Online-Beratung für ältere Menschen in belastenden Lebensphasen18. August 2026 Symbolbild: © fizkes – stock.adobe.com LebensLinien 60+ bietet Menschen ab 60 Jahren bundesweit eine kostenfreie und anonyme Online-Beratung in belastenden Lebensphasen. Die Beratung erfolgt schriftlich über ein geschütztes Mailberatungssystem. LebensLinien 60+ richtet sich an Menschen ab 60 Jahren, die Veränderungen, Verluste, gesundheitliche Einschränkungen oder Phasen der Neuorientierung erleben. Auch wer sich allein fühlt, belastet ist, nicht weiß, mit wem er sprechen soll, oder sich um einen älteren Menschen im eigenen Umfeld sorgt, kann sich an das Angebot wenden. Nach der Registrierung mit einem selbst gewählten Benutzernamen und Passwort kann auf Wunsch eine verlässliche schriftliche Begleitung durch eine feste Beraterin oder einen festen Berater entstehen. Erreichbar ist das Angebot über https://www.lebenslinien-60plus.de/. Die ehrenamtlichen Beraterinnen und Berater sind selbst in einem ähnlichen Lebensalter wie die Ratsuchenden. Eine 50-stündige Weiterbildung bereitet sie auf die schriftliche Begleitung im digitalen Raum vor; fachliche Begleitung und regelmäßige Supervision sichern die Qualität. Ältere Menschen besonders gefährdet Die gesellschaftliche Bedeutung des Angebots zeigt sich in der Statistik: In Deutschland sterben jährlich mehr als 10.000 Menschen durch Suizid. Für das Jahr 2024 weist das Statistische Bundesamt insgesamt 10.372 Suizide aus. Auffällig ist der hohe Anteil älterer Menschen: Allein 5.953 Menschen über 60 Jahre starben 2024 durch Suizid. Das entspricht 57,4 Prozent aller Suizide, obwohl diese Altersgruppe nur rund 29 Prozent der Bevölkerung ausmacht. Auch die ersten Zahlen von LebensLinien 60+ zeigen, dass das Angebot eine bestehende Lücke adressiert. Seit dem Projektstart im Mai 2025 wurden 96 Klientinnen und Klienten beraten. Häufig genannt wurden Einsamkeit, Suizidalität und Depressionen, Probleme mit Verwandten, Überforderung sowie körperliche Erkrankungen. Zugleich macht die Statistik des AKL deutlich, dass Menschen über 60 die bestehenden Krisenberatungsangebote in Reutlingen und Tübingen bislang nur selten in Anspruch nehmen. Genau hier setzt LebensLinien 60+ an: Das Angebot soll ältere Menschen früher erreichen, bevor Belastungen unbesprochen bleiben oder sich zuspitzen. Es schafft einen Zugang für Menschen, die den persönlichen Kontakt zunächst scheuen, schriftlich leichter Worte finden oder unabhängig von Wohnort, Mobilität und Öffnungszeiten Unterstützung suchen. „Wir sehen, dass ältere Menschen sehr unterschiedliche Zugänge brauchen. Manche möchten nicht sofort telefonieren oder persönlich in eine Beratungsstelle kommen. Für sie kann Schreiben ein erster, wichtiger Schritt sein – weil es Zeit lässt, Gedanken zu ordnen und sich in einem geschützten Rahmen anzuvertrauen“, sagt Lukas Ulmer, Projektverantwortlicher für LebensLinien 60+ beim Arbeitskreis Leben e.V. Reutlingen / Tübingen. Teil eines fachlichen und gesellschaftlichen Hilfesystems LebensLinien 60+ versteht sich als ergänzendes Angebot innerhalb einer vernetzten Suizidprävention und psychosozialen Versorgung. Das Projekt ist fachlich in bestehende Strukturen eingebunden, unter anderem über die Landesarbeitsgemeinschaft der Arbeitskreise Leben in Baden-Württemberg, den Paritätischen Wohlfahrtsverband und die Deutsche Gesellschaft für Suizidprävention. Zudem ist LebensLinien 60+ in der Übersicht zu Hilfsangeboten der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention aufgeführt. Gerade weil schwierige Lebenslagen im Alter häufig unsichtbar bleiben, ist Vernetzung entscheidend: Kommunen, Seniorenarbeit, Gesundheitswesen, Wohlfahrtsverbände, Angehörigenarbeit, Kirchengemeinden, Ärztinnen und Ärzte, Pflege- und Beratungsstrukturen sowie digitale Informationsangebote können dazu beitragen, dass ältere Menschen und ihr Umfeld frühzeitig von LebensLinien 60+ erfahren.
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