OSA: IQWiG sieht Anhaltspunkt für einen Nutzen der Unterkieferprotrusionsschiene

Foto: © Zerbor/Adobe Stock

Im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) untersucht das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) derzeit, ob das Tragen einer Unterkieferprotrusionsschiene (UPS) bei obstruktiver Schlafapnoe (OSA) nützt.

Nach vorläufiger Auswertung der Studienlage sieht das Institut für den patientenrelevanten Endpunkt „Tagesschläfrigkeit“, das Leitsymptom der obstruktiven Schlafapnoe, einen Anhaltspunkt für einen Nutzen der UPS im Vergleich zu keiner Behandlung. Verglichen mit der Atemwegsüberdruck-Therapie per Schlafmaske (PAP-Therapie) leiten die  Wissenschaftler für die Tagesschläfrigkeit einen Anhaltspunkt für eine Nichtunterlegenheit der UPS ab. Nachteile der UPS gegenüber der PAP-Therapie zeigten sich nach Angaben des IQWiG nicht.

Stellungnahmen zum Vorbericht nimmt das IQWiG bis zum 20. November 2019 entgegen.

In seiner vorläufigen Nutzenbewertung untersuchte das IQWiG, ob die Behandlung mit einer UPS zu einem Nutzen oder Schaden im Vergleich zu keiner Behandlung beziehungsweise zu einer Placebo-Behandlung führt. Zudem wird analysiert, ob eine UPS Vergleich zu einer Behandlung mittels positiven Atemwegsdrucks über eine Maske (PAP-Therapie) nutzt oder schadet.

In Fragestellung 1 wurden 21 randomisierte kontrollierte Studien (RCT) eingeschlossen, von 18 dieser Studien gingen Ergebnisse in die Nutzenbewertung ein. Von den insgesamt 17 RCT zur Fragestellung 2 lieferten 16 verwertbare Ergebnisse für die Nutzenbewertung.

Die Aussagen zum Nutzen und zur Nichtunterlegenheit beziehen sich in den Studien auf alle Personen mit OSA, betont das IQWiG. Das schließe  Personen mit leichter bis mittelgradiger OSA ein, die gemäß dem Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) für die Nutzenbewertung im Fokus stünden.

Vorteile im Vergleich zu keiner Behandlung/Placebo

Zusammenfassend sieht der vorläufige IQWiG-Bericht für die Tagesschläfrigkeit, das Leitsymptom der obstruktiven Schlafapnoe, einen Nutzen der UPS im Vergleich zu keiner Behandlung beziehungsweise zu Placebo-Schienen (ohne Einfluss auf die Kieferposition). Dieser Vorteil wird durch die Ergebnisse bei anderen patientenrelevanten Endpunkten (unter anderem Schlafqualität, kognitive Leistungsfähigkeit, depressive Symptomatik und Kopfschmerzen) nicht in Frage gestellt.

Der PAP-Therapie nicht unterlegen

Als Fazit für das Leitsymptom „Tagesschläfrigkeit“ zeigt sich die UPS bei der Behandlung der obstruktiven Schlafapnoe in der IQWiG-Nutzenbewertung gegenüber der PAP-Therapie nicht unterlegen. Hinsichtlich anderer patientenrelevanter Endpunkte lässt sich laut IQWiG kein Nachteil der UPS gegenüber der PAP-Therapie feststellen.

„Für Patientinnen und Patienten, die die PAP-Therapie ablehnen, weil sie nachts keine Maske tragen wollen oder weil ihnen das Gerät zu laut ist, kann eine Unterkieferprotrusionsschiene somit eine gute Alternative sein“, fasst Zahnärztin Martina Lietz, Projektleiterin im IQWiG-Ressort Nichtmedikamentöse Verfahren, die vorläufige Nutzenbewertung zusammen.

Den vorläufigen Berichtsplan für dieses vom G-BA in Auftrag gegebene Projekt hatte das IQWiG am 04.12.2018 vorgelegt und um Stellungnahmen gebeten. Diese machten keine Überarbeitung des Berichtsplans erforderlich. Stellungnahmen zu dem jetzt veröffentlichten Vorbericht werden nach Ablauf der Frist gesichtet. Sofern sie Fragen offenlassen, werden die Stellungnehmenden zu einer mündlichen Erörterung eingeladen. Im Anschluss erstellt das IQWiG den Abschlussbericht.