Niedriger Hirndruck: Möglicher Risikofaktor für die Entwicklung eines Glaukoms15. Februar 2023 Die Erfindung von Prof. Ragauskas ermöglicht die nicht-invasive Messung des Hirndrucks durch das Auge mittels Ultraschall.Foto.©EPO Ein internationales Forscherteam unter der Leitung litauischer Wissenschaftler liefert weitere Beweise dafür, dass der Hirndruck eine wichtige Rolle beim Normaldruckglaukom spielen könnte. Eine klinische Studie konnte zeigen, dass ein niedriger Hirndruck mit einer eingeschränkten Sicht des Patienten, insbesondere im Nasenbereich, korreliert. Das Glaukom, eine der Hauptursachen für Erblindung bei Menschen über 60, wird durch eine Schädigung des Sehnervs verursacht. Bei Glaukompatienten wird häufig ein erhöhter Augeninnendruck (IOD) festgestellt. Allerdings entwickeln nicht alle Menschen mit Augenhochdruck ein Glaukom. Darüber hinaus kann auch bei normalem IOD ein Glaukom entstehen. Die Prävalenz eines sogenannten Normaldruckglaukoms (NDG) bei Patienten in der Weltbevölkerung liegt laut verschiedenen Studien zwischen 30 und 90 Prozent. „Die moderne Medizin verfügt über Methoden, um erhöhten Augendruck zu behandeln und die Schädigung des Sehnervs zu verlangsamen oder sogar zu stoppen. Beim Normaldruckglaukom funktionieren diese Methoden jedoch nicht. In der wissenschaftlichen Gemeinschaft wächst das Bewusstsein dafür, dass Glaukom eine Erkrankung ist, die durch zwei Drücke verursacht wird – im Auge und im Schädel“, sagt Prof. Arminas Ragauskas von der Technischen Universität Kaunas (KTU), Litauen. Ragauskas, der Leiter des Health Telematics Science Institute an der KTU, ist der Erfinder der nicht-invasiven intrakraniellen Druckmesstechnik, die in der beschriebenen Studie verwendet wird. Eine klinische Studie zeigt mögliche Verbindungen zwischen Hirndruck und Glaukom Für die Studie wurden aus 300 NDG-Patienten, die zwischen Januar und Oktober 2018 an die Augenklinik der litauischen Universität für Gesundheitswissenschaften überwiesen wurden, 80 Patienten mit NDG im Frühstadium ausgewählt. Die Untersuchungen wurden von Forschern litauischer, israelischer und amerikanischer Universitäten durchgeführt. Während der Analyse wurden mehrere Messungen aufgezeichnet, darunter IOD, intrakranieller Druck (ICT) und Gesichtsfeldperimetrie. Die translaminare Druckdifferenz (TDD) wurde nach der Formel TDD = IOD – ICP berechnet. Das Gesichtsfeld wurde in fünf Zonen eingeteilt: nasal, temporal, peripher, zentral und parazentral. Die Studie ergab mehrere statistisch signifikante Korrelationen zwischen Hirndruck, TDD und Gesichtsfeldveränderungen. Je höher die TDD, desto stärkere Schädigungen des Gesichtsfeldes des Patienten wurden registriert. Dabei traten die signifikantesten Gesichtsfeldverluste in der nasalen Zone auf. „Gesichtsfeldverlust bedeutet nur eines – eine Person wird blind. Deshalb ist es so wichtig, die Ursachen dieses Zustands zu verstehen und ihn umzukehren. […]“, sagt Prof. Ragauskas. Die Forschenden schlussfolgern, dass eine höhere TDD als Risikofaktor für die negative Entwicklung des NDG eingeschätzt werden könnte. Der TDD ist umso höher, je niedriger der gemessene ICP ist. Daher ist beim NDG ein erniedrigter Hirndruck ein möglicher Risikofaktor. Nicht-invasive Messung des Hirndrucks „Die Idee, dass der Hirndruck mit dem Gesichtsfeld zusammenhängt, ist nicht neu. Vor einigen Jahren haben wir an der KTU eine Reihe von Experimenten durchgeführt, die die Zusammenhänge zwischen Gesichtsfeld und intrakraniellem Druck unter Verwendung der hier entwickelten, nicht-invasiven Technologie untersuchten. Bei den folgenden Konferenzen habe ich gesehen, wie unsere neue Idee von der internationalen Gemeinschaft der Augenärzte begeistert aufgenommen wurde“, sagt Prof. Ragauskas. Die Korrelation des ICP mit dem Glaukom eröffnet Medizinern neue Wege, um den Grund und die mögliche Behandlung dieser Pathologie zu erforschen. In der beschriebenen Studie wurde die intrakranielle Druckmessung über einen transkraniellen Doppler mit zwei Tiefen (Vittamed UAB, Litauen), der vom Team von Prof. Ragauskas in den Labors der KTU entwickelt wurde, vorgenommen. Anders als bei der üblichen Hirndruckmessung, bei der ein kleines Loch in den Schädel des Patienten gebohrt wird, ermöglicht die Erfindung von Prof. Ragauskas die nicht-invasive Messung des Hirndrucks durch das Auge mittels Ultraschall. Verschiedene industrielle Anwendungen der Erfindung wurden in den USA und Europa bereits patentiert. „Wir konkurrieren nicht mit invasiven Methoden, sondern gehen eine ganz neue Richtung. Im Moment sehe ich, dass die Augenheilkunde der Bereich ist, in dem unsere Technologie am meisten gebraucht wird, und wir nutzen sie zu Forschungszwecken. Wir entwickeln unsere Erfindung jedoch ständig weiter und haben kürzlich einige neue Anwendungen patentieren lassen, die in anderen Zusammenhängen eingesetzt werden könnten, in denen die Messung des intrakraniellen Drucks von entscheidender Bedeutung ist. Zum Beispiel bei langfristigen Weltraummissionen“, sagt Ragauskas.
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