Nicht jedes im Screening entdeckte Vorhofflimmern benötigt eine Antikoagulation

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Vorhofflimmern (VHF) gilt als Risikofaktor für das Auftreten eines Schlaganfalls. Ob ein Screening auf VHF und eine anschließende Behandlung mit gerinnungshemmenden Medikamenten, wenn VHF festgestellt wird, Schlaganfälle aber tatsächlich verhindern kann, ist bislang nicht ausreichend untersucht. Nun deutet eine Studie aus Dänemark darauf hin, dass ein Screening auf VHF das Schlaganfallrisiko nicht senkt.

In die randomisierte kontrollierte Studie (RCT) schloss die Arbeitsgruppe um Jesper H. Svendsen von der Universitätsmedizin Kopenhagen (Dänemark) an 4 Zentren 6004 Personen ohne bekanntes VHF im Alter von 70–90 Jahren ein, bei denen ≥1 zusätzlicher Risikofaktor für einen Schlaganfall (Bluthochdruck, Diabetes, früherer Schlaganfall oder HF) vorlag. Die Teilnehmenden wurden nach dem Zufallsprinzip im Verhältnis 1:3 einer Überwachung mittels implantierbaren Schleifenrekorders (ILR; n=1501) oder der üblichen Versorgung (Kontrolle; n=4503) zuge­wiesen.

In der ILR-Gruppe wurde eine Antikoagulation empfohlen, wenn die VHF-Episoden ≥6 min dauerten. Primärer Studienendpunkt war die Zeit bis zum ersten Schlaganfall oder einer systemischen arteriellen Embolie. Das Durchschnittsalter der Studienteilnehmer betrug 74,7±4,1 Jahre, 2837 (47,3%) waren Frauen, 5444 (90,7%) litten unter Bluthochdruck.

Während einer medianen Nachbeobachtungszeit von 64,5 Monaten (IQR 59,3–69,8) wurde bei 1027 Teilnehmern VHF diagnostiziert: 477 (31,8%) in der ILR-Gruppe vs. 550 (12,2%) in der Kontrollgruppe (HR 3,17; 95%-KI 2,81–3,59; p<0,0001). Eine orale Antikoagulation wurde bei 1036 Teilnehmern eingeleitet: 445 (29,7%) in der ILR-Gruppe vs. 591 (13,1%) in der Kontrollgruppe (HR 2,72; 95%-KI 2,41–3,08; p<0,0001).

Einen Schlaganfall erlitten 315 Patienten, bei 3 Teilnehmern kam es zu einer systemischen arteriellen Embolie: 67 (4,5%) in der ILR-Gruppe vs. 251 (5,6%) in der Kontrollgruppe (HR 0,80; 95%-KI 0,61–1,05; p=0,11). Schwere Blutungen traten bei 221 Teilnehmern auf: 65 (4,3%) in der ILR-Gruppe vs. 156 (3,5%) in der Kontrollgruppe (HR 1,26; 95%-KI 0,95–1,69; p=0,11).

Fazit
Obwohl das ILR-Screening zu einem 3-fachen Anstieg der Entdeckung von VHF und entsprechender Einleitung einer Antikoagulation führte, bewirkte es jedoch keine signifikante Verringerung des Schlaganfall- oder Embolierisikos. Dies könnte den Autoren zufolge darauf hindeuten, dass sich nicht jedes VHF für ein Screening lohnt und dass nicht jedes im Screening entdeckte VHF eine Antikoagulation benötigt. (ej)

Autoren: Svendsen JH et al.
Korrespondenz: Jesper Svendsen; [email protected]
Studie: Implantable loop recorder detection of atrial fibrillation to prevent stroke (The LOOP Study): a randomised controlled trial
Quelle: Lancet 2021;398(10310):1507–1516.
Web: https://doi.org/10.1016/s0140-6736(21)01698-6