Online-Fortbildung „OU TO GO“ auf der Erfolgsspur

Tobias Schulte auf der VSOU-Stage 2023. (Foto: hr, Biermann Medizin)

Auf der Stage-Bühne des VSOU stellte im Rahmen einer Diskussionsrunde zu innovativen Weiterbildungskonzepten Prof. Tobias Schulte das seit 2020 bestehende Online-Format vor.

Der Direktor der Orthopädischen Universitätsklinik St. Josef-Hospital der Ruhr-Universität Bochum entwickelte das Format auf seine Privatinitiative hin. Da OU TO GO seit März 2020 läuft, werde er immer wieder gefragt, ob der Anlass die Corona-Pandemie gewesen sei. Doch das sei nur ein Zufall, die Idee entstand bereits zuvor. Schulte berichtete, dass er zunächst über seine Frau, die Gynäkologin ist, das bereits bestehende GYN TO GO kennenlernte. Daraus sei die Idee erwachsen, dieses Format für das gesamte Fachgebiet der Orthopädie und Unfallchirurgie sowie SPINE TO GO für sein persönliches Spezialgebiet der Wirbelsäulenorthopädie ins Leben zu rufen. Heute organisiert er als Projektleiter beide Weiterbildungsformate. Der Aufbau sei ihm mithilfe der Tschira Stiftung gelungen. „Laufende Kosten finanzieren wir über Spenden“, so der Initiator.

Wöchentliche Weiterbildung auf hohem Niveau

„Mein primäres Ziel war es, für Assistenten in Weiterbildung eine unaufwendige, 30 Minuten dauernde, aber hochkarätige Fortbildung ohne finanzielle Hürden zu bieten, die zu einer Eins-Plus-Prüfung zum Facharzt bei der Ärztekammer führt“, erklärte Schulte. Selbstverständlich seien auch interessierte Fachärzte, Studenten, Physiotherapeuten und andere Interessierte eingeladen teilzunehmen. Praktisch sehe es oft so aus, dass sich morgens ein Arzt in einer Klinik einwählt und dann das ganze Team an der Fortbildung teilnimmt. Aus Sicht der Klinikleitung sei dies kein Ersatz für andere bestehende Fortbildungsformate oder eigene Weiterbildungskonzepte, aber als einfache wöchentliche Weiterbildung auf hohem Niveau eine sehr sinnvolle Ergänzung.

Das Programm, das Schulte für zwei Jahre aufgestellt hat, hat er selbst gestaltet, frei vom Einfluss der Fachgesellschaften oder der Industrie. Es wiederholt sich Schulte zufolge alle zwei Jahre, eventuell mit neuen Referenten, sodass man einerseits im Fluss bleibe und andererseits in den sechs Weiterbildungsjahren zweimal zur Vertiefung demselben Thema beiwohnen könne.

Möglich sei dies auch nur, weil die Referenten ehrenamtlich arbeiteten. „Das können sie auch nur machen, weil sie Spezialisten in ihrem Thema sind und die Vorträge in der Regel in der Schublade liegen haben“, betonte Schulte. Der technische Aufwand sei zudem gering und der zeitliche Aufwand betrage zwei Stunden am Vortragstag. Das Format läuft in der Regel mittwochs in einer Early-Morning-Session von 7.30 Uhr bis 8. 15 Uhr und ist laut Schulte passend für eine klinikinterne Teamweiterbildung. Hinzu kommt die Late-Night-Session von 20 bis 20.45 Uhr, bei der viele auch von zuhause aus teilnehmen. Sie findet live statt, sodass Fragen und Diskussionen möglich sind.

Ein weiterer Vorteil ist die große Reichweite des Online-Formats. So nehmen nach Angaben Schultes morgens bis zu 3000 und abends bis zu 700 Interessierte teil. Pro Klinikteam finden sich durchschnittlich zehn Teilnehmer ein.

Online-Befragung zu Online-Formaten

Eine Online-Befragung, die sich an TO-GO-Formate für verschiedene Fachrichtungen richtete und an der knapp 3000 Personen teilnahmen, belegte, dass knapp 80 Prozent Ärzte teilnehmen, die überwiegend an Kliniken (knapp 60 %) arbeiten. Seit der Pandemie ist der Umfrage zufolge die Bereitschaft an Online- Fortbildungen sprunghaft gestiegen. Als ihre wichtigsten Erwartungen für Fortbildungen gaben die Befragten die Kostenfreiheit und Industrieunabhängigkeit an. Zwar wünschen sich 87 Prozent der Befragten, dass nach der Pandemie die Online-Angebote bestehen bleiben, aber für die Zeit nach der Pandemie bevorzugen 56 Prozent eine Kombination aus Online- und Face-to-face-Fortbildungen.

Nachteile von Online-Formaten, die OU TO GO aber nicht weniger attraktiv machen

Neben der fehlenden Face-to-face-Interaktion führte Schulte weitere Nachteile der Online-Fortbildung an: Referenten und Publikum sehen sich nicht, die fehlende Interaktion sei aber pädagogisch wichtig. „Dennoch sind Diskussionen möglich“, berichtete Schulte. Gerade bei den Abendveranstaltungen gebe es kein zeitliches Limit, während sich die Morgenveranstaltungen in einem engen zeitlichen Rahmen hielten, um nicht den Klinikalltag zu stören.

Eine weitere Schwäche sei, dass keine Hands-on-Aktivitäten möglich sind. Und schließlich besteht auch die Gefahr der Isolation, wenn man nur noch Online unterwegs ist“, so Schulte. Die Vorträge nach der Veranstaltung online zur Verfügung zu stellen, darauf habe man aufgrund der Copyright-Regeln der vielen Abbildungen verzichtet, das Risiko sei zu groß, das hier findige Anwälte gezielt nach Copyright-Verletzungen Ausschau hielten.

Insgesamt zeigte sich der Initiator von OU TO GO zufrieden mit der Entwicklung. Auch in unserer Klinik nutzen wir die morgendlichen Veranstaltungen. Unsere Mitarbeitenden haben deshalb sogar die Frühbesprechung vorgezogen“, erklärte Schulte. (hr)