Norovirus-Infektionen: Algen können einen Schutzschild im Gastrointestinaltrakt bilden

Braunalgen enthalten Fucoidan – eine Verbindung, die in einer neuen Studie die stärkste und beständigste hemmende Wirkung gegen die Norovirus-Stämme GII.4 und GII.17 zeigte. (Abbildung/KI-generiert: © Thirawat/stock.adobe.com)

In Europa sind Algen als Lebensmittel noch eher ein Nischenprodukt, werden aber zunehmend als „Superfood“ beworben. Laut neuesten Erkenntnissen besitzen sie beispielsweise Eigenschaften, die im menschlichen Körper eine Norovirus-Infektion wirksam blockieren können.

Bislang gebe es keine zugelassenen Impfstoffe oder antiviralen Medikamente gegen das humane Norovirus, erklärt die australische Griffith University, an der entsprechende Untersuchungen durchgeführt wurden, in einer aktuellen Mitteilung. Laut der Universität sind Infektionen mit dem Norovirus die weltweit häufigste Ursache akuter Gastroenteritis-Ausbrüche: Jährlich komme es weltweit zu mehr als 685 Millionen Infektionen.

In einer neuen Studie untersuchten Forschende der Griffith University zusammen mit einem australischen Biotechnologieunternehmen, ob Verbindungen aus verschiedenen Braun- und Grünalgen die Erkrankung im Frühstadium der Infektion blockieren können.

Laut Dr. Grant Hansman vom Griffith Institute for Biomedicine and Glycomics, Seniorautor der Studie, infizieren Noroviren Menschen, indem sie sich an Blutgruppenantigene (HBGAs) im Darm anheften.

Fucoidan aus Braunalgen: Stärkste und beständigste hemmende Wirkung

„Wir haben die Algenverbindungen Fucoidan und Ulvan getestet, um zu sehen, wie gut sie die Bindung von Norovirus-ähnlichen Partikeln an menschliche Speichelproben, die HBGAs enthalten, verhindern“, berichtet Hansman. „Fucoidan aus Braunalgen zeigte die stärkste und beständigste hemmende Wirkung gegen zwei wichtige Norovirus-Stämme: GII.4 und GII.17.“ Fucoidan bindet nach Angaben der Forschenden wahrscheinlich an die HBGA-Bindungstasche und bildet so eine Art Schutzschild, der die Anheftung des Virus erschwert.

Co-Seniorautor Prof. Thomas Haselhorst, ergänzt, dass Fucoidan bereits seit Längerem in der Ernährung eingesetzt werde und in Humanstudien eine gute Verträglichkeit gezeigt habe. Es werde auch in hochwertigen Nahrungsergänzungsmitteln verwendet.

„Unsere Studie zeigt, dass Fucoidan ein vielversprechendes, natürliches Mittel zur Vorbeugung von Norovirus-Infektionen sein könnte“, erklärt der Wissenschaftler. Sie wollen nun die optimale Formulierung von Fucoidan validieren, um seine Schutzwirkung im Magen-Darm-Trakt zu maximieren.