Organtransplantation: Überleben nach Krebsdiagnose fällt schlechter aus18. Juni 2019 © benschonewille – fotolia.com Menschen, die mit einem Spenderorgan leben, haben bekanntlich aufgrund der erforderlichen Immunsuppression ein erhöhtes Krebsrisiko. Dr. Monica E. D’Arcy vom National Cancer Institute und ihre Kollegen haben sich in einer aktuellen Untersuchung die Zusammenhänge zwischen Transplantationsstatus und Mortalität nach einer Krebsdiagnose angesehen. Demnach scheinen Empfänger von transplantierten Organen bei mehreren Krebstypen ein erhöhtes Risiko zu haben, an ihrer Krebserkrankung zu sterben, auch nach Adjustierung um Stadium und Behandlung, was auf eine beeinträchtigte Immunität zurückzuführen sein könnte. Als Grundlage dienten den Autoren Fälle aus der US-Allgemeinbevölkerung (n=7.147.476) von 16 verschiedenen Krebstypen, die anhand von 11 Krebsregistern ermittelt wurden. Ob vor der Diagnose eine Organtransplantation erfolgt war, ermittelten sie durch Verknüpfung mit dem nationalen Transplantationsregister (1987–2014). Um den Zusammenhang zwischen Transplantationsstatus und krebsspezifischer Mortalität zu untersuchen, setzten D’Arcy und ihr Team Cox-Modelle ein, wobei demografische Merkmale und das Krebsstadium berücksichtigt wurden. Wie sich zeigte, war bei den meisten Krebsarten die krebsspezifische Mortalität bei Transplantatempfängern höher als bei anderen Krebspatienten. Einen besonders ausgeprägten Anstieg beobachteten die Autoren bei Melanomen (adjustierte Hazard Ratio [aHR] 2,59; 95%-Konfidenzintervall [95%-KI] 2,18–3,00) und Krebserkrankungen von Brust (aHR 1,88; 95%-KI 1,61–2,19), Blase (aHR 1,85; 95%-KI 1,58–2,17) und Kolon/Rektum (aHR 1,77; 95%-KI 1,60–1,96). Aber auch bei Krebserkrankungen der Mundhöhle/des Rachens, des Magens, der Bauchspeicheldrüse, der Niere und der Lunge und sowie beim diffusen großzelligen B-Zell-Lymphom (aHR-Spanne 1,21–1,47) war die Mortalität unter den Transplantatempfängern erhöht. Die Assoziationen blieben nach einer Adjustierung nach dem 1. Zyklus der Krebsbehandlung signifikant und waren im Allgemeinen bei Patienten mit Krebs im lokalen Stadium, für die eine potenziell kurative Behandlung vorgesehen war, stärker, einschließlich Patienten mit Melanom (aHR 3,82; 95%-KI 2,94–4,97) und Krebserkrankungen von Kolon/Rektum (aHR 2,77; 95%-KI 2,07–3,70), der Brust (aHR 2,08; 95%-KI 1,50–2,88) und der Prostata (aHR 1,60; 95%-KI 1,12–2,29) – trotz eines fehlenden Zusammenhangs für Prostatakrebs insgesamt. Fazit Empfänger von transplantierten Organen scheinen bei mehreren Krebstypen ein erhöhtes Risiko zu haben, an ihrer Krebserkrankung zu sterben, auch nach Adjustierung um Stadium und Behandlung. Dies könnte auf eine beeinträchtigte Immunität zurückzuführen sein, so das Fazit der Studienautoren. (sf) Autoren: D’Arcy ME et al. Korrespondenz: Monica.d’[email protected] Studie: Survival after a cancer diagnosis among solid organ transplant recipients in the United States Quelle: Cancer 2019;125(6):933–942. Web: https://doi.org/10.1002/cncr.31782