Offene Sprechstunden: KBV-Vorstand befürchtet Chaos in Praxen23. Juli 2018 Foto: ©Picture-Factory/Fotolia Der Vorstand der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) sieht die Ankündigung von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, Geld für offene Sprechstunden bereitzustellen, mit gemischten Gefühlen. Die Idee klinge zunächst nicht schlecht, doch die Effekte könnten fatal sein, fürchten die Ärztevertreter in Berlin. „Selbst Verwaltungen wie die Berliner Bürgerämter haben erkannt, dass sie mit knapp bemessenem Personal ein immer weiter steigendes Besucheraufkommen nur dann halbwegs bewältigen können, wenn sie Termine vergeben. Jetzt müssen wir mit Erstaunen feststellen, dass Bundesgesundheitsminister Jens Spahn die Ärzte, deren Praxen proppenvoll sind und die am Limit ihrer Belastbarkeit arbeiten, bevormunden und von der Terminvergabe abbringen will.“ Das erklärte der Vorstand der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) Ende der vergangenen Woche in Berlin. „Der Vorschlag ist gut gemeint, aber wird kein Problem lösen, dafür neue schaffen“, sagte der KBV-Vorstandsvorsitzende Dr. Andreas Gassen. Eine Verbesserung der Versorgung, die der Minister verspricht, sei dadurch nicht zu erwarten. Im Gegenteil. Chaos und längere Wartezeiten in den Praxen werden die Folgen sein. Gassen: „Ich hoffe nicht, dass die Bundesregierung sich an staatlichen Gesundheitssystemen wie in Großbritannien oder an den Notfallambulanzen der USA mit stundenlangen Wartezeiten orientiert.“ „Das ärztliche und nichtärztliche Personal in den Praxen wird immer knapper, und die Terminvergabe, auf die vor Jahren nicht zuletzt auch die Politik gepocht hatte, hat sich grundsätzlich bewährt“, betonte der stellvertretende KBV-Vorstandsvorsitzende Dr. Stephan Hofmeister und fügte hinzu: „Die offenen Sprechstunden werden in der Regel nicht die Kranken nutzen, die schnell ärztliche Hilfe benötigen. Denn diese Menschen sollen und können nicht stundenlang im Wartezimmer sitzen.“ Das gleiche gelte für chronisch Kranke, für die die Praxen dann weniger freie Termine hätten. Es sei bedauerlich, dass die Politik nicht die Vorschläge der Ärzteschaft aufgegriffen habe, kritisierte KBV-Chef Gassen. „Mit unserem Konzept hätten wir gemeinsam dafür gesorgt, dass wir den Bürgern auch in Zukunft eine gute medizinische Versorgung trotz knapper werdender personeller Ressourcen anbieten. Zusätzliches Geld für offene Sprechstunden klingt gut, ist aber eine Mogelpackung. Die KBV hingegen hat zahlreiche konstruktive und umsetzbare Vorschläge vorgelegt.“
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