Nierenfunktionseinschränkung: Neues Instrument zur Bewertung des Risikos nach Chemotherapie entwickelt28. März 2024 Foto: © Rasi/stock.adobe.com Anhand von Patientendaten aus sechs großen US-Krebszentren haben Brigham-Forscher ein Modell zur Vorhersage des Risikos einer mittelschweren bis schweren Nierenfunktionseinschränkung nach der Behandlung mit dem Chemotherapeutikum Cisplatin entwickelt. Die Wissenschaftler des Brigham and Women’s Hospital (BWH), USA, haben gemeinsam mit Forschern des Dana-Farber Cancer Institute und anderer Einrichtungen ein umfassendes Instrument zur Vorhersage entwickelt, bei welchen Patienten das Risiko einer mittelschweren bis schweren Nierenfunktionseinschränkung nach einer Cisplatin-Chemotherapie am höchsten ist. Sie fanden heraus, dass die am stärksten gefährdeten Patienten ein bis zu 20-fach höheres Risiko hatten, nach der Behandlung mit Cisplatin eine Nierenfunktionseinschränkung zu entwickeln, als die Patienten in der Gruppe mit dem niedrigsten Risiko. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift „The BMJ“ veröffentlicht. „Patienten, die eine Krebsbehandlung erhalten, sind zunehmend von Nierenfunktionseinschränkungen betroffen, die mit einer höheren Sterblichkeit einhergehen und die Eignung für andere Therapien gefährden können“, kommentiert Shruti Gupta, Direktorin der Onko-Nephrologie am BWH. „Cisplatin ist ein bekanntes Nierentoxin, und obwohl es neuere Behandlungen gibt, bleibt es weltweit ein Eckpfeiler der Therapie für Krebspatienten. Diese große, multizentrische Zusammenarbeit und das daraus resultierende Risikovorhersagemodell sind ein wichtiger Schritt in der Versorgung von Patienten, die mit Cisplatin behandelt werden“, fährt sie fort. Daten von über 24.000 Patienten untersucht Die Forscher untersuchten Daten von über 24.000 Patienten aus sechs großen US-Krebszentren, darunter das Dana-Farber Brigham Cancer Center, das Mass General Cancer Center, das Memorial Sloan Kettering Cancer Center, das MD Anderson Cancer Center, die University of Colorado und Northwell Health, und analysierten das Risiko einer mittelschweren bis schweren akuten Nierenfunktionseinschränkung innerhalb der ersten 14 Tage nach einer einmaligen, ersten IV-Dosis Cisplatin. Das von dem Forscherteam entwickelte Modell berücksichtigte mehrere wichtige Risikofaktoren für Nierenfunktionseinschränkungen, darunter Alter, Bluthochdruck, Diabetes, Laborwerte aus routinemäßig durchgeführten Blutuntersuchungen und höhere Cisplatin-Dosen. Die Studienautoren fanden heraus, dass Patienten, die durch Cisplatin eine Nierenfunktionseinschränkung entwickelten, ein deutlich höheres Sterberisiko aufwiesen als Patienten, bei denen dies nicht der Fall war. Eine weitere wichtige Erkenntnis war, dass ein niedriger Magnesiumspiegel ein wichtiger Risikofaktor für eine Akute Nierenfunktionseinschränkung ist. Die Forscher planen, dieselbe umfangreiche Datenbank zu nutzen, um Therapien zu ermitteln, die Nierenfunktionseinschränkungen verhindern könnten, einschließlich Magnesium. Online-Rechner entwickelt Mit Hilfe des Risiko-Scores hat das Forschungsteam einen einfachen Online-Rechner entwickelt. Ein Patient oder Arzt kann mit diesem Rechner das Risiko einer Nierenfunktionseinschränkung quantifizieren, indem er Informationen eingibt, z.B. ob der Patient an Bluthochdruck, Diabetes oder anderen Krankheiten oder medizinischen Zuständen leidet, sowie die Ergebnisse seiner Blutuntersuchungen. „Dieses neue Instrument kann einem Onkologen und einem Patienten helfen, besser informierte Gespräche über die Risiken und den Nutzen von Cisplatin zu führen. Wenn ein Patient ein hohes Risiko aufweist, kann sein klinisches Team vorbeugende Maßnahmen in Erwägung ziehen, wie z. B. die Verabreichung von mehr intravenöser Flüssigkeit vor der Behandlung mit Cisplatin oder eine genauere Überwachung der Nierenfunktion nach der Behandlung“, berichtet David E. Leaf, Leiter der klinischen und translationalen Forschung auf dem Gebiet der akuten Nierenfunktionseinschränkung in der Abteilung für Nierenmedizin des BWH. „Die klinischen Merkmale und Laborwerte, die in unser Modell einfließen, sind leicht verfügbar und können einfach aus den Krankenakten entnommen werden, so dass wir hoffen, dass dieses Instrument überall dort eingesetzt werden kann, wo Cisplatin verabreicht wird“, fügt er hinzu.
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