Notfallmediziner: Infektfokus im Bauch ohne Ultraschall ausschließen

Manche Ultraschalluntersuchungen, die in Notfallambulanzen bei Menschen mit einem Infekt durchgeführt werden, sind verzichtbar. Erfahrene Ärzte können den Ort der Infektion häufig schon durch Befragung und eine körperliche Untersuchung erkennen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung in der „Zeitschrift für Gastroenterologie” (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2017).

Wenn starke Bauchschmerzen mit Fieber einhergehen, liegt häufig eine Infektion, wie beispielsweise eine Gallenblasenentzündung vor. Es kann aber auch sein, dass ein Bereich des Darms, die ableitenden Harnwege oder die Gallenwege infiziert sind. In den meisten Notfallambulanzen wird deshalb nach der Blutentnahme routinemäßig zur Identifikation der genauen Ursache eine Sonografie durchgeführt. Dafür stehen heute leistungsstarke Ultraschallgeräte zur Verfügung.

Die vorhandenen technischen Möglichkeiten verleiten allerdings viele Ärzte dazu, die Befragung der Patienten und die klinische Untersuchung hintenanzustellen, erklärt Dr. Arno Mohr, Facharzt für Innere Medizin am Universitätsklinikum Regensburg. Gemeinsam mit Barbara Werkmeister, Assistenzärztin für Innere Medizin an der Goldberg Klinik in Kelheim, und den beiden Internistinnen und Oberärztinnen PD Dr. Julia Langgartner vom Klinikum Landshut und PD Dr. Doris Schacherer vom Klinikum der Barmherzigen Brüder in Regensburg wertete er die Daten von 500 Patienten aus. Sie alle hatten in der Notaufnahme des Universitätsklinikums Regensburg zwischen April und Juli 2013 eine Ultraschalluntersuchung des Bauches zur Infektfokussuche erhalten.

„Es zeigte sich, dass sofern weder ausführliche Befragung noch klinische Untersuchung auf einen Infektfokus im Bauch hinweisend waren, eine zeit- und personalintensive Ultraschalluntersuchung dieser Körperregion entbehrlich ist“, so die Autoren. Eine Ausnahme bildeten Patienten, die Immunsuppressiva einnehmen. Die Medikamente hemmen die körperliche Abwehr, sodass die sonst bei schweren Infektionen typischen Symptome fehlen können. Immunsuppressiva werden beispielsweise bei Rheuma oder anderen Autoimmunerkrankungen verschrieben. Auch nach einer Organtransplantation müssen die Patienten lebenslang Immunsuppressiva einnehmen. Zudem erklären die Wissenschaftler, dass vor allem bei Entzündungen des Blinddarms, der Gallenblase und der Gallengänge sich die Sonografie als diagnostisches Verfahren eignet.

Bei Harnwegs- sowie Magendarminfektionen hingegen bliebe die Ultraschalluntersuchung jedoch meist ohne Ergebnis. Trotz der Qualität der heutigen Geräte bliebe die Ultraschalldiagnostik von der klinischen Erfahrung und der sonografischen Ausbildung des Untersuchers abhängig, erklären Dr. Mohr und Kolleginnen. Sie regen deshalb an, die Ultraschalluntersuchung in der internistischen Notfallaufnahme gezielter als bislang einzusetzen. Als Vorbild nennen die Experten das „FAST-Sono“ (Focused Assessment with Sonography for Trauma) bei Unfallverletzen.

Originalartikel:
B. Werkmeister, J. Langgartner, D. Schacherer, A. Mohr:
Bedeutung der Abdomen-Sonografie zur Infektfokussuche in der Notaufnahme
Zeitschrift für Gastroenterologie 2017; 55 (11);
S. 1113–1118

Quelle
Thieme Kommunikation
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