Nicht muskelinvasiver Hochrisiko-Blasenkrebs birgt auch 25 Jahre nach Diagnose noch Gefahr

Auch nicht muskelinvasiver Blasenkrebs kann mit einem hohen Mortalitätsrisiko verbunden sein. Grafik: Judith – stock.adobe.com

Eine langfristige bevölkerungsbasierte Studie aus Schweden zeigt, dass Patienten mit nicht muskelinvasivem Blasenkrebs (NMIBC) und hohem Rezidivrisiko bis zu 25 Jahre nach der Erstdiagnose weiterhin unter dem Risiko stehen, an ihrem Krebs zu sterben.

Linda Dey vom Karolinska-Institut in Stockholm und Kollegen publizierten in „BJU International“ die Ergebnisse einer prospektiven multizentrischen populationsbasierten Kohortenstudie, in der Patienten nachbeobachtet wurden, die zwischen 1995 und 1996 in Stockholm die Diagnose Blasenkrebs erhielten. Der primäre Endpunkt war die krebsspezifische Mortalität (CSM), separat analysiert für niedrig- und hochgradiges NMIBC sowie muskelinvasives Blasenkarzinom (MIBC). Die Autoren analysierten die Überlebensraten mittels kumulativer Inzidenz unter Berücksichtigung konkurrierender Risiken.

Insgesamt wurden 526 Patienten in die Studie eingeschlossen, davon 396 mit NMIBC. Von den 102 Patienten mit T1-Erkrankung verstarben 37 % innerhalb des 25-jährigen Nachbeobachtungszeitraums an Blasenkrebs. Die CSM betrug bei Niedrigrisiko-NMIBC 3 %, bei Hochrisiko-NMIBC 26 % und bei MIBC 71 %. Bei den operierten MIBC-Patienten lag die 5-Jahres-CSM bei 39 %.

Von den 178 Patienten mit Hochrisiko-NMIBC entwickelten 22 % im Verlauf der Nachbeobachtung ein MIBC, 10 % einen Lymphknotenbefall und 17 % eine Metastasierung. Aufgrund dieser Daten betonen die Autoren „die Bedeutung einer optimalen Behandlung für ausgewählte Hochrisiko-T1-Patienten mit hoher Lebenserwartung und hohem Progressionsrisiko“.

Für Prof. Michael Stöckle, Herausgeber von KOMPAKT UROLOGIE, bestätigt die niedrige tumorspezifische Mortalität beim nicht muskelinvasiven Niedrigrisikotumor, „dass ein Wandel vom niedrigen zum hohen Risiko auch im Langzeitverlauf eher selten ist, basierend auf einer distinkten Tumorbiologie“, wie er im Editorial der aktuellen Ausgabe schreibt. Die CSM von 71 % bei MIBC betrachtet er als erstaunlich hoch, „was sich wohl dadurch erklärt, dass viele dieser Patienten damals nicht operiert worden sind“. Insgesamt wird für den ehemaligen Generalsekretär und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Urologie deutlich: „Organerhaltend therapierte Patienten mit Hochrisikotumoren unterliegen zeitlebens, auch noch nach 25 Jahren, einem relevanten Risiko, am Tumor zu versterben, insbesondere Patienten mit T1-Tumoren.“

(ms/BIERMANN)