Nicht nur Insulin ist entscheidend: Frühe Glukagonerhöhung bei Typ-2-Diabetes hängt mit Fettlebererkrankung zusammen

Für die Studie analysierten die Forschenden Blutproben und Stoffwechselparameter von Erwachsenen mit neu diagnostiziertem Typ-2-Diabetes und Erwachsenen mit normalem Blutglukosestoffwechsel. (Foto: DDZ)

Im Mittelpunkt der Typ-2-Diabetes-Forschung stand bislang vor allem Insulin. Doch neue Forschungsergebnisse zeigen, dass auch das Hormon Glukagon schon früh erhöht ist. Diese Erhöhung steht mit einer Stoffwechseldysfunktion-assoziierten steatotischen Lebererkrankung (MASLD) in Zusammenhang.

Die Erkenntnisse aus der neuen Studie des Deutschen Diabetes-Zentrums (DDZ) werfen neue Fragen auf, die für die Entwicklung zukünftiger Therapien relevant sein könnten. Klären wollten die Wissenschaftler in ihrer Untersuchung, ob erhöhte Glukagonspiegel bereits kurz nach der Diagnose eines Typ-2-Diabetes auftreten und welche Rolle dabei die MASLD spielt.

Für die kürzlich in der international führenden medizinischen Fachzeitschrift „Diabetes Care“ veröffentlichte Studie analysierten die DDZ-Forschenden Blutproben und Stoffwechselparameter von 50 Erwachsenen mit neu diagnostiziertem Typ-2-Diabetes sowie von 50 Erwachsenen mit normalem Blutglukosestoffwechsel. Grundlage waren Daten von Teilnehmenden der Deutschen Diabetes Studie, die größte laufende Studie zu neu diagnostiziertem Diabetes bei Erwachsenen in Europa.

Leber reagiert möglicherweise weniger empfindlich auf Glukagon

Die Ergebnisse zeigen, dass Menschen mit Typ-2-Diabetes bereits innerhalb des ersten Jahres nach der Diagnose rund 75 Prozent höhere Glukagonspiegel nach einer Mahlzeit aufweisen als Menschen ohne Typ-2-Diabetes. Bemerkenswert ist, dass dieser Anstieg eng mit dem Fettgehalt der Leber verknüpft ist – und nicht, wie bislang oft angenommen, mit Insulinresistenz oder bestimmten Stoffwechselprodukten im Blut.

„Unsere Ergebnisse verdeutlichen, dass Typ-2-Diabetes nicht ausschließlich unter dem Aspekt der Insulinwirkung betrachtet werden sollte“, erklärt Prof. Michael Roden, wissenschaftlicher Geschäftsführer und Sprecher des Vorstands des DDZ sowie Direktor der Klinik für Endokrinologie und Diabetologie am Universitätsklinikum Düsseldorf. „Die Leber und die Regulation von Glukagon spielen eine besondere Rolle im Stoffwechsel.“

Bisherige Arbeiten legen nahe, dass in den Leberzellen eingelagertes Fett die Wirkung von Glukagon beeinträchtigen könnte. Die neuen Daten stützen diese Annahme und sprechen für eine hepatische Glukagonresistenz. Das heißt: Die Leber reagiert möglicherweise weniger empfindlich auf Glukagon, woraufhin der Körper vermehrt davon ausschüttet. Die Ergebnisse sind auch praktisch relevant, da neue Wirkstoffklassen in Studien gezielt am Glukagonsystem ansetzen – unter anderem mit dem Ziel, Fettlebererkrankungen zu behandeln.

Früherkennung der Fettleber als Schlüssel zur Diabetesprävention

Auch für Menschen mit einer Fettlebererkrankung sind die Ergebnisse relevant. Sie unterstreichen, wie eng Lebergesundheit und Blutglukosestoffwechsel miteinander verknüpft sind. „Eine frühzeitige Behandlung der Fettlebererkrankung könnte dazu beitragen, das Risiko für Typ-2-Diabetes zu senken. Dafür ist Früherkennung und Screening von Risikogruppen entscheidend“, erklärt Maximilian Huttasch, Studienarzt am Institut für Klinische Diabetologie am DDZ und Erstautor der Studie.

In weiteren Untersuchungen muss nun geklärt werden, ob tatsächlich eine verminderte Glukagonwirkung in der Leber vorliegt; und wenn ja, ob sie gezielt therapeutisch beeinflusst werden kann.