DOG 2026 OphthalmoPitch: Innovationspreise für vielversprechende Ideen26. September 2026 Pietro de Angeli (2.v.l., Tübingen) und Anders Steen Knudsen (2.v.r.) nehmen als Sieger des OphthalmoPitch 2026 den ersten DOG-Innovationspreis von Moderator Siegfried Priglinger (l.) und Vorjahressieger Dr. Maximilan Hammer entgegen. Foto: Kaulard/Biermann Medizin Fünf Projekte, fünf Präsentationen, zwei Votings – dann stand er fest: Der Gewinner des OphthalmoPitch 2026. Das Top-Projekt des 124. DOG-Kongresses kommt aus der Grundlagenwissenschaft und adressiert ein „unmet medical need“ auf dem Gebeit der erblichen Netzhauterkrankungen. Der OphthalmoPitch ging diesmal in seine zweite Runde. Erstmals ausgerichtet worden war der Ideenwettbewerb auf der DOG 2025. Der OphthalmoPitch bietet eine Bühne für Projekte, Patente und Start-ups aus der Augenheilkunde. Gesucht werden Lösungen für aktuelle unmet medical needs, die von der Grundlagenforschung über neue Therapien bis hin zu medizintechnischen oder digitalen Innovationen reichen. Kritische Fragen, klare Votings Fünf vorab von einer Fachjury aus den eingereichten Bewerbungen ausgewählte Projekte kommen in die Endrunde. Die Finalisten stellen ihre Produktideen in kurzen Präsentationen vor. Ein Panel mit Vertretern aus Medizin, Industrie und Venture Capital sowie das Publikum der Live-Sitzung bewerten in Votings die vorgestellten Innovationen. Zuvor müssen die Bewerber ihre Ideen in einer kritischen Fragerunde mit dem Panel tiefer erläutern und den Nutzen – auch unter rein ökonomischen Aspekten – darlegen. Die besten Konzepte werden schließlich mit DOG-Innovationspreisen im Gesamtwert von 45.000 Euro ausgezeichnet. Sponsoren der Preisgelder sind die Unternehmen Roche und Bayer. RHOligo: Nicht jede Mutation braucht eine eigene Antwort Den ersten Preis des OphthalmoPitch 2026 erhielt das Projekt RHOligo – Restoring Vision for RHO-Retinitis-pigmentosa-Patienten. Die von Dr. Pietro de Angeli (Tübingen) und Anders Steen Knudsen von der (Columbia University, USA) vorgestellte Innovation hat das Ziel, die verschiedenen Mutationen, die dieser Erkrankung zugrunde liegen können, mit nur einem Präparat zu behandeln. Verabreicht wird dieses per intravitrealer Injektion, die den Patienten lebenslang wiederholt gegeben werden muss. „Nicht jede Mutation braucht eine eigene Antwort“ hieß die auf den Punkt gebrachte Erklärung dieses Konzeptes einer „mutation-agnostic antisense oligonucleotide strategy“. Mit dem 1. Preis ist ein Preisgeld von 20.000 Euro verbunden. Schlinge für Fremdkörper: Festhalten, wenn es darauf ankommt Auf Platz 2 (15.000 Euro) schaffte es eine Idee aus dem Bereich der augenmedizinischen Geräte. Dr. Ihor Vasyltsov aus Kiyw (Ukraine) präsentierte eine intraokulare Fixationsschlinge für dislozierte Linsen und zum Entfernen verschiedenster Fremdkörper aus schwer traumatisierten Augen (Zhmuryk Folding Loop). „Festhalten, wenn es darauf ankommt“ lautete der Titel dieses Pitch. Der Hintergrund des Projektes, so erläuterte Vasyltsov, sei der seit 2022 andauernde Angriffskrieg gegen die Ukraine, der zu einem massiven Anstieg kriegsbedingter Augenverletzungen geführt habe. Der Großteil der bislang verfügbaren intraokularen Zangen sei nicht für die seitdem gesehene große Verschiedenartigkeit eingedrungener Fremdkörper geeignet. EyeConsent: Patient und Arzt verstehen sich – in jeder Sprache Auf den dritten Platz (10.000 Euro) wählten Jury und Publikum die Idee von Dr. Broder Poschkamp (Greifswald) und softwraeingenieur Frederik Foth: „Patient und Arzt verstehen sich – in jeder Sprache“ hatten sie das Projekt EyeConsent überschrieben. „Hat der Patient verstanden, fühlt sich auch der Arzt sicherer“, verdeutlichte Poschkamp. Ziel ist die Optimierung von Anamnese- und Aufklärungsgesprächen, wenn Arzt und Patienten nicht dieselbe Sprache sprechen. Mithilfe eines spezialisierten Übersetzungstools sollen Gespräche vorbereitet und gezielter geführt sowie Arzt-Zeit gespart werden. Statt zunächst Standardfragen stellen zu müssen, soll es Ärzten so ermöglicht werden, einen patientenindividuellen Fokus zu setzen – oder kurz: „Aufklärung, die wirklich ankommt“ Das weiterreichende Ziel des Projektes ist die Einführung von Patientenpfaden in die Ophthalmologie. Für den Pitch nominiert: Clinical companion und Simulationstest Die Plätze 4 und 5 belegten nach dem Voting die für den Pitch nominierten Projekte „Clinical companion – Wenn jede Sekunde zählt“ von Florian Harig (Kiel) und „Sehen, was sonst keiner sieht“ von Dr. Kazim Hilmi Or (Hamburg). Das von Harig vorgestellte Projekt Clinical companion soll insbesondere Assistenzärzte bei Notdienstschichten begleiten, in denen oft viele Entscheidungen schnell zu treffen sind. Die digitale Anwendung ist als direkte, verlässliche Informationshilfe gedacht, die dabei unterstützt, Symptome einzuordnen, Diagnosen zu stellen und Therapieentscheidungen zu treffen. Hierzu soll spezielles Fachwissen gezielt abrufbar sein. Die Inhalte des Companion, so hieß es, seien aus Gründen der Verlässlichkeit nicht KI-generiert und auch die Suche sei nicht KI-gestützt. Als Klinikleitfaden mit intuitiver Handhabung, der auch eine direkte Fragefunktion umfasse, solle er Assistenzärzten in Stress-Situationen mehr Sicherheit geben. Or präsentierte einen Zwei-Photonen-Mixed-Reality-Simulationstest zur Prüfung von Sehschärfe und Farbsehen. Dieser Test ist für den Einsatz bei Begutachtungen vorgesehen. Das Ziel besteht darin, eine objektive Bewertungsgrundlage zu schaffen, die fehlerhafte Aussagen ausschließt. Von der Idee zur Marktreife Mit dem Format OphthalmoPitch, moderiert von Prof. Siegfried Priglinger (LMU München), will die DOG gezielt Innovationen und Entrepreneurship fördern. Hierzu bietet die Fachgesellschaft eine Plattform für einen direkten, intensiven Austausch zwischen Wissenschaft und Wirtschaft. So sollen einerseits „die Sichtbarkeit zukunftsweisender ophthalmologischer Entwicklungen“ verbessert und andererseits die Weiterführung innovativer Ideen hin zur Marktreife unterstützt werden. Gefördert werden Projekte, die über die reine Patentanmeldung hinausgehen. Im Fokus stehen die Umsetzungsstrategie und Markttauglichkeit. Der Pitch richtet sich daher laut DOG an „Konzepte mit konkreter Marktorientierung“. (dk/BIERMANN)
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