich mit hochrangigen Experten in Europa eng zu vernetzen.
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