Osteoporose: Alle 45 Sekunden ein Knochenbruch28. April 2022 Foto: adimas – stock.adobe.com Bei der aktuellen VSOU-Jahrestagung, die ab heute bis zum 30. April in Baden-Baden stattfindet, erklären Experten, warum starke Knochen nur bis zum 25. Lebensjahr aufgebaut werden und was die strukturierte Zusammenarbeit bei der Behandlung der Altersbrüche belastet. „Wenn wir unsere Knochenmasse als Bankguthaben betrachten, können wir nur bis zum 25.Lebensjahr auf dieses Guthaben einzahlen“, erklärt Dr. Johannes Flechtenmacher von der Praxis Ludwigsplatz – Ortho-Zentrum Karlsruhe und Präsident der VSOU Jahrestagung. „Ab dem 26. Lebensjahr nimmt die Knochendichte ab und die Hohlräume zwischen den Knochenbälkchen werden größer. Das ist ein natürlicher Prozess, der bei der Osteoporose allerdings schneller verläuft als üblich“, so Flechtenmacher weiter. „Es ist deshalb wichtig, mit starken Knochen zu starten und dafür zu sorgen, dass sie lange stark bleiben“. Das kann durch einen aktiven Lebensstil erreicht werden, vor allem durch Tätigkeiten, bei denen man sein eigenes Körpergewicht trägt. Etwa durch Treppensteigen, schnelles Gehen und Krafttraining. Schwimmen und Radfahren gehören nicht dazu. Hilfreich ist auch eine kalziumreiche Ernährung, weil Knochen Kalzium zum Aufbau brauchen. Milch und Käse sind daher ein Muss. Auch eine ausreichende Versorgung mit Vitamin D ist wichtig. Wer seine Knochen schützen will, sollte zudem nicht rauchen und keinen oder nur wenig Alkohol trinken. „Viele denken immer noch, dass Osteoporose eine Frauenkrankheit ist“, sagt Flechtenmacher. Das ist falsch. Frauen haben zwar ein höheres Risiko für Osteoporose, Männer sterben allerdings öfter an den Folgen einer Altersfraktur. Wir müssen bei der Prävention und Behandlung beide Geschlechter im Blick haben“. Diagnose wird oft erst nach dem Knochenbruch gestellt Osteoporose ist eine „stille“ Erkrankung, die oft erst nach einem Knochenbruch festgestellt wird. In Deutschland werden jährlich rund 700.000 Patientinnen und Patienten wegen einer osteoporotischen Fraktur behandelt. „Damit tritt alle 45 Sekunden ein osteoporotischer Knochenbruch auf“, sagt Prof. Mario Perl, Direktor der Unfallchirurgischen und Orthopädischen Klinik am Universitätsklinikum Erlangen-Nürnberg und Präsident der diesjährigen VSOU-Jahrestagung. „Da sich die alters- und geschlechtsspezifischen Risiken für Altersbrüche in den kommenden Jahren nicht ändern werden, müssen wir allein wegen der zunehmenden Überalterung der Gesellschaft mit einem starken Anstieg rechnen“, so Perl weiter. „Auch die gesellschaftlichen Versorgungskosten sind hoch, weil jeder oder jede dritte Betroffene nach einer Hüftfraktur im Alter Leistungen aus der Pflegeversicherung in Anspruch nimmt. Viele Betroffene müssen nach dem Knochenbruch auch dauerhaft betreut werden.“ Perl begrüßt, die im aktuellen „Weißbuch Alterstraumatologie und Orthogeriatrie“ erarbeiteten Versorgungskonzepte und den interdisziplinären multiprofessionellen Ansatz, der dadurch weiter gestärkt wird. Er bemängelt jedoch, dass die Refinanzierung der benötigen Strukturen und Prozesse nicht geklärt ist und das regulative Vorgaben des Gesetzgebers die Versorgungsrealität ausblenden. „Gesundheitspolitik und Leistungserbringer pochen zurecht auf einer hohen Qualität bei der Versorgung von Altersbrüchen“, sagt er. „Allerdings müssen die Kliniken dann auch bei der Umsetzung des geforderten Co-Managements unterstützt werden. Sie stehen vor hohen Kosten“, so Perl weiter. „Die derzeitige DRG-Systematik bildet den hohen Aufwand der interdisziplinären und interprofessionellen Teams bei der Versorgung von Altersfrakturen nur unzureichend ab. Wir brauchen eine auskömmliche Finanzierung der Alterstraumatologie“
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