OVIS-Studie mit Wilfried-Lorenz-Versorgungsforschungspreis ausgezeichnet15. Oktober 2018 Illustration: © fotomek – Fotolia.com Der Wilfried-Lorenz-Versorgungsforschungspreis des Deutschen Netzwerks Versorgungsforschung (DNVF) e.V. ist in diesem Jahr für eine herausragende Arbeit aus dem Bereich der ophthalmologischen Versorgung in Seniorenheimen (OVIS-Studie) vergeben worden. Die Jury wählte die Arbeit, die 2017 von einer Autorengruppe um die Preisträgerin Dr. Petra P. Larsen (geb. Fang) an der Universitäts-Augenklinik Bonn (Direktor Prof. Frank G. Holz) und der multizentrischen Studiengruppe publiziert wurde, “aufgrund der hohen Relevanz für die Patientenversorgung und der anspruchsvollen wissenschaftlichen Herangehensweise” aus. Infolge der demografischen und gesellschaftlichen Entwicklung ist die Anzahl der Menschen höheren Lebensalters gestiegen, die in Seniorenheimen vollstationär gepflegt werden. Mit dem Wechsel in ein Heim wird die ärztliche Versorgung komplizierter; verschiedene regionale Studien weisen insbesondere auf eine ambulante fachärztliche Unterversorgung hin. Vor diesem Hintergrund, so erinnert das DNVF, sei in der OVIS-Studie die aktuelle augenärztliche Versorgung in Seniorenheimen in Deutschland untersucht worden; die Studie komme zu dem Ergebnis, dass in Deutschland eine erhebliche ophthalmologische Unterversorgung in Seniorenheimen bestehe. Insgesamt wurden 600 Bewohner durch 14 deutsche Augenkliniken in 32 Seniorenheimen untersucht. Die Bewohner waren im Durchschnitt 83 Jahre alt, und fast die Hälfte gab aktuelle Sehprobleme an (47%). In der augenärztlichen Untersuchung zeigten sich bei 61 Prozent der Bewohner behandlungsbedürftige Augenbefunde. In der Mehrzahl der Fälle wurden jährliche Kontrollen bei einem Augenarzt empfohlen (32%), bei einem Fünftel jedoch eine rasche Vorstellung innerhalb von zwei Monaten (20%) und bei vier Prozent eine sofortige Vorstellung (innerhalb von 2 Wochen). Behandlungsbedarf ergab sich zum Beispiel durch einen Grauen Star, der bei etwas über der Hälfte (53%) vorlag und in 62 Prozent der Fälle als operationswürdig vom untersuchenden Arzt eingestuft wurde. In der gesamten Stichprobe lag der letzte Augenarztbesuch im Durchschnitt circa vier Jahre zurück. Der Berufsverband der Augenärzte empfiehlt, sich ab dem 40. Lebensjahr regelmäßig beim Augenarzt untersuchen zu lassen, da viele Augenerkrankungen altersbedingt sind und schleichend beginnen. Mehr als die Hälfte (61%) gab an, prinzipiell noch mobil genug zu sein, um einen Augenarzt aufsuchen zu können. Die weiteren 39 Prozent gaben folgende Hürden an: fehlender Transport (51%), fehlende Unterstützung/Hilfe (26%), fehlende subjektive Notwendigkeit (12%), fehlende barrierefreie Augenarztpraxis (6%) und Kosten (5%). “Die Autoren kommen zu dem Ergebnis, dass im Bereich der augenärztlichen Versorgung weitere Maßnahmen entwickelt und umgesetzt werden müssen, um die Unterversorgung zu beheben”, resümiert das DNVF. Die Implementierung neuer Ausbildungskonzepte in der Pflege unter Einbeziehung der Augenheilkunde, die Durchführung regelmäßiger ophthalmologischer Untersuchungen oder die Dokumentation von Sehhilfen auf Überleitungsbögen stellten erste sinnvolle Schritte dar. Um die augenärztliche Versorgung von Bewohnern in Seniorenheimen auf einem ausreichenden Niveau sicherzustellen, bestehe in Deutschland jedoch auch der Bedarf für neue beziehungsweise eine Erweiterung der derzeitigen Modelle zur augenärztlichen Versorgung von älteren Menschen in Heimen. Publikation: Fang PP, Schnetzer A, Kupitz DG, et al. Ophthalmologische Versorgung in Seniorenheimen: Die OVIS-Studie. Ophthalmologe 2017;114(9):818-827. doi:10.1007/s00347-017-0557-0. (Die OVIS-Studie wurde von der Stiftung Auge der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft gefördert.) Wilfried-Lorenz-Versorgungsforschungspreis Der mit 2500 Euro dotierte Preis wird im Gedenken an das DNVF-Ehrenmitglied Prof. Wilfried Lorenz vergeben (in diesem Jahr zum 4. Mal). Lorenz hat sich viele Jahrzehnte um die Versorgungsforschung verdient gemacht. Die Vergabe des Wilfried-Lorenz-Versorgungsforschungspreises 2018 fand im Rahmen der Eröffnungsfeier des 17. Deutschen Kongresses für Versorgungsforschung am 10. Oktober in der Urania Berlin statt. Da die Preisträgerin den Preis aufgrund eines längeren Forschungsaufenthaltes im Ausland nicht persönlich entgegennehmen konnte, wurde sie von ihrer Co-Autorin Anne Schnetzer vertreten. Der Preis wurde durch die Vorsitzende des DNVF, PD Monika Klinkhammer-Schalke, sowie durch das Vorstandsmitglied und den Vorsitzenden der Preis-Jury, Prof. Edmund Neugebauer, überreicht. Quelle: Deutsches Netzwerk Versorgungsforschung (DNVF) e.V.
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