Nutzen von PSA-Test weiterhin unklar13. Mai 2019 © Elnur – fotolia.com Ein groß angelegter systematischer Review prüfte den Nutzen und die Sicherheit eines Prostataspezifischen-Antigen(PSA)-Tests zur Früherkennung von Prostatakarzinomen. Das Ergebnis bringt keine neuen Erkenntnisse: Bestenfalls führt die Vorsorgeuntersuchung zu einer kleinen Reduktion der krankheitsspezifischen Mortalität über 10 Jahre, hat aber letztlich keinen Einfluss auf die Gesamtsterblichkeit. In dem kürzlich in „BMJ“ publizierten systematischen Review wurden 5 randomisierte, kontrollierte Studien mit insgesamt 721.718 untersuchten Männern ausgewertet. Die Wissenschaftler um den Studienleiter Philipp Dahm verwendeten ein Zufallseffektmodell, um gepoolte Inzidenzratenverhältnisse (IRR) zu erhalten, und führten, wenn möglich, Subgruppenanalysen (a priori definiert) basierend auf Alter, Häufigkeit des Screenings, Familiengeschichte, Ethnizität und sozioökonomischem Status sowie eine Sensitivitätsanalyse basierend auf dem Risiko einer Verzerrung durch. Die Qualität der Beweise wurde mit dem GRADE(Grading of Recommendations Assessment, Development and Evaluation)-Ansatz bewertet. Die Studien variierten in Bezug auf Häufigkeit und Intervalle des Screenings, PSA-Schwellenwerte für die Biopsie und das Risiko einer Verzerrung. Bei Betrachtung des gesamten Evidenzbestandes hat das PSA-Screening wahrscheinlich keinen Einfluss auf die Gesamtmortalität (IRR 0,99; 95%-Konfidenzintervall [KI] 0,98–1,01; moderate Sicherheit) und keinen Einfluss auf die prostataspezifische Mortalität (IRR 0,96; 95%-KI 0,85–1,08; geringe Sicherheit). Die Sensitivitätsanalyse von Studien mit geringerem Bias-Risiko (n=1) zeigte ebenfalls, dass das PSA-Screening keinen Einfluss auf die Gesamtmortalität zu haben scheint (IRR 1,0; 95%-KI 0,98–1,02; moderate Sicherheit), aber einen geringen Einfluss auf die prostataspezifische Mortalität haben könnte (IRR 0,79; 95%-KI 0,69–0,91; moderate Sicherheit). Dies entspricht einem durch Prostatakrebs verursachten Todesfall weniger pro 1000 Männer, die über 10 Jahre untersucht wurden. Direkte Vergleichsdaten über die Biopsie und behandlungsbedingte Komplikationen aus den eingeschlossenen Studien waren begrenzt. Anhand eines statistischen Modells schätzen die Autoren, dass bei einer Untersuchung von 1000 Männern folgende Risiken bestehen: 1 Einlieferung ins Krankenhaus wegen Sepsis, 3 benötigen Einlagen wegen Harninkontinenz und 25 Meldungen einer Erektionsstörung. Fazit Im besten Fall führt das Screening auf Prostatakrebs zu einer geringfügigen Verringerung der krankheitsspezifischen Mortalität über einen Zeitraum von 10 Jahren. Die Studienautoren schlussfolgern, dass Ärzte und Patienten, die ein PSA-basiertes Screening in Betracht ziehen, dessen Nutzen gegen die potenziellen kurz- und langfristigen Schäden des Screenings abwägen sollten. Beispielsweise können die Biopsien und die anschließende Behandlung zu Komplikationen führen, es besteht zudem das ernst zu nehmende Risiko einer Überdiagnose und Überbehandlung. (ah) Autoren: Ilic D et al. Korrespondenz: Philipp Dahm; [email protected] Studie: Prostate cancer screening with prostate-specific antigen (PSA) test: a systematic review and meta-analysis Quelle: BMJ 2018 Sep 5;362:k3519. Web: https://doi.org/10.1136/bmj.k3519