Nierenzellkarzinom-Therapie mit Nivolumab: Subkutane und intravenöse Verabreichung gleich effektiv

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Die subkutane (s.c.) Injektion des Immuntherapeutikums Nivolumab ist der intravenösen (i.v.) Verabreichung nicht unterlegen und verkürzt die Behandlungszeit bei Patienten mit Nierenzellkarzinom erheblich. Dies ist das Ergebnis einer großen klinischen Phase-III-Studie, die beim diesjährigen Genitourinary Cancers Symposium der American Society of Clinical Oncology (ASCO-GU) vorgestellt wurde.

Saby George, Onkologieprofessor und Leiter klinischer Studien am Roswell Park Comprehensive Cancer Center in Buffalo (NY/USA) präsentierte in einer Oral Session des ASCO-GU am 27.01.2024 die Ergebnisse der Studie CheckMate-67T. Ziel der Studie war es, die Nichtunterlegenheit der s.c. Anwendung gegenüber der i.-v. Infusion nachzuweisen. Die von Bristol Myers Squibb, dem Hersteller des Arzneimittels, gesponserte Studie begann im Mai 2021 und umfasste 495 Patienten in 73 Zentren in 17 Ländern.

Die eingeschriebenen Patienten hatten ein klarzelliges Nierenzellkarzinom, das während oder nach 1–2 vorherigen systemischen Therapien fortschritt. Sie hatten noch keine vorherige immunonkologische Behandlung erhalten. Die  Patienten wurden im Verhältnis 1:1 randomisiert und erhielten entweder alle vier Wochen Nivolumab s.c. 1200 mg zusammen mit rekombinanter humaner Hyaluronidase PH20 (n=248) oder alle zwei Wochen Nivolumab i.v. 3 mg/kg (n=247) bis zum Fortschreiten der Krankheit, inakzeptabler Toxizität, Widerruf der Einwilligung, Abschluss der zweijährigen Behandlung oder Tod. Co-primäre Endpunkte in Bezug auf die Pharmakokinetik (PK) waren die zeitlich gemittelte Serumkonzentration über die ersten 28 Tage (Cavgd28) und die minimale Serumkonzentration im Fließgleichgewicht (Cminss). Ein wichtiger sekundärer Endpunkt war die objektive Ansprechrate (ORR), beurteilt durch verblindete unabhängige zentrale Überprüfung (BICR).

Nichtunterlegenheit bei Pharmakokinetik und Onkologie

Das Durchschnittsalter der Patienten betrug 64 bzw. 66 Jahre im s.c- bzw. i.v.-Arm. Die meisten Patienten waren männlich. Die durchschnittliche Injektionszeit mit Nivolumab s.c. betrug weniger als fünf Minuten. Die Nichtunterlegenheit für die co-primären PK-Endpunkte, definiert als untere Grenze des 90%-Konfidenzintervalls (KI) des Verhältnisses der geometrischen Mittel (geometric mean ratio, GMR) ≥0,8, wurde erreicht: Das GMR für Cavgd betrug 2,098 (90%-KI 2,001–2,200), bei Cminss belief es sich auf 1,774 (1,633–1,927). Auch bei der ORR war die s.c Behandlung der i.v. Therapie nicht unterlegen: s.c. 24,2% (95%-KI 19,0–30,0) vs. i.v. 18,2% (95%-KI 13,6–23,6). Das mediane progressionsfreie Überleben betrug s.c. 7,23 Monate (95%-KI 5,13–7,49) vs. i.v. 5,65 Monate (95%-KI 5,29–7,39). Einen Unterschied gab es aber doch: Bei s.c. Verabreichung hatten deutlich mehr Patienten Antikörper gegen das Medikament gebildet als bei i.v. Applikation (22,8% vs. 7.0%).

Das Sicherheitsprofil war für beide Gruppen ähnlich. Die Inzidenz lokaler Reaktionen an der Injektionsstelle von Nivolumab s.c. betrug 8,1%; die Reaktionen waren geringgradig und vorübergehend. Die meisten Todesfälle waren auf das Fortschreiten der Krankheit zurückzuführen; die Toxizität des Studienmedikaments führte bei Nivolumab s.c. bzw. i.v. zu drei Todesfällen bzw. einem Todesfall.

Fünf Minuten statt einer Stunde

„Checkmate-67T (…) ergab, dass subkutanes Nivolumab intravenösem Nivolumab bei Patienten mit zuvor behandeltem fortgeschrittenem oder metastasiertem klarzelligem Nierenzellkarzinom nicht unterlegen war“, fasste George zusammen. „Die Ergebnisse sind bahnbrechend im Hinblick auf die allgemeine Patientenerfahrung.“

In einer Roswell-Park-Mitteilung führte George noch weiter aus, was die Studienergebnisse bedeuten können: „Die Behandlungsbelastung für Krebspatienten ist enorm. Wenn Nivolumab als subkutane Injektion anstelle einer intravenösen Infusion verabreicht werden kann, wird sich ihre Behandlungserfahrung erheblich verbessern. Statt einer Stunde im Infusionsstuhl ist die Injektion in fünf Minuten erledigt.“ Die Verfügbarkeit von injizierbarem Nivolumab könnte seiner Hoffnung nach auch gesundheitliche Ungleichheiten verringern, insbesondere bei Patienten, die weitab von Infusionsmöglichkeiten wohnen.

(ms)