Nierentransplantationszentrum und Vorstand der Uniklinik Halle unterstützen Widerspruchslösung6. September 2019 Transplantationsexperte Paolo Fornara. Foto: Fornara Der Klinikumsvorstand des Universitätsklinikums Halle (Saale) und das Nierentransplantationszentrum der halleschen Universitätsmedizin unterstützen den Gesetzentwurf für die sogenannte doppelte Widerspruchslösung. Etwa 10.000 Menschen warten in Deutschland aufgrund ihrer schweren Erkrankung auf ein Spenderorgan. Doch die Zahl der gespendeten Organe deckt den Bedarf bei weitem nicht. Viele Patienten warten vergebens auf ein lebensrettendes Organ. Der Bundestag debattiert im Herbst 2019 verschiedene Gesetzentwürfe zur Verbesserung der Organspende-Situation in Deutschland. Die doppelte Widerspruchslösung bedeutet nicht, wie die Klinik betont, dass man im Falle einer fehlenden Entscheidung nautomatisch zum Spender wird, sondern dass – wie zur Zeit auch – die Angehörigen gefragt werden und diese natürlich die Möglichkeit haben, eine Organentnahme abzulehnen. Ein konkurrierender Gesetzentwurf sieht vor, dass jeder Bürger seine Haltung, also Zustimmung oder Ablehnung zur Organspende, dokumentieren muss. Dafür soll man sich online registrieren können. „Organspende ist für mich ein Akt der Nächstenliebe und Solidarität“, erklärt Prof. Paolo Fornara, Direktor des Nierentransplantationszentrums (NTZ) in Halle. Vielen schwer kranken Menschen könne damit geholfen werden. Sein Kollege im NTZ, der Nephrologe Prof. Matthias Girndt, unterstreicht die Bedeutung der gesetzlichen Regelung: „Erfahrungen aus Ländern in Europa mit einer Widerspruchslösung zeigen, dass dort bis zu 20 Prozent mehr Organe gespendet werden.“ Für den Klinikumsvorstand ist es wichtig zu betonen, dass die Organtransplantation höchsten ethischen und wissenschaftlichen Standards entsprechen muss – in Verbindung mit einer hohen Behandlungsqualität. „Organtransplantation muss immer aus Sicht des Patienten betrieben werden, niemals nach wirtschaftlichen Interessen oder zur Förderung der eigenen Karriere“, betonen Prof. Thomas Moesta (Ärztlicher Direktor) und Prof. Michael Gekle (Dekan der Medizinischen Fakultät). Seit mehr als 40 Jahren werden in Halle Nieren transplantiert und dabei immer wieder Innovationen bei den OP-Techniken eingesetzt, um möglichst vielen Patientinnen und Patienten helfen zu können, beispielsweise auch durch die Lebendspende naher Angehöriger. Auf der Warteliste stehen etwa 250 Menschen, die auf eine neue Niere warten. Pro Jahr werden zwischen 40 und 60 Nieren transplantiert. (Universitätsklinikum Halle [Saale] / ms)
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