Behandlung des männlichen Testosteronmangels

Männlicher Testosteronmangel: 
So behandeln Sie betroffene Patienten in der Praxis

Sehr geehrte Frau Doktor, 

sehr geehrter Herr Doktor,

die Behandlung des männlichen Testosteronmangels richtet sich nach der Art des Hypogonadismus (primär, sekundär oder funktionell) sowie danach, ob aktuell ein Kinderwunsch besteht.[1]

Bei Männern ohne Kinderwunsch kann nach Ausschluss möglicher Kontraindikationen eine Testosterontherapie begonnen werden. Die Auswahl der Darreichungsform sollte sich an der individuellen Situation und den Präferenzen des Patienten orientieren. Besteht ein Kinderwunsch, muss die Behandlung stattdessen mit Gonadotropinen erfolgen, weil eine Testosterontherapie die körpereigene Spermienproduktion hemmen würde.[1]

Der funktionelle Testosteronmangel ist die häufigste Art des Hypogonadismus und tritt insbesondere bei Männern mit bestimmten Komorbiditäten auf. Internationale Leitlinien empfehlen, zunächst die zugrunde liegende Ursache zu behandeln, beispielsweise Adipositas, Typ-2-Diabetes oder eine chronisch entzündliche Erkrankung. Da die Beschwerden eines Testosteronmangels die Lebensqualität der Patienten jedoch häufig deutlich beeinträchtigen, wird in der Praxis oft gleichzeitig eine Testosterontherapie eingeleitet.[1]
 

Hier mehr erfahren

Therapieoptionen

Die Wahl der Darreichungsform erfolgt nach ärztlicher Beratung gemeinsam mit dem Patienten. Folgende Therapieoptionen sind derzeit in Deutschland verfügbar:

Testosterontherapie: Therapieoptionen in Deutschland

Kontraindikationen

Vor Beginn einer Testosterontherapie muss der Patient sorgfältig auf mögliche bestehende Kontraindikationen untersucht werden. Dabei wird zwischen absoluten und relativen Kontraindikationen einer Testosterontherapie unterschieden.[1,2] Nachfolgend sind diese entsprechend der EAU-Leitlinie „Sexual and Reproductive Health“ aufgeführt.[2]

Absolute und relative Kontraindikationen einer Testosterontherapie

  • Absolute Kontraindikationen: Lokal fortgeschrittenes oder metastasierendes Prostatakarzinom, männliches Mammakarzinom, aktuell bestehender Kinderwunsch, Hämatokrit ≥ 54 %, unkontrollierte oder schlecht kontrollierte Herzinsuffizienz
  • Relative Kontraindikationen: Baseline Hämatokrit 48–50 %, 
    IPSS > 19 (schwerwiegende Symptome des unteren Harntraktes), bekannte familiär bedingte gehäufte Thromboembolien

Testosteronspiegel leitliniengereicht einstellen

Ziel einer Testosterontherapie ist nach den Empfehlungen internationaler Fachgesellschaften die Einstellung des Testosteronspiegels in den Normbereich. Die EAU-Leitlinie und zahlreiche weitere Leitlinien nennen hierfür keine konkreten Zielwerte.[2] Der allgemeine Referenzbereich für das Gesamttestosteron wird je nach Quelle mit etwa 12 bis 35 nmol/l angegeben.

EAU-Leitlinie 2026

TRAVERSE Studie – Kein erhöhtes Risiko für schwere CV-Ereignisse

Keine Erhöhung von MACE unter Testosteron vs. Placebo[3]

Eine wichtige Grundlage für die Neubewertung der Sicherheit der Testosterontherapie sind die Ergebnisse der 2023 veröffentlichten TRAVERSE-Studie. Die TRAVERSE-Studie ist die bislang größte randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Sicherheitsstudie zu diesem Thema. Mehr als 5.200 Männer mit symptomatischem Testosteronmangel wurden in die Studie eingeschlossen. Sie hatten ein erhöhtes kardiovaskuläres (CV) Risiko oder bereits bestehende CV-Erkrankungen und stellen damit eine Patientengruppe dar, wie sie häufig in der hausärztlichen Versorgung anzutreffen ist.[3]

Die Studiendaten zeigen, dass eine transdermale Testosterontherapie im Vergleich zu Placebo nicht mit einem erhöhten Risiko für schwere kardiovaskuläre Ereignisse wie Myokardinfarkt, Schlaganfall oder kardiovaskulär bedingten Tod verbunden war.[3]

Hier mehr erfahren 

TRAVERSE Studie – Kein erhöhtes Prostatakarzinom-Risiko

Eine der TRAVERSE-Substudien zeigt zudem, dass eine adäquat dosierte Testosterontherapie das Risiko für die Entstehung eines Prostatakarzinoms (PCa) nicht erhöht. Prostatakrankheiten traten insgesamt selten auf und unterschieden sich während des Studienverlaufs über vier Jahre nicht signifikant zwischen den Männern in der Testosteron- und Placebogruppe.[4] Daher sollten pauschale Sicherheitsbedenken einer leitliniengerechten Testosterontherapie hypogonadaler Patienten nicht entgegenstehen.

Mehr zum Thema Prostatasicherheit

Newsletter-Registrierung

Fortbildungs-Service der Besins Healthcare Germany GmbH

Interessante eCMEs zum Testosteronmangel finden Sie hier

Wie helfe ich Männern mit Testosteronmangel in der Hausarztpraxis?
Erfahren Sie mehr darüber in unseren spannenden
E-Learning-Modulen

Literatur
1. Zitzmann M. Testosterontherapie im Alter bei Hypogonadismus und Komorbiditäten. Internist. 2020; 61: 549–557. 
2. Salonia et al. Guidelines on Sexual and Reproductive Health. Chapter 3: Male Hypogonadism. European Association of Urology 2026. Online unter: https://uroweb.org/guidelines/sexual-and-reproductive-health/chapter/male-hypogonadism. Letzter Zugriff: 30.07.2026 
3. Lincoff A et al. Cardiovascular Safety of Testosterone-Replacement Therapy. N Engl J Med 2023; 389(2): 107-117. 
4. Bhasin S et al. Prostate safety events during testosterone replacement therapy in men with hypogonadism a randomized clinical trial. JAMA Network Open 2023; 6(12): e2348692.

Bildquellen
1. Besins Healthcare Germany GmbH
2. Besins Healthcare Germany GmbH
3. Besins Healthcare Germany GmbH
4. Besins Healthcare Germany GmbH
5. Besins Healthcare Germany GmbH

Besin Logo

 

Besins Healthcare Germany GmbH
Mariendorfer Damm 3,12099 Berlin

 

Tel.: +49 30 408199 0
Fax: +49 30 408199 100

E-Mail: [email protected]

 

Medizinischer Infoservice
Tel.: + 49 800 000 4507
E-Mail: [email protected]