Paläo- und mediterrane Diät scheinen die MS-bedingte Fatigue zu lindern

IOWA CITY (Biermann) – Neue Erkenntnisse deuten darauf hin, dass die Ernährung bei der Therapie der Multiplen Sklerose (MS) eine Rolle spielt. Klare Ernährungsempfehlungen existieren aufgrund der Heterogenität der Ernährungsinterventionen in Studien bislang aber nicht. US-amerikanische Wissenschaftler haben daher in einer Review-Arbeit die Wirksamkeit verschiedener diätetischer Ansätze auf die MS-bedingte Fatigue und Lebensqualität bewertet.

Für den systematischen Literaturreview und eine Netzwerk-Meta-Analyse (NMA) durchsuchten sie elektronische Datenbanken nach randomisierten Studien mit einer diätetischen Intervention über mindestens 4 Wochen, in die Erwachsene mit definitiver MS nach den McDonald-Kriterien eingeschlossen waren und die Angaben von Patienten zu Fatigue und/oder Lebensqualität enthielten. Für jedes Ergebnis wurden standardisierte Mittelwertunterschiede (SMD) berechnet und in die NMA mit zufälligen Effekten einbezogen, um den gepoolten Effekt jeder Ernährungsintervention im Vergleich zu den anderen Ernährungsinterventionen zu bestimmen.

In die primäre Analyse flossen so 12 Studien zum Vergleich von 8 Ernährungsinterventionen (fettarm, mediterran, ketogen, entzündungshemmend, paläolithisch, Fasten, Kalorienrestriktion und Kontrolle [übliche Ernährung]) mit insgesamt 608 Teilnehmern ein.

Eine im Vergleich zur üblichen Ernährung stärkere Verbesserung der Fatigue erzielten die paläolithische (SMD -1,27; 95 %-Konfidenzintervall [KI] -1,81 bis -0,74), die fettarme (SMD -0,90; 95 %-KI -1,39 bis -0,42) sowie die mediterrane (SMD -0,89; 95 %-KI -1,15 bis -0,64) Ernährungsweise.

Auch berichteten Patienten, die sich paläolithisch (SMD 1,01; 95 %-KI 0,40–1,63) und mediterran (SMD 0,47; 95 % KI 0,08-0,86) ernährten, von einer im Vergleich zur Kontrollgruppe größeren Verbesserung der körperlichen Lebensqualität. Bei der Verbesserung der psychischen Lebensqualität waren die paläolithische (SMD 0,81; 95 %-KI 0,26–1,37) und die mediterrane (SMD 0,36; 95 %-KI 0,06–0,65) Ernährungsweise ebenfalls wirksamer als die übliche Ernährung.

Aufgrund geringer Stichprobenumfänge sowie einem hohen oder mäßigen Verzerrungsrisiko der eingeschlossenen Studien sei die Evidenz für alle direkten Vergleiche sehr gering, schränken die Autoren die Aussagekraft ihrer Ergebnisse ein.

Dennoch deute die Analyse darauf hin, dass diätetische Interventionen die MS-bedingte Fatigue lindern und die physische sowie psychische Lebensqualität verbessern können, so die Autoren weiter. Qualitativ hochwertige, randomisierte, kontrollierte Studien müssten dies nun bestätigen. (ej)

Autoren: Snetselaar LG et al.
Korrespondenz: Tyler J. Titcomb; [email protected].
Studie: Efficacy of Diet on Fatigue and Quality of Life in Multiple Sclerosis: A Systematic Review and Network Meta-analysis of Randomized Trials
Quelle: Neurology 2023 Jan 24;100(4):e357–e366.
Web: doi.org/10.1212/WNL.0000000000201371