Nierentransplantation trotz schlechter Ausgangslage: Neuer Wirkstoff senkt Abwehrreaktion gegen Spenderorgan nachhaltig30. Juli 2026 Bildquelle: NongEngEng/stock.adobe.com Die Medizinische Universität Wien (Österreich) berichtet über eine neue Behandlungsstrategie. Bei einem Patienten ohne realistische Chance auf ein geeignetes Spenderorgan konnte eine Nierentransplantation ermöglicht werden. Im Fokus steht der Einsatz eines neuen Wirkstoffs aus der Krebsmedizin. Damit konnte eine bislang nicht erreichte, substanzielle und nachhaltige Reduktion von Antikörpern gegen potenzielle Transplantate erzielt werden. Das zeigt die neue Fallstudie. Dadurch verbessere sich die Aussicht auf eine erfolgreiche Organtransplantation selbst bei besonders ungünstiger immunologischer Ausgangslage deutlich. Die Ergebnisse sind im „New England Journal of Medicine“ publiziert. Sie könnten laut den Autoren neue Perspektiven in der Transplantationsmedizin eröffnen. Studie mit dialysepflichtigem Patient Der neue Wirkstoff Teclistamab findet bisher bei der Myelom-Behandlung Einsatz. Er eliminiert gezielt jene Zellen in Blut und Knochenmark, die Antikörper gegen körperfremde Strukturen bilden. Aufgrund dieser besonderen Wirkweise rückte die Substanz nun auch ins Blickfeld der Transplantationsmedizin. Das Forschungsteam um Georg Böhmig und Martina Schatzl von der MedUni Wien wandte sie erstmals bei einem dialysepflichtigen Patienten mit denkbar ungünstiger immunologischer Ausgangslage an. Der 37-Jährige hatte nach zwei vorangegangenen Nierentransplantationen eine besonders ausgeprägte HLA-Sensibilisierung entwickelt. Im konkreten Fall der Studie lag der cPRA-Wert sogar bei null. Entsprechend stand der Name des Studienteilnehmers mehr als zwölf Jahre auf der Warteliste, während sich sein Zustand zunehmend verschlechterte. Erfolgreiche Transplantation nach 31 Wochen Therapie Durch die Behandlung mit Teclistamab über einen Zeitraum von 31 Wochen wendete sich das Blatt. Der Wirkstoff erzielte eine substanzielle und nachhaltige Reduktion von Antikörpern gegen Gewebsantigene. Mit den derzeit bei HLA-Sensibilisierung verfügbaren Verfahren sei das nicht möglich. „Im Verlauf der Therapie konnten HLA-Merkmale von Spendernieren, gegen die zuvor starke Antikörperreaktionen bestanden, schrittweise als akzeptabel eingestuft werden“, berichtet Erstautorin Schatzl. Schließlich fanden die Wissenschaftler ein geeignetes Organ und transplantierten dieses erfolgreich. „Dem Patienten geht es heute sehr gut, die Nierenfunktion ist ausgezeichnet, er braucht keine Dialyse mehr“, ergänzt Studienleiter Böhmig. Weitere Forschung nötig 20 bis 30 Prozent der Patienten auf der Warteliste für Spendernieren sind von einer relevanten HLA-Sensibilisierung betroffen, manche davon ohne Chance auf ein passendes Organ. Bestehende Verfahren zur sogenannten Desensibilisierung zielen darauf ab, die Zahl der Antikörper vor einer Transplantation zu reduzieren, sind aber nur begrenzt und kurzfristig wirksam. Der beschriebene Behandlungsansatz greift dagegen direkt in die Antikörperproduktion ein. Er senkt die Abwehrreaktion nachhaltig für einen längeren Zeitraum. „Das könnte einen Paradigmenwechsel in der Transplantationsmedizin eröffnen und für eine bisher besonders benachteiligte Gruppe von Patient:innen neue Perspektiven schaffen“, sagt Böhmig. Immunologische Detailergebnisse der aktuellen Fallstudie weisen zudem darauf hin, dass die neue Behandlungsstrategie vielleicht auch bei Xenotransplantationen sowie bei blutgruppeninkompatiblen Transplantationen Anwendung finden könnte. „Perspektivisch erscheint auch eine Ausweitung auf andere Formen der Organtransplantation, etwa die Herztransplantation, sowie ein Einsatz im Post-Transplantationssetting zur Behandlung antikörpervermittelter Abstoßungsreaktionen denkbar“, so Böhmig. Vor dem Einsatz der neuen Behandlungsstrategie in der klinischen Praxis, sind jedoch weitere systematische Forschungen zum Nutzen und Risiken notwendig. Eine Studie dieser Art sei an der MedUni Wien bereits in Planung.
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