Operation bei vulvärer intraepithelialer Neoplasie: Topisches Imiquimod ist nicht unterlegen21. September 2022 GRAZ (Biermann) – Imiquimod ist für Frauen mit hochgradigen squamösen vulvären intraepithelialen Läsionen (vHSILs) eine sichere, wirksame und gut akzeptierte Alternative zur Operation und kann als Erstlinientherapie in Betracht gezogen werden. Das zeigte jetzt eine Studie der Arbeitsgemeinschaft für Gynäkologische Onkologie der Österreichischen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe. Die multizentrische, randomisierte, klinische Nichtunterlegenheitsstudie der Phase III war an 6 Krankenhäusern in Österreich durchgeführt worden. Eingeschlossen wurden Patientinnen (Alter 18–90 Jahre) mit histologisch bestätigter vHSIL mit sichtbaren uni- oder multifokalen Läsionen. Als Hauptausschlusskriterien definierten die Autoren den klinischen Verdacht auf Invasion, ein Vulvakarzinom in der Anamnese oder eine schwere entzündliche Dermatose der Vulva und jegliche aktive Behandlung von vHSIL innerhalb der letzten 3 Monate. Auch bedingten Immunschwäche, Schwangerschaft und Stillzeit einen Studienausschluss. Die Patientinnen wurden 1:1 für Imiquimod oder eine Operation randomisiert, stratifiziert nach uni- oder multifokaler Erkrankung. Die Behandlung mit Imiquimod wurde über 4–6 Monate in einem langsam ansteigenden Dosierungsschema ≤3-mal pro Woche selbst angewandt. Die Operation bestand aus Exzision oder Ablation. Die Beurteilung erfolgte anhand von Vulvoskopie, Vulvabiopsie, Test auf Humanes Papillomvirus (HPV) und den von den Patientinnen selbst berichteten Ergebnissen zu Studienbeginn sowie nach 6 und 12 Monaten. Als primärer Endpunkt galt das CR 6 Monate nach der lokalen Behandlung mit Imiquimod oder einem chirurgischen Eingriff. Die Primäranalyse erfolgte per Protokoll mit einer Nichtunterlegenheitsmarge von 20 %. Zwischen dem 07.06.2013 und dem 08.01.2020 randomisierten Dr. Gerda Trutnovsky von der Medizinischen Universität Graz (Österreich) und ihre Kollegen 110 Patientinnen mit vHSIL (78 % mit uni- und 22 % mit multifokalen vHSIL). Bei 107 Patientinnen (54 in der Imiquimod- und 53 in der Operations-Gruppe) konnte das klinische Ansprechen beurteilt werden und 98 Frauen (46 in der Imiquimod-Gruppe und 52 in der Operations-Gruppe) schlossen die Studie gemäß Protokoll ab. Von den Frauen, die Imiquimod einsetzten, hatten 37/46 (80 %) eine CR, verglichen mit 41/52 (79 %) nach einem chirurgischen Eingriff, was eine Nichtunterlegenheit der neuen Behandlung zeigte (Unterschied im Verhältnis -0,016; 95 %-KI -0,15 bis -0,18; p=0,0056). Eine invasive Erkrankung wurde bei der primären oder sekundären Operation bei 5 Frauen festgestellt, jedoch nicht bei mit Per-Protocol-Imiquimod-Behandelten. Keine signifikanten Unterschiede beobachteten die Autoren bei der HPV-Clearance, den unerwünschten Ereignissen und der Behandlungszufriedenheit. (sf) Autoren: Trutnovsky G et al.Korrespondenz: [email protected] Studie: Topical imiquimod versus surgery for vulvar intraepithelial neoplasia: a multicentre, randomised, phase 3, non-inferiority trialQuelle: Lancet 2022;399(10337):1790–1798. Web: doi.org/10.1016/S0140-6736(22)00469-X