Nichtsquamöser NSCLC: Antikörper-Wirkstoff-Konjugat verlängert Gesamtüberleben und verzögert Progression6. November 2023 Bild: ©SciePro – stock.adobe.com Eine von der University of California, Los Angeles (UCLA) geleitete Studie zeigt, dass ein innovatives Antikörper-Wirkstoff-Konjugat eine neue Therapieoption für Patienten mit vorbehandeltem nichtsquamösen, Nichtkleinzelligem Lungenkrebs (NSCLC) darstellen könnte. Die Behandlung mit Datopotamab-Deruxtecan (Dato-DXd), einem gegen Trop-2 gerichteten Antikörper-Wirkstoff-Konjugat, verbessert deutlich das progressionsfreie Überleben bei Patienten mit metastasiertem NSCLC – eine Verbesserung, die in erster Linie auf Patienten mit nichtsquamösen Tumoren zurückzuführen ist. Diese Ergebnisse stammen aus der Phase-III-Studie TROPION-Lung01, in welcher der Behandlungsstandard der Zweitlinien-Chemotherapie Docetaxel mit Dato-DXd bei Patienten mit vorbehandeltem metastasierten NSCLC verglichen wurde. Sie wurden auf dem Kongress der European Society for Medical Oncology 2023 von Dr. Aaron Lisberg, tätig am UCLA Health Jonsson Comprehensive Cancer Center und an der David Geffen School of Medicine an der UCLA, präsentiert. Lisberg und das Team stellten fest, dass bei Patienten, die mit Dato-DXd behandelt wurden, im Vergleich zu Patienten, die mit Docetaxel behandelt wurden, das Risiko für Progression oder Tod um 25 Prozent geringer war. „Obwohl es insgesamt zu einer Verringerung der Progression kam, deuten die Daten deutlich darauf hin, dass dieser Nutzen in erster Linie auf Patienten mit nichtsquamösen Tumoren zurückzuführen ist“, kommentierte Lisberg. Laut Lisberg hatten mehr als 75 Prozent der eingeschlossenen Patienten nichtsquamöse Tumoren. In dieser Gruppe für sich genommen reduzierte die Therapie das Risiko für Progression oder Tod um 37 Prozent, während Patienten mit Plattenepithelkarzinomen in der Studie offenbar keinen therapeutischen Nutzen aus Dato-DXd ziehen konnten. Darüber hinaus wurde in der vorläufigen Analyse des Gesamtüberlebens ein Trend zugunsten von Dato-DXd beobachtet. Bei diesen Beurteilungen war die Verbesserung in der nichtsquamösen Population am deutlichsten, wobei das Sterberisiko mit Dato-DXd um 23 Prozent sank. Die Verbesserungen des progressionsfreien Überlebens und des Gesamtüberlebens, die bei den mit Dato-DXd behandelten Patienten beobachtet wurden, gingen mit einer signifikanten Tumorverkleinerung unter Dato-DXd (26,4%) im Vergleich zu Docetaxel (12,8%) einher, ein Unterschied, der bei Patienten mit nichtsquamösen Tumoren ausgeprägter war (31,2% vs. 12,8%). Das Gesamtsicherheitsprofil von Dato-DXd war dem von Docetaxel überlegen, da bei Dato-DXd (25%) im Vergleich zu Docetaxel (41%) weniger Patienten hochgradige arzneimittelbedingte Toxizitäten aufwiesen. Zu den häufigen Nebenwirkungen von Dato-DXd gehörten leichte bis mittelschwere wunde Stellen im Mund und Übelkeit. Außerdem traten bei den mit Dato-DXd behandelten Patienten im Vergleich zu den mit Docetaxel behandelten Patienten weniger schwerwiegende Nebenwirkungen auf, die zu einer Dosisreduktion oder einem Abbruch der Behandlung führten. „Dato-DXd ist das erste Antikörper-Wirkstoff-Konjugat beim metastasierten NSCLC, das eine statistisch signifikante Verbesserung des progressionsfreien Überlebens gegenüber dem Standard-Chemotherapeutikum Docetaxel zeigt und gleichzeitig aufgrund seiner Einzigartigkeit ein günstigeres Sicherheitsprofil aufweist. Das liegt an seiner besonderen Fähigkeit, eine wirksame Chemotherapie selektiv direkt in Tumorzellen abzugeben“, sagte Lisberg. Diese Ergebnisse seien ermutigend, bemerkte Lisberg, da die derzeitige Standard-Zweitlinien-Chemotherapie Docetaxel mit bescheidenem Nutzen und erheblicher Toxizität verbunden sei. Zudem deuteten sie darauf hin, dass Dato-DXd das Potenzial hat, eine neue Therapie für Patienten mit vorbehandelten nichtsquamösen NSCLC darzustellen. TROPION-LUNG01 Studiendesign In der der globalen TROPION-LUNG01-Studie verglichen Wissenschaftler die Wirksamkeit und Verträglichkeit von Dato-DXd mit Docetaxel, indem sie 604 Patienten für Dato-DXd (299 Patienten) oder Docetaxel (305) randomisierten. Patienten mit und ohne genetische Treibermutationen wie EGFR wurden aufgenommen und mussten vor der Aufnahme mehrere Therapien gegen das metastasierte NSCLC erhalten haben. Für die Registrierung war kein Mindestniveau der TROP-2-Expression auf der Tumoroberfläche erforderlich, da bisher kein Zusammenhang zwischen der TROP-2-Expression und der Wirksamkeit von Dato-DXd festgestellt wurde. UCLA-Führung in der Dato-DXd-Entwicklung Das Team der UCLA für medizinische Onkologie im Thoraxbereich stand an der Spitze der globalen Entwicklung von Dato-DXd. Entscheidende Unterstützung kam von der Klinischen Forschungseinheit für Hämatologie/Onkologie sowie von Lisbergs UCLA-Kollegen Dr. Edward Garon, Dr. Jonathan Goldman und Dr. Amy Cummings, die das Potenzial von Dato-DXd schon früh in der Entwicklung erkannten und Dato-DXd für ihre stark vorbehandelten Patienten mit NSCLC priorisierten. Bei diesen Patienten mangelte es zum Zeitpunkt der Aufnahme in die Dato-DXd-Studie an effektiven Behandlungsoptionen und ihre Teilnahme war für den Erfolg der TROPION-LUNG01-Studie von entscheidender Bedeutung. Viele erlebten durch Dato-DXd eine anhaltende Verbesserung ihres Lebens. Das TRIO-US-Netzwerk leistete ebenfalls wesentliche Beiträge zur TROPION-LUNG01-Studie. UCLA und TRIO-US-Netzwerk an der Spitze zukünftiger Dato-DXd-Lungenkrebsstudien Dato-DXd wird derzeit im Rahmen der TROPION-LUNG07/08-Studien (NCT05555732/NCT05215340) als potenzielle Erstlinientherapie für Patienten mit neu diagnostiziertem metastasiertem NSCLC evaluiert, die beide kürzlich an Kliniken der UCLA in ganz Südkalifornien begonnen wurden. Darüber hinaus beteiligt sich das TRIO-US-Netzwerk wie schon bei TROPION-LUNG01 an der TROPION-LUNG07-Studie. Diese Studien versprechen, die klinischen Ergebnisse für Patienten mit metastasiertem NSCLC zu verbessern, indem Dato-DXd einer noch größeren Anzahl von Patienten mit nichtsquamösen Tumoren zur Verfügung gestellt wird. Datopotamab-Deruxtecan ist ein speziell entwickeltes TROP2-gerichtetes DXd-Antikörper-Wirkstoffkonjugat, das gemeinsam von AstraZeneca und Daiichi Sankyo entwickelt wird.
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