Orientierung mittels Duft22. November 2019 Immer der Nase nach – auch Menschen orientieren sich an Gerüchen. Foto: ©Olena Zaskochenko/Adobe Stock Nicht nur Tieren, sondern auch Menschen helfen Gerüche bei der Orientierung. Das funktioniert viel besser, als bislang vermutet. Hunde, Katzen, Ratten, Ameisen und viele andere Tiere können sich sehr gut anhand von Gerüchen in ihrer Umgebung orientieren. Bei Menschen wurde diese Fähigkeit bislang nicht vermutet – auch wenn es dazu bislang kaum experimentelle Studien unter kontrollierten Bedingungen gab. Diese Lücke wurde nun von Dr. Kai Hamburger und Prof. Markus Knauff von der Abteilung für Allgemeine Psychologie und Kognitionsforschung der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) geschlossen. Wie ihre Forschungen, die jetzt in der renommierten Fachzeitschrift „Cognitive Science“ veröffentlicht wurden, ergeben haben, können Menschen viel besser als bislang vermutet ihre Nase nutzen, um sich in ihrer Umgebung zurechtzufinden. In einer experimentellen Studie der Kognitionspsychologen mussten Versuchspersonen sich in einem fotorealistischen virtuellen Labyrinth zurechtfinden. Die Entscheidung, ob sie an einer Kreuzung rechts oder links gehen mussten, um zum Ziel zu kommen, konnten sie nur über ihren Geruchssinn treffen. Die Versuchspersonen sollten sich beispielsweise merken, dass sie beim Zitronenduft links abbiegen und beim Fischgeruch geradeaus gehen müssen. Die Ergebnisse zeigten eine beeindruckende Leistung der Probandinnen und Probanden: So waren annähernd 70 Prozent der Richtungsentscheidungen korrekt. Bemerkenswerterweise gelang die Orientierung den Probandinnen und Probanden auch mit unbekannten Gerüchen, die sie zuvor nicht eindeutig einem bestimmten Stoff (wie Vanille oder Nagellackentferner) zuordnen konnten. Auch Gerüche können Landmarken sein Die Wissenschaftler bieten auch eine Erklärung für ihre Befunde: So ist seit längerem bekannt, dass Menschen und Tiere im Hippocampus Kognitive Karten speichern. Diese „inneren Landkarten“ werden auch als inneres Navigationssystem bezeichnet und können mit Landmarken versehen sein, also auffälligen Gebäuden oder anderen Objekten, an denen man sich orientieren kann. „Frühere Studien unserer Arbeitsgruppe haben bereits gezeigt, dass neben visuellen Objekten auch Geräusche wie zum Beispiel Baustellenlärm oder Hundegebell die Funktion von Landmarken übernehmen können“, berichtet Hamburger. „Neu ist jetzt, dass auch Gerüche Landmarken sein können. Wir können Gerüche erinnern, und das hilft uns dabei, unsere Wege zu finden.“ Die Studie zeige auch, dass die Bedeutung von Gerüchen für den Menschen bisher unterschätzt wurde. Die Forscher weisen auf den Anwendungsbezug ihrer Ergebnisse hin: So werden bereits seit einigen Jahren spezielle Düfte entwickelt, die Kunden in Geschäfte locken sollen. Und in der Ethnologie wird untersucht, wie die Gerüche in verschiedenen Städten das Wohlbefinden ihrer Bewohnerinnen und Bewohner beeinflussen.
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