Oberschenkelfraktur im Alter: Neue Leitlinie verbindet OP und Begleiterkrankungen21. April 2026 Bild: Dragana Gordic – stock.adobe.com Die Behandlung von älteren Menschen mit einem hüftgelenknahen Oberschenkelbruch wird weiter verbessert. Grundlage dafür ist die neue S3-Leitlinie „Pertrochantäre Oberschenkelfrakturen“. Darauf hat die DGOU hingewiesen. Die neue S3-Leitlinie soll, so die Fachgesellschaft, zu einem besseren Ergebnis führen, indem sie Begleiterkrankungen der Betroffenen in das Behandlungskonzept einbezieht und nicht nur die rein chirurgische Versorgung des Obeschenkelbruchs durch eine OP betrachtet. „Da Altersfrakturen zunehmen, erkennen wir heute deutlicher die Bedeutung der Mitbehandlung von Begleiterkrankungen. Dieses Wissen wurde in die neue Leitlinie aufgenommen“, sagt Prof. Frank Hildebrand, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU). Die unter Federführung der DGOU entstandene Leitlinie ist jetzt im Leitlinien-Register erschienen. Ein Beitrag in der Zeitschrift „Orthopädie und Unfallchirurgie – Mitteilungen und Nachrichten“ (OUMN) und ein Expertenvideo informieren zudem über die wichtigsten Neuerungen. Ein-Jahres-Sterblichkeit nach Hüftfrakturen liegt bei elf bis 29 Prozent Brüche knapp unterhalb des Hüftgelenkes gehören in Deutschland zu den häufigsten Knochenbrüchen, über 70.000 werden jährlich in Deutschland behandelt. Sie machen etwa die Hälfte aller hüftgelenknahen Frakturen aus. Die meisten Betroffenen sind über 70 Jahre alt, berichtet die DGOU. Frakturen zöghen sich hochbetragte Menschen häufig schon durch einen einfachen Sturz aus dem Stand zu, oftmals begünstigt durch eine vorliegende Osteoporose. Die Folge sei ein Verlust an Beweglichkeit und Lebensqualität. Laut DGOU liegt die Ein-Jahres-Sterblichkeit nach Hüftfrakturen liegt bei elf bis 29 Prozent, häufig wegen Folgekomplikationen, wie Lungenentzündung oder Harnwegsinfekt, aufgrund der Immobilität. Ein zentrales Problem sei auch der rasche Abbau an Muskelmasse älterer Menschen durch die Immobilisation. Bereits wenige Tage Bettruhe führten zu irreversiblem Verlust an Muskelkraft, wodurch sich die Mobilität weiter einschränke und sich das Risiko für erneute Stürze erhöhe. Intedisziplinäre und schnelle Versorgung kann Komplikationen und Sterblichkeit verringern Um die Behandlung von Patienten mit Hüftfrakturen wie der pertrochantären Oberschenkelfraktur zu verbessern, hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) im Januar 2021 eine verbindliche Richtlinie eingeführt. Diese legt fest, dass nur maximal 24 Stunden zwischen Sturz und Operation vergehen sollen, um das Risiko für Komplikationen und Todesfälle zu verringern. Außerdem soll das Behandlungsteam aus verschiedenen Fachrichtungen zusammenarbeiten, damit Komplikationen reduziert und die hohe Sterblichkeit gesenkt werden. „Insbesondere hinsichtlich des optimalen Zeitpunkts für die Operation herrschten in der Praxis häufig Unsicherheiten“, erklärt Prof. Carl Neuerburg, Leiter der DGU-Sektion Alterstraumatologie. „Viele Patientinnen und Patienten nehmen aufgrund von Begleiterkrankungen, wie beispielsweise am Herzen, blutverdünnende Medikamente ein, die vor einer Operation zunächst reduziert oder pausiert werden müssen – das kostet Zeit. Anderenfalls besteht das Risiko lebensbedrohlicher Blutungen unter der Operation.“ Ein neuer Behandlungsalgorithmus zum Thema Blutverdünner bietet nun klare Orientierung: Er gibt einen Überblick über alle derartigen Medikamente und schätzt das Blutungsrisiko ein. Ebenso hilft ein neuer Algorithmus zur Implantatauswahl, das geeignete Medizinprodukt je nach Instabilität der Fraktursituation zu bestimmen.Das Leitlinienprojekt entwickelte insgesamt 66 Empfehlungen für die Behandlung pertrochantärer Oberschenkelfrakturen und fasste sie zu einem strukturierten klinischen Behandlungspfad zusammen. Mit Förderung durch den Innovationsausschuss des G-BA wurde die bisherige S2e-Leitlinie auf S3-Niveau angehoben, der höchsten Qualitätsstufe, so die DGOU. Referenzen: 1) S3-Leitlinie Evidenzbasierte interdisziplinäre Therapie hüftgelenknaher, pertrochantärer Oberschenkelfrakturen (EvidenT-HiP)Entwicklungsstufe: S3 | Stand: 01.02.2026AWMF-Registernummer: 187 – 009register.awmf.org/de/leitlinien/detail/187-009 2) Der Beitrag „EvidenT-Hip – das Wichtigste“, der in der Zeitschrift „Orthopädie und Unfallchirurgie – Mitteilungen und Nachrichten“ (OUMN), Nr. 4 2025 veröffenlicht wurde kann bei der Pressestelle der DGOU angefragt werden.
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