Nikotin-Abbauprodukt kann das Wiederauftreten von Blasenkrebs vorhersagen9. Juli 2021 Nicht muskelinvasiver Blasenkrebs neigt nach Entfernung zu Rezidiven. Grafik: ©SciePro – stock.adobe.com Cotinin, ein Stoffwechselprodukt von Nikotin, das im Urin von Rauchern gefunden wird, könnte verwendet werden, um festzustellen, wann Blasenkrebs zurückgekehrt ist. Das zeigt eine Pilotstudie, die am 09.07.2021 auf dem Kongress der European Association of Urology (EAU) vorgestellt wurde. Die Studie ergab, dass bei Patienten mit hohen Cotininwerten die Wahrscheinlichkeit eines Wiederauftretens von Krebs viermal höher war als bei Patienten mit niedrigeren Konzentrationen der Chemikalie. Das Ziel der Forscher ist es, dass ein einfacher Urintest auf Cotinin die Zahl der invasiven Untersuchungen reduzieren könnte, die Krebspatienten nach Diagnose und Behandlung durchlaufen. Cotinin ist eine Verbindung, die vom Körper aus Nikotin hergestellt wird, das als Marker für die Exposition gegenüber Tabakrauch dient. Bekannt ist, dass Rauchen ein Hauptrisikofaktor für Blasenkrebs ist. Jetzt liegt die erste Studie vor, die zeigt, wie der Cotininspiegel verwendet werden könnte, um ein Wiederauftreten der Krankheit anzuzeigen. Bei nicht muskelinvasivem Blasenkrebs, bei dem Tumore nur an der Blasenschleimhaut gefunden werden, wird das Krebsgewebe operativ entfernt. Für diese Krebsarten mit niedrigem Risiko gibt es keine weitere Behandlung, aber die Patienten werden alle paar Monate regelmäßig einer Zystoskopie unterzogen, bei der eine Kamera durch die Harnröhre in die Blase geführt wird, um nach weiteren Tumoren zu suchen. Studie an Patienten mit nicht muskelinvasivem Blasenkrebs Die Studie, die von Dr. Maher Abdessater und Prof. Raghid El Khoury vom Universitätskrankenhaus Notre Dame de Secours im Libanon geleitet wurde, überprüfte den Cotininspiegel von 135 Patienten, die über einen Zeitraum von 18 Monaten für Folgezystoskopien ins Krankenhaus kamen. In die Studie wurden nur Patienten eingeschlossen wurden, die Blasenkrebs mit niedrigem Risiko hatten, keine Chemo- oder Strahlentherapie erhalten hatten und keine anderen Erkrankungen wie Harnwegsinfektionen auswiesen, welche die Ergebnisse wahrscheinlich verfälschen könnten. 80 der Patienten wiesen Cotininspiegel auf, die mit starkem Rauchen übereinstimmen: über 550 ng/ml. Drei Viertel dieser Patienten entwickelten erneut Krebs, verglichen mit etwas mehr als 18 Prozent der mäßigen Raucher (mit Cotininwerten unter 550 ng/ml). Auch bei einigen Patienten, die sich als Nichtraucher oder gemäßigte Raucher bezeichnet hatten, wurde ein Cotininspiegel im Urin gefunden, der mit starkem Rauchen übereinstimmt. Einfacher Urintest „Einer der Hauptvorteile der Verwendung von Cotinin besteht darin, dass es mit einem einfachen Urintest nachgewiesen werden kann, der eine billigere und weniger invasive Alternative zur Zystoskopie darstellt”, kommentiert Abdessater. “Der Test kann auch dort ansetzen, wo Patienten ihr Rauchniveau nicht genau angeben oder Passivrauchen in Kombination mit aktivem Rauchen sie in die Kategorie der starken Raucher drängt.“Obwohl die Stichprobengröße klein sei, zeigen die bisherigen Ergebnisse dem Forscher zufolge, dass Cotinin ein potenzieller Biomarker für das Wiederauftreten von Blasenkrebs sein könnte und eine weitere Untersuchung wert ist. Die beim EAU-Kongress gemeldeten Ergebnisse beziehen sich auf Patienten, die zwischen Januar 2018 und Juni 2019 rekrutiert wurden, aber die Studie wird noch fortgesetzt. Das Studienteam sucht auch aktiv nach anderen Krankenhäusern auf der ganzen Welt, die an einer Zusammenarbeit interessiert sind, um die Studie auf ein breiteres Spektrum von Patienten und Gesundheitssystemen auszudehnen. Genauere Angaben zur Rauchexposition erforderlich Prof. Arnulf Stenzl vom Universitätsklinikum Tübingen, Secretary General Adjunct der EAU, kommentierte: „Diese Studie gibt durchaus Denkanstöße, auch wenn die Ergebnisse bisher nur bei einer kleinen Patientenzahl vorliegen. Wir müssen dies nun in einem größeren Versuch testen und wir brauchen genauere Hinweise auf die Rauch-Intensität und die Art der Zigaretten – insbesondere ob sie mit Filter versehen sind oder nicht. Es wäre auch interessant zu untersuchen, ob der Cotininspiegel bei Patienten mit anderen Risikofaktoren für Blasenkrebs höher ist, wie etwa einer Exposition gegenüber Arsen oder Industriebenzol.“ (EAU/ms)
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