Nüchtern ins Herzkatheterlabor?21. März 2025 KI-generiertes Symbolbild: ©Wimstock/stock.adobe.com Eine neue australische Studie zeigt, dass eine strikte Nüchternheit vor kardialen Prozeduren im Herzkatheterlabor unter leichter Sedierung überflüssig sein könnte. Der Verzicht auf eine lange Nahrungskarenz erwies sich nicht nur als sicher, sondern führte auch zu einer höheren Patientenzufriedenheit. In der Regel sollen Patienten, die sich einer Herzkatheteruntersuchung unterziehen, etwa sechs Stunden vor dem Eingriff nüchtern bleiben. Wird die Prozedur ausschließlich unter Analgosedierung vorgenommen, ist die präoperative Nüchternheit womöglich aber gar nicht nötig. Das deuten die Ergebnisse der multizentrischen Nichtunterlegenheitsstudie SCOFF aus Australien an, die im „European Heart Journal“ erschien. In dieser war der Verzicht auf eine präoperative Nüchternheitsregelung der Nahrungskarenz nicht nur nichtunterlegen. Hinsichtlich des primären zusammengesetzten Endpunktes, der Aspirationspneumonie, Hypotonie, Hyperglykämie und Hypoglykämie umfasste, erwies sich dieses weniger restriktive Vorgehen, das auch die Patientenzufriedenheit steigerte, sogar als überlegen. Die offene, Prüfarzt-intiierte, Endpunkt-verblindete randomisierte Studie stand unter Leitung von Medizinern des John Hunter Hospitals und der Newcastle University. Erstautor David Ferreira und Kollegen nahmen 716 Patienten auf, die für eine Koronarangiographie, eine perkutane Koronarintervention oder einen Eingriff in Zusammenhang mit einem kardialen implantierbaren elektronischen Gerät (CIED) überwiesen wurden. Sie randomisierten die Patienten im Verhältnis 1:1 in die Nüchterngruppe (n=358) mit üblichem präoperativen Verzicht auf Nahrung (6 h) und Flüssigkeit (2 h) oder in die Gruppe ohne Nahrungskarenz (n=358), welche zu regelmäßigen Mahlzeiten ermutigt wurde, jedoch nicht dazu verpflichtet war. Patienten in der Nüchterngruppe verzichteten weitaus länger auf feste Nahrung (13,2 vs. 3,0 h; Bayes-Faktor >100, was auf einen extremen Unterschied hindeutet) sowie auf klare Flüssigkeiten (7,0 vs. 2,4 h; Bayes-Faktor >100) als Patienten ohne Nahrungskarenz. Der primäre zusammengesetzte Endpunkt trat bei 19,1 Prozent der Patienten in der Nüchterngruppe und bei 12,0 Prozent der Patienten in der Nicht-Nüchterngruppe auf. Die Schätzung der mittleren posterioren Differenz der Proportionen für das primäre zusammengesetzte Ergebnis betrug -5,2 % (95 %-Glaubwürdigkeitsintervall [CrI] -9,6 bis -0,9) zugunsten der Gruppe, die nicht nüchtern sein musste. Dieses Ergebnis bestätigt die Nichtunterlegenheit (posteriore Wahrscheinlichkeit >99,5 %) und Überlegenheit (posteriore Wahrscheinlichkeit 99,1 %) des Verzichts auf Nahrungskarenz für das primäre zusammengesetzte Ergebnis. In der Gruppe ohne Nahrungskarenz verbesserte sich die Patientenzufriedenheit mit einer posterioren mittleren Differenz von 4,02 Punkten (95 %-CI 3,36–4,67; Bayes-Faktor >100). Bei den sonstigen sekundären Ergebnissen (Notwendigkeit zur nichtinvasiven oder invasiven Beatmung, Aufnahme auf Intensivstation, 30-Tage-Wiederaufnahme, 30-Tage-Mortalität, 30-Tage-Pneumonie) wurden ähnliche Ergebnisse beobachtet. „Dies spricht für die Abschaffung der Nüchternheitsregelung bei Patienten, die sich einem Herzkathetereingriff unterziehen, der eine Analgosedierung erfordert“, folgern die Studienautoren abschließend. (ah)
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