Olaparib plus Bevacizumab als Erstlinien-Erhaltungstherapie beim Ovarialkarzinom: Klinisch bedeutsame Verbesserung des Gesamtüberlebens festgestellt

LYON (Biermann) – In der PAOLA-1/ENGOT-ov25-Primäranalyse zeigte die Erhaltungstherapie mit Olaparib plus Bevacizumab beim klinischen Ansprechen nach platinbasierter Erstlinien-Chemotherapie plus Bevacizumab unabhängig vom Operationsstatus einen signifikanten PFS-Vorteil bei neu diagnostizierten Patientinnen mit fortgeschrittenem Ovarialkarzinom (OC).

Vorab festgelegte, explorative Analysen nach molekularem Biomarkerstatus zeigten schon einen erheblichen Nutzen bei Patienten mit einer BRCA1/BRCA2-Mutation (BRCAm) oder einer Homologen Rekombinations-Defizienz (HRD; BRCAm und/oder genomischer Instabilität). Isabelle Ray-Coquard vom Centre Léon Bernard (Lyon, Frankreich) und ihre Kollegen führten nun die vorab festgelegte endgültige OS-Analyse durch, die auch Analysen nach dem HRD-Status umfasste.

Olaparib plus Bevacizumab verbesserte bei Erstlinienpatientinnen mit HRD-positivem OC das OS klinisch bedeutsam. Die vorab festgelegten explorativen Analysen zeigten außerdem eine Verbesserung, obwohl ein hoher Anteil der Patientinnen im Placebo-Arm nach Progression Poly(ADP-Ribose)-Polymerase-Inhibitoren (PARPi) erhalten hatten, was die Kombination als einen der Behandlungsstandards in diesem Umfeld mit dem Potenzial zur Verbesserung der Heilung bestätigte.

Die Forschungsgruppe randomisierte die Studienteilnehmerinnen im Verhältnis 2:1, sodass sie entweder Olaparib (300 mg 2-mal täglich; ≤24 Monate) plus Bevacizumab (15 mg/kg alle 3 Wochen; 15 Monate insgesamt) oder Placebo plus Bevacizumab erhielten. Die OS-Analyse, die einen wichtigen sekundären Endpunkt der hierarchischen Tests darstellte, war für einen Reifegrad von etwa 60 % oder 3 Jahre nach der primären Analyse geplant.

Nach einer medianen Nachbeobachtungszeit von 61,7 bzw. 61,9 Monaten im Olaparib- bzw. Placebo-Arm betrug das mediane OS in der Intention-to-Treat-Population 56,5 vs. 51,6 Monate (HR 0,92; 95 %-KI 0,76–1,12; p=0,4118). Eine anschließende PARPi-Therapie erhielten 105 (19,6 %) Patientinnen des Olaparib-Armes und bei den Patienten des Placebo-Armes waren es 123 (45,7 %). In der HRD-positiven Population war das OS unter Olaparib plus Bevacizumab länger (HR 0,62; 95 %-KI 0,45–0,85; 5-Jahres-OS-Rate 65,5 % vs. 48,4 %).

Nach 5 Jahren zeigte das aktualisierte PFS ebenfalls einen höheren Anteil von Patientinnen ohne Rückfall unter Olaparib plus Bevacizumab (HR 0,41; 95 %-KI 0,32–0,54; 5-Jahres-PFS-Rate 46,1 % vs. 19,2 %). Myelodysplastisches Syndrom, Akute myeloische Leukämie, aplastische Anämie und die Inzidenz neuer primärer maligner Erkrankungen blieben bei den Patientinnen niedrig und waren zwischen den Armen ausgeglichen. (sh)

Autoren: Ray-Coquard I et al.
Korrespondenz: [email protected]
Studie: Olaparib plus bevacizumab first-line maintenance in ovarian cancer: final overall survival results from the PAOLA-1/ENGOT-ov25 trial
Quelle: Ann Oncol 2023;34(8):681–692.
Web: www.doi.org/10.1016/j.annonc.2023.05.005