Opportunistische Salpingektomie senkt das Risiko für serösen Eierstockkrebs6. Februar 2026 Das Verfahren der opportunistischen Salpingektomie kann das Risiko für serösen Eierstockkrebs um 78 Prozent senken. (Bild: © shidlovski/stock.adobe.com) Frauen, die sich einer gynäkologischen Routineoperation unterzogen, hatten laut amerikanischer retrospektiver Kohortenstudie ein um fast 80 % geringeres Risiko für serösen Eierstockkrebs, wenn gleichzeitig eine opportunistische Salpingektomie durchgeführt wurde. Dies geht aus einer neuen Studie hervor, die kürzlich in „JAMA Network Open“ von Forschenden der University of British Columbia (UBC) veröffentlicht wurde. Die Strategie, bekannt als opportunistische Salpingektomie, beinhaltet die proaktive Eileiterentfernung im Rahmen einer Routineoperation wie einer Hysterektomie oder einer Tubenligatur. Die kanadische Provinz British Columbia (B.C.) war 2010 weltweit die erste Region, die diese Operation anbot. Ein Forschungsteam von UBC, BC Cancer und Vancouver Coastal Health entwickelte das Verfahren, nachdem festgestellt worden war, dass die meisten Eierstockkrebserkrankungen in den Eileitern und nicht in den Eierstöcken entstehen. Bei der opportunistischen Salpingektomie bleiben die Eierstöcke intakt, wodurch die wichtige Hormonproduktion erhalten bleibt und die Nebenwirkungen des Eingriffs minimal sind. Die neue Studie wurde geleitet von einem internationalen Forschungsverbund in British Columbia namens Ovarian Cancer Observatory. Sie liefert den bisher deutlichsten Beweis dafür, dass die kanadische Innovation Leben rettet. „Diese Studie zeigt eindeutig, dass die Entfernung der Eileiter als zusätzlicher Eingriff im Rahmen einer Routineoperation dazu beitragen kann, die tödlichste Form von Eierstockkrebs zu verhindern“, beschreibt die Co-Seniorautorin Dr. Gillian Hanley, Professorin für Geburtshilfe und Gynäkologie an der UBC. Operation reduziert Risiko für serösen Eierstockkrebs um 78 Prozent Eierstockkrebs ist die tödlichste gynäkologische Krebserkrankung. Jährlich wird bei etwa 3100 Kanadierinnen die Krankheit diagnostiziert, und etwa 2000 sterben daran. Derzeit gibt es keinen zuverlässigen Screening-Test für Eierstockkrebs. Das bedeutet, dass die meisten Fälle erst in fortgeschrittenen Stadien diagnostiziert werden, wenn die Behandlungsmöglichkeiten begrenzt und die Überlebensraten niedrig sind. Der Ansatz der opportunistischen Salpingektomie wurde ursprünglich von Dr. Dianne Miller, Professorin an der UBC und gynäkologischer Onkologin bei Vancouver Coastal Health und BC Cancer, entwickelt und benannt. Sie war Mitbegründerin des multidisziplinären Forschungsteams für Eierstockkrebs in British Columbia, OVCARE. „Wenn es etwas Besseres gibt, als Krebs zu heilen, dann ist es, ihn gar nicht erst zu bekommen“, so Miller. Die neue Studie ist die erste, die quantifiziert, in welchem Maße die opportunistische Salpingektomie das Risiko für serösen Eierstockkrebs reduziert. Sie baut auf früheren Forschungsergebnissen auf, die zeigen, dass das Verfahren sicher ist, das Alter des Menopausenbeginns nicht verringert und für die Gesundheitssysteme kosteneffektiv ist. Die Studie analysierte bevölkerungsbasierte Gesundheitsdaten von mehr als 85.000 Menschen, die sich in British Columbia gynäkologischen Operationen unterzogen haben. Zwischen 2008 und 2020 verglichen die Forschenden die Häufigkeit von serösem Eierstockkrebs bei Frauen, die sich einer Salpingektomie unterzogen hatten, mit der Häufigkeit bei Frauen, die ähnliche Operationen hatten, aber keine Eileiterentfernung durchführen ließen. Insgesamt war das Risiko, an serösem Eierstockkrebs zu erkranken, bei Frauen mit Salpingektomie um 78 Prozent geringer als bei Frauen, die sich einer Routineoperation unterzogen, aber keine Eileiterentfernung erhielten. In den seltenen Fällen, in denen Eierstockkrebs nach einer Salpingektomie auftrat, wiesen die Tumoren eine geringere biologische Aggressivität auf. Die Ergebnisse wurden durch Daten aus Pathologielaboren weltweit bestätigt, die einen ähnlichen Effekt nahelegten. Auch in Deutschland immer weiter verbreitet Seit ihrer Einführung in British Columbia im Jahr 2010 hat sich die opportunistische Salpingektomie weit verbreitet. Inzwischen werden in der Provinz bei etwa 80 Prozent der Hysterektomien und Tubenligaturen auch die Eileiter entfernt. Weltweit empfehlen medizinische Fachorganisationen in 24 Ländern mittlerweile die vorsorgliche Eileiterentfernung als Strategie zur Prävention von Eierstockkrebs. Auch in Deutschland wird die Operation immer häufiger empfohlen. Das Universitätsklinikum Jena bietet die opportunistische Salpingektomie bereits seit 20 Jahren an. Im vergangenen Jahr stellten die Forschenden dort ein mathematisches Modell vor, mit dem die mögliche Risikoreduktion in der deutschen Bevölkerung abgeschätzt werden kann (wir berichteten). Die Modellrechnungen zeigen, dass die Durchführung einer Eileiterentfernung im Rahmen aller geeigneten Bauchoperationen die Gesamtzahl der Eierstockkrebsfälle in Deutschland um etwa 15 % senken könnte. Im Vergleich zur aktuellen amerikanischen Studie berücksichtigt das Modell realitätsnah, dass nicht jede Frau im Laufe ihres Lebens eine Gelegenheit zur opportunistischen Salpingektomie erhält. Die Ergebnisse sollen bei der Überarbeitung der Fach-Empfehlungen und Leitlinien berücksichtigt werden und werden die Grundlage für die Berechnung einer möglichen Vergütung bilden, damit die opportunistische Salpingektomie künftig als Kassenleistung erstattet werden kann, berichtete das Universitätsklinikum Jena vergangenes Jahr. (lj/BIERMANN) Außerdem interessant zum Thema Eierstockkrebs: Eierstockkrebs: Protein Claudin-4 könnte neues therapeutisches Ziel darstellen Wenn Tumore invasiv werden: Neue Erkenntnisse zu Eierstockkrebs
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