Onkologie: Studien messen häufig das progressionsfreie Überleben

© Yakobchuk Olena – stock.adobe.com (Symbolbild)

Eine aktuelle Kohortenstudie legt nahe, dass onkologische randomisierte klinische Studien (RCTs) heutzutage weitgehend mutmaßliche Surrogat-Endpunkte messen und fast ausschließlich von der pharmazeutischen Industrie finanziert werden.

Die zunehmende Rolle von Medizinjournalisten verdiene Aufmerksamkeit, schreiben Dr. Joseph C. Del Paggio von der University of Toronto, Kanada, und seine Kollegen. Um zu zeigen, dass neue Krebsbehandlungen von hohem Wert sind, müsse die onkologische Community prüfen, inwieweit Studienendpunkte und Zieleffektgröße den Patienten einen signifikanten Nutzen bringen, ergänzen sie. Hintergrund ihrer Studie war der Umstand, dass in den letzten Jahren Bedenken bzgl. der Verwendung von mutmaßlichen Surrogat-Endpunkten wie dem PFS und marginalen Effektstärken aufgekommen sind.

Die retrospektive Kohortenstudie bezog RCTs zur systemischen Therapie bei Brust-, Dickdarm- und NSCLC ein, die zwischen 2010 und 2020 in 7 wichtigen Zeitschriften erschienen sind. Diese Strategie repliziere frühere Arbeiten und ermögliche den Vergleich von Trends mit RCTs, die zwischen 1995–2004 und 2005–2009 veröffentlicht wurden, erläutern die Autoren.

Die Kohorte umfasste 298 RCTs (132 [44%] zu Brustkrebs, 111 [37%] zum NSCLC, 55 [19%] zu Kolorektalkarzinomen). Die experimentelle Behandlung umfasste Therapien mit molekularen Inhibitoren (171/298 [57%]), zytotoxischen (83/298 [28%]), endokrine (15/298 [5%]) und Immuntherapien (24/298 [8%]). Eine palliative Absicht hatten 69% (206/298) der RCTs.

Als aktuell häufigsten primären Endpunkt identifizierten die Autoren das PFS: Dies habe sich im Laufe der Zeit erheblich erhöht (von 0% [0/167] auf 18% [25/137] auf 42% [125/298]; p<0,001).

Ein solcher zunehmender Trend war auch bei der Finanzierung zu beobachten: Von 298 RCTs wurden im jüngsten Zeitraum 265 (89%) von der Industrie finanziert (vorher 95/167 [57%] bzw. 107/137 [78%]; p<0,001).

Ihren primären Endpunkt erreichten 58% (173/298) der Studien. Bei den positiven Studien habe die mediane Verbesserung des OS und des PFS 3,4 bzw. 2,9 Monate betragen, führt das Team aus. Mehr als ein Drittel (117/298 [39]) der Berichte sei unter Mithilfe eines professionellen Medizinjournalisten entstanden: Dies habe im Untersuchungszeitraum von 3/27 [11%] im Jahr 2010 auf 12/18 [67%] im Jahr 2020 deutlich zugenommen (p<0,001).

Fazit
Die Kohortenstudie legt nahe, dass moderne onkologische RCTs weitgehend mutmaßliche Surrogat-Endpunkte messen und fast ausschließlich von der pharmazeutischen Industrie finanziert werden. (sf)

Autoren: Del Paggio JC et al.
Korrespondenz: Joseph Delpaggio; [email protected]
Studie: Evolution of the Randomized Clinical Trial in the Era of Precision Oncology
Quelle: JAMA Oncol 2021;7(5):728–734.
Web: https://doi.org/10.1001/jamaoncol.2021.0379