Online-Programm „mylovia“ hilft bei weiblicher sexueller Dysfunktion

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Sexuelle Funktions- und Schmerzstörungen bleiben für viele Frauen ein Tabuthema, und spezialisierte Therapieangebote sind rar. Eine randomisierte, kontrollierte Studie zeigt nun, dass die digitale Intervention „mylovia“ statistisch signifikant und klinisch relevant wirksam ist.

Die Studie wurde von einem Forschungsteam von dem Public Health Unternehmen GAIA in Kooperation mit Forschenden der MSH Medical School Hamburg, der Universität zu Lübeck und dem Institut für Sexual-, Psycho- und Traumatherapie München durchgeführt und untersuchte die Effekte der digitalen Intervention mylovia. Sie zeigt eine statistisch signifikante und klinisch relevante Wirksamkeit von mylovia. Die Ergebnisse wurden kürzlich in „npj Digital Medicine“ veröffentlicht.

Ähnliche Effekte wie Psychotherapie, aber mit Limitationen

In der randomisierten, kontrollierten Studie mit 252 Frauen ab 18 Jahren, bei denen eine sexuelle Funktions- oder Schmerzstörung vorlag, zeigte sich nach drei Monaten Nutzung von mylovia in der Interventionsgruppe im Vergleich zu einer Kontrollgruppe eine statistisch signifikante und klinisch relevante Verbesserung der Symptome. Es zeigte sich bei der Nutzung von mylovia signifikante Verbesserungen in Bezug auf das sexuelle Verlangen, die sexuelle Zufriedenheit sowie in Bezug auf Gedanken und Verhalten im Kontext sexueller Schmerzen. Die digitale Intervention zeigt ähnliche Effektstärken wie Face-to-Face Psychotherapie bei weiblichen sexuellen Funktionsstörungen. Als selbstgeleitete Intervention bietet mylovia damit die Chance auf eine Behandlung betroffener Frauen und trägt dazu bei, den Gender Health Gap zu verringern.

Trotz der positiven Ergebnisse weist die Studie einige Einschränkungen auf. Die Teilnehmerinnen waren selbst ausgewählt, sodass Frauen mit höherer Bildung und technischer Affinität überrepräsentiert sein könnten, was die Übertragbarkeit der Ergebnisse auf alle betroffenen Frauen einschränkt. Die Effekte bei Peri- und Postmenopausalen sowie bei Frauen mit Genitopelviner Schmerz-/Penetrationsstörung waren weniger deutlich. Dies könnte auf die kleine Stichprobengröße dieser Subgruppen zurückzuführen sein, bedarf aber weiterer Forschung. Außerdem wurden die Ergebnisse überwiegend über Selbsteinschätzungen gemessen, und die Teilnehmerinnen wussten, dass sie in der Interventionsgruppe waren, was Erwartungen und Bewertungen beeinflusst haben könnte. Schließlich betrachtet die Studie den Effekt von mylovia nur über einen Zeitraum von drei bis sechs Monaten; Aussagen über die Langzeitwirkung sind bislang nicht möglich.

Was ist mylovia?

mylovia ist eine digitale therapeutische Anwendung, die auf wissenschaftlich fundierten psychotherapeutischen Verfahren basiert. Sie gibt Betroffenen alltagsnahes Wissen sowie konkrete Übungen an die Hand. Die Hauptfunktion besteht in einem virtuellen Dialog. Das bedeutet, dass mylovia der Nutzerin kurze Informationen anbietet und die Nutzerin dann aus einer festgelegten Anzahl von vorgegebenen Antwortmöglichkeiten diejenige auswählt, die sie am meisten interessiert und/oder am besten zur individuellen Situation passt. mylovia geht empathisch auf diese Antwort ein und vermittelt nachfolgend die nächste Information, auf die die Nutzerin dann wiederum reagieren kann. Auf diese Weise entsteht ein adaptiver Interaktionsprozess, der in seiner Struktur einem therapeutischen Gespräch nachempfunden ist.

Auf Grundlage der Studienergebnisse wurde mylovia beim BfArM zur Kostenerstattung eingereicht. Sollte die Zulassung erfolgen, könnte die Intervention über den Weg der Digitalen Gesundheitsanwendung (DiGA) von Ärztinnen und Ärzten sowie Psychotherapeutinnen und -therapeuten verordnet werden.

(lj/BIERMANN)

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