|
Untersuchungen belegen ein Ansteigen von sNfL bei RMS-Patient*innen noch vor dem Auftreten von Schüben (s. Abb. 2) und MRT-Läsionen.3 Die sensitive sNfL-Messung könnte somit helfen, neuroaxonale Schädigung früh zu detektieren, die in der MRT-Bildgebung nicht zuverlässig erkennbar ist und (noch) keine klinischen Symptome verursacht.1
Potenziell nicht ausreichend kontrollierte Patient*innen identifizieren
Durch regelmäßige Messungen der sNfL-Spiegel (z. B. im Rahmen der Verlaufskontrollen oder ergänzend dazu vierteljährlich) könnten Ärzt*innen die Krankheitsaktivität in Echtzeit überwachen und Behandlungsstrategien rechtzeitig entsprechend anpassen.1,4 Eine Überschreitung des sNfL-Werts von ≥ 10 pg/ml dient dabei nach derzeitigem Kenntnisstand als Indikator für eine erhöhte Krankheitsaktivität, selbst wenn sich noch keine klinischen Symptome zeigen.5,6,7
Bei anhaltend hohen sNfL-Werten noch sechs Monate nach Beginn einer niedrig wirksamena krankheitsmodifizierenden Therapie (disease modifiying therapy; DMT) sollte eine genaue klinische Untersuchung und/oder ein MRT durchgeführt und über eine Therapieoptimierung bzw. einen Therapiewechsel nachgedacht werden. Unter einer wirksamen Therapie sollten erhöhte sNfL-Werte wieder absinken. Anhaltend niedrige Werte korrelieren mit der Freiheit von Krankheitsaktivität (no evidence of disease activity; NEDA-3).1,4 Patient*innen mit NEDA-3-Status, die klinisch stabil erscheinen, aber dennoch erhöhte sNfL-Werte als Zeichen subklinischer Krankheitsaktivität aufweisen, haben ein erhöhtes Risiko, im nächsten Jahr einen Schub oder eine EDSS- Verschlechterung zu entwickeln (Expanded Disability Status Scale; EDSS).6 Hocheffektive Therapien (high efficacy therapies; HET)b, z. B. mit dem Anti-CD20-Antikörper Ofatumumabc, führten im Vergleich zu niedrig wirksamen Therapien zu einer anhaltend stärkeren Senkung der sNfL-Werte im Behandlungsverlauf.1,6,8
 Abb. 2: Anstieg der sNfL-Spiegel vor dem Auftreten von Schüben bei RMS-Patient*innen (adaptiert nach3) sNfL: Serum-Neurofilament-Leichtketten; NEDA-3 (No Evidence of Disease Activity): Kein Zeichen von Krankheitsaktivität: keine Schübe, keine Behinderungsprogression, keine MRT-Aktivität
Die Therapieentscheidung bei RMS stützt sich bisher auf die Anzahl der Schübe im Erkrankungsverlauf, Schwere und Rückbildung der Schübe, MRT-Parameter (Läsionslast, Aktivität) und Liquorparameter sowie eine individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung.6 Die hohe Variabilität des Krankheitsverlaufs gestaltet die Prognose der künftigen Krankheitsaktivität jedoch schwierig.6
Mit sNfL könnte Ärzt*innen ein Echtzeit-Aktivitätsmarker zur Verlaufskontrolle, zum Therapiemonitoring und zur Therapieplanung zur Verfügung stehen, der auch subklinische Krankheitsaktivität unter einer DMT anzeigt.1,4,9 Dies könnte zu einer individualisierten MS-Behandlung beitragen. Die Messung von sNfL mittels Blutprobe kann im Gegensatz zu gängigen Bildgebungsverfahren leicht in die Routinepraxis integriert werden.1
Fazit
Für die RMS-Therapie ist mit sNfL ein objektiver, messbarer Aktivitätsmarker verfügbar, der sich niederschwellig in der klinischen Praxis ermitteln lässt. In Ergänzung zu bildgebenden Verfahren wie MRT und dem klinischen Befund bietet sNfL eine minimalinvasive und kosteneffiziente Möglichkeit, die gegenwärtige Krankheitsaktivität von MS-Patient*innen zu bestimmen und subklinisches Krankheitsgeschehen aufzudecken.1
a analog 2 gemäß Wirksamkeitskategorie 1 b analog 2 gemäß Wirksamkeitskategorie 3 c Ofatumumab ist zur Behandlung von erwachsenen RMS-Patient*innen mit aktiver Erkrankung, definiert durch klinischen Befund oder Bildgebung, zugelassen.
|