Okuläre Hypotonie: Intravitreale Gel-Injektion zeigt vielversprechende Ergebnisse

Harry Petrushkin, Ophthalmologe am Moorfields Eye Hospital, und Patientin Nicki Guy, die wegen einer Hypotonie behandelt wurde. Foto.©Moorfields Eye Hospital

Eine aktuelle britische Studie belegt die Wirksamkeit einer weitverbreiteten intravitrealen Injektion zur Behandlung der bislang als unheilbar geltenden seltenen okulären Hypotonie.

Bislang galt das Auffüllen des Auges mit Silikonöl als Standardtherapie bei Sehkraftverlust infolge eines zu niedrigen Augeninnendrucks. Diese Behandlungsmethode bietet zwar zahlreiche Vorteile, ist jedoch nicht immer ideal. Bei langfristiger Anwendung kann Silikonöl toxisch für die Augenstrukturen sein und die Sicht beeinträchtigen.

HPMC zeigt sich sicher und effektiv bei okulärer Hypotonie

Die in der Fachzeitschrift „British Journal of Ophthalmology“ veröffentlichten Daten zeigen, dass Augeninjektionen von Hydroxypropylmethylcellulose (HPMC) sicher und effektiv zur Behandlung der okulären Hypotonie eingesetzt werden können. HPMC ist ein kostengünstiges Gel, das routinemäßig in der Augenchirurgie verwendet wird.

Die Ergebnisse zeigen, dass HPMC das intraokulare Volumen hypotoner Augen effektiv stabilisiert. Dadurch lassen sich sowohl der Bulbusdurchmesser als auch der Augeninnendruck gezielt erhöhen. Durchgeführt wurde die Studie vom University College London (UCL), Großbritannien, in Kooperation mit dem Moorfields Eye Hospital, London, Großbritannien.

HPMC-Injektion führt zu signifikanter Verbesserung der Sehfunktion

Die Autoren berichten, dass die Patienten neben der Wiederherstellung der Anatomie des Auges auch ihr Sehvermögen zurückerlangten. Sieben von acht behandelten Patienten zeigten innerhalb eines zwölfmonatigen Follow-ups eine signifikante Verbesserung der Sehfunktion, einen Anstieg des Augeninnendrucks sowie eine Wiederherstellung der axialen Bulbuslänge. Alle Patienten wurden an der spezialisierten Hypotonie-Klinik behandelt. Ermöglicht wurde die Therapie durch die Finanzierung der Moorfields Eye Charity.

Harry Petrushkin, Ophthalmologe am Moorfields Eye Hospital und Hauptautor der Studie, betonte: „Wir freuen uns, dass sich diese einfache Behandlung für Patienten mit dieser seltenen Erkrankung als so wirksam erwiesen hat. Dies ist der Beginn eines Prozesses, in dem wir mehr über das Gleichgewicht der Flüssigkeit im Inneren des Auges erfahren und so die Versorgung unserer Patienten verbessern können.“

Neue Therapie schürt Hoffnung

Mitautor Prof. Gus Gazzard vom Institute of Ophthalmology des UCL und Moorfields Eye Hospital kommentierte: „Das ist wirklich eine bahnbrechende neue Therapie, die Patienten Hoffnung gibt, für die es bislang keine Optionen gab, für diese als unheilbar, zur Erblindung und Entstellung führenden Erkrankung. Diese solide Proof-of-Principle-Studie hat meine Hoffnungen bereits hinsichtlich der Sehkraftwiederherstellung übertroffen.“

„Ich hoffe, dass wir diese Therapie sehr bald einer größeren Zahl von Patienten zugänglich machen können. Allerdings befinden wir uns noch in einem frühen Stadium. Es wird noch viel harte Arbeit erforderlich sein, nicht zuletzt, um die erforderlichen Mittel für die Optimierung dieser Behandlung aufzubringen“, wie Gazzard abschließend hinzufügte.