Orthokeratologie: Warum sprechen manche Kinder besser auf Myopie-Linsen an?13. Juni 2025 Symbolbild.©leungchopan-stock.adobe.com Die Orthokeratologie hat sich bei der Behandlung der Myopie als wirksam erwiesen. Allerdings profitieren nicht alle Kinder gleichermaßen davon. Um die individuellen Unterschiede bei den Ergebnissen der Orthokeratologie besser zu verstehen, haben sich Forscher der Genetik zugewandt. Ein Team des National Clinical Research Center for Ocular Diseases der Wenzhou Medical University, Wenzhou, China, analysierte klinische und genetische Daten von 545 Kindern im Alter von acht bis 12 Jahren, die ein Jahr lang Orthokeratologie-Linsen trugen. Mithilfe der Gesamtgenomsequenzierung und einer gezielten Analyse der in der RetNet-Datenbank aufgeführten Gene untersuchten die Forscher, wie genetische Unterschiede in der Netzhautfunktion die Fähigkeit der Kontaktlinsen beeinflussen können, die Achsenverlängerung bei kurzsichtigen Augen zu kontrollieren. Die Ergebnisse der Studie wurden im Fachjournal „Eye and Vision“ veröffentlicht. RIMS2 und LCA5 Die Forscher bestätigten zunächst, dass bestimmte klinische Merkmale – wie höheres Alter, höheres sphärisches Äquivalent (SE) und größere axiale Länge (AL) zu Beginn der Studie – mit besseren Behandlungsergebnissen verbunden waren. Anschließend konzentrierten sie sich auf die genetischen Profile von 60 Kindern mit entweder sehr guten oder sehr schlechten Behandlungsergebnissen. Diejenigen in der gut kontrollierten Gruppe wiesen signifikant mehr nichtsynonyme Mutationen in Genen auf, die mit der Netzhautstruktur und der Signalübertragung in Zusammenhang stehen. Zwei Gene stachen dabei besonders hervor: RIMS2 und LCA5. RIMS2 kam bei Patienten mit schlechtem Ansprechen häufiger vor und beeinflusst bekanntermaßen die Kontrastempfindlichkeit in Stäbchenzellen. LCA5 wurde eher bei Patienten mit gutem Ansprechen vorgefunden und steht mit der Erhaltung der Photorezeptoren in Verbindung. Auf Einzelnukleotidebene wurde festgestellt, dass Varianten in SLC7A14 (rs36006402) und CLUAP1 (rs2285814) das axiale Wachstum signifikant beeinflussen. Das unterstreiche die sensorische Rolle der Netzhaut bei der Steuerung des Ansprechens auf die Behandlung. Grundlage für personalisierte Behandlungsstrategien Diese Studie ist den Autoren zufolge die erste, in der genomweite Daten zur Erklärung der unterschiedlichen Wirksamkeit in der Orthokeratologie herangezogen wurden. Diese Untersuchung könnte somit eine Grundlage für zukünftige personalisierte Behandlungsstrategien bilden. „Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass Gene, die die Entwicklung der Netzhaut und die Funktion der Photorezeptoren beeinflussen, eine entscheidende Rolle dabei spielen, wie Kinder auf die Orthokeratologie ansprechen“, erklärt Dr. Xinjie Mao, Mitautor der Studie. „Dies eröffnet Möglichkeiten für maßgeschneiderte Strategien zur Myopiekontrolle, insbesondere für jüngere Patienten mit schnellem Augenwachstum. In Zukunft könnten wir möglicherweise genetische Marker identifizieren, die den Behandlungserfolg vorhersagen, noch bevor die Linsen verwendet werden.“ Er wies aber auch darauf hin, dass groß angelegte Studien erforderlich sind, um diese vielversprechenden Hinweise zu validieren. Diese Forschung könnte den Wissenschaftler nach einen möglichen Wendepunkt in der pädiatrischen Augenheilkunde signalisieren – einen, der die Genetik in die klinische Entscheidungsfindung integriert. Durch die Identifizierung genetischer Varianten, die eine schlechte oder günstige Reaktion vorhersagen, könnten Augenärzte individuellere Behandlungspläne anbieten und so die Ineffizienz von Trial-and-Error-Ansätzen vermeiden. Die genetischen Erkenntnisse aus RIMS2, LCA5 und verwandten Genen könnten auch in die nächste Generation von Linsendesigns oder kombinierten Therapien einfließen, wie beispielsweise die Verwendung von niedrig dosiertem Atropin. Obwohl weitere Studien unerlässlich sind, sind die Autoren überzeugt, dass diese Arbeit eine solide Grundlage für die Präzisionsophthalmologie schafft, bei der sowohl das klinische Profil als auch der genetische Bauplan eines Kindes den effektivsten Weg zur Verlangsamung der Myopie vorgeben. (SaS)
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