Obliquus-superior-Myokymie: Forschende legen neue Diagnosekriterien vor

Symbolbild.©Torbz-stock.adobe.com

Forschende des LMU Klinikums München haben neue Diagnosekriterien für die Obliquus-superior-Myokymie (OSM) aufgestellt.

Die Obliquus-superior-Myokymie (OSM) ist eine seltene Erkrankung, die durch kurze Episoden hochfrequenten, monokularen Nystagmus gekennzeichnet ist. Obwohl die Belastung für die Betroffenen im Alltag oft hoch ist, gab es bislang keine einheitlichen Diagnosekriterien. Ein deutsches Forscherteam hat nun die klinische Symptomatik sowie den Langzeitverlauf der OSM detailliert analysiert und darauf basierend Kriterien für die Diagnosestellung vorgeschlagen. Ihre Ergebnisse haben die Wissenschaftler im Fachjournal „Journal of Neurology“ veröffentlicht.

Meisten Betroffenen leiden unter visuell-perzeptiven Symptomen

Für ihre Untersuchung werteten Johannes Gerb und Kollegen vom LMU Klinikum München retrospektiv die Daten von 35 erwachsenen Patienten aus (21 Frauen; mittleres Alter bei Symptombeginn 42,8±15,0 Jahre), bei denen zwischen 2008 und 2024 eine OSM diagnostiziert worden war. Die Forschenden nutzten Krankenakten sowie detaillierte Patientenfragebögen, um die Auswirkungen der Erkrankung auf die Lebensqualität und die Wirksamkeit von Therapien zu evaluieren.

Dabei zeigten sich bei 85,7 Prozent der Teilnehmenden visuell-perzeptive Symptome wie Diplopie oder Oszillopsien. Okulomotorische Symptome („Augenzucken“) berichteten 62,9 Prozent, während 42,9 Prozent unter Schwindel oder Ganginstabilität litten.

In der Langzeitbetrachtung erwies sich die Prognose als günstig: Von 22 Teilnehmern, für die Follow-up-Daten vorlagen, berichteten 14 Patienten über eine Besserung unter Pharmakotherapie. Bei fünf weiteren trat eine Besserung auch ohne Medikation ein. Zwei Teilnehmer erzielten mit Medikamenten keine Besserung, einer brach die Pharmakotherapie wegen Nebenwirkungen ab. Insgesamt führte die Erkrankung zu einer moderaten bis starken Beeinträchtigung des Privat- und Berufslebens.

OSM: Vorteilhafte Langzeitverlauf mit hoher Remissionsrate

Diese Erkenntnisse belegten, dass die OSM zwar die Lebensqualität erheblich einschränken kann, aber meist einen vorteilhaften Langzeitverlauf mit hohen Remissionsraten aufweise, so die Autoren. Die von ihnen vorgeschlagenen Kriterien könnten künftig helfen, die Diagnose zu standardisieren und die klinische Forschung zu verbessern.

(ej/BIERMANN)