Panikstörung und Depression zeigen genetische Gemeinsamkeiten5. Dezember 2019 Die Mediziner (v. r.) Dr. Andreas Forstner, Dr. Benedikt Bürfent und Prof. Johannes Schumacher vom Marburger Institut für Humangenetik legten Genomdaten zur Panikstörung vor. (Foto: Rolf K. Wegst) Das Krankheitsbild der Panikstörung beruht auf denselben Genen wie Depression und andere Erkrankungen – wenigstens zum Teil. Das ist eines der Ergebnisse einer länderübergreifenden Studie, die Mediziner des Marburger Instituts für Humangenetik mit zahlreichen Fachkolleginnen und -kollegen durchgeführt haben. Die Panikstörung ist eine der schwersten Angststörungen, gekennzeichnet durch plötzliche und wiederholte Panikattacken. „Bislang wusste man nicht, welche Gene für diese Krankheit verantwortlich sind“, sagt der Marburger Mediziner Dr. Andreas Forstner, der die aktuelle Studie leitete. Um die genetischen Ursachen für Panikstörungen herauszufinden, analysierten er und zahlreiche Fachleute aus dem In- und Ausland das Erbgut von Betroffenen und verglichen die Daten mit denen gesunder Personen. Die Studie schließt 2248 Patientinnen und Patienten aus Dänemark, Estland, Deutschland und Schweden ein, deren Panikstörung klinisch gut charakterisiert ist. Außerdem umfasst die Analyse 7992 gesunde Kontrollpersonen. Für seine Analyse nahm das Team Genvarianten unter die Lupe, die sich in einem einzelnen Baustein von anderen Versionen desselben Gens unterscheiden (Single Nucleotide Polymorphism, SNP). Die Forschungsgruppe überprüfte, ob SNPs an bestimmten Genorten bei Patienten mit Panikstörung häufiger vorkommen als bei gesunden Personen.Zwar entdeckten die Forscherinnen und Forscher mit dieser Methode kein Gen, das für sich genommen die Panikattacken verursacht. Dafür fanden sie jedoch heraus, dass ein genetischer Zusammenhang zwischen Panikstörung und anderen Erkrankungen besteht, nämlich mit depressiver Störung sowie Neurotizismus. Diejenigen Erbanlagen, die zu Panikattacken beitragen, haben auch einen Einfluss auf die beiden anderen psychischen Erscheinungsbilder. „Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass Angststörungen und Depression die extremen Ausprägungen von seelischen Veranlagungen sein könnten, die auch jeder ganz normalen, gesunden Persönlichkeit zugrunde liegen“, schlussfolgern die Autorinnen und Autoren aus den Daten. „Es ist durchaus wahrscheinlich, dass Personen mit großer Reizbarkeit eher als andere zu Gefühlen wie Ängstlichkeit neigen, die sich bis zu Panikattacken steigern können.“Originalveröffentlichung: Forstner AJ et al.: Genome-wide association study of panic disorder reveals genetic overlap with neuroticism and depression. Molecular Psychiatry, 11. November 2019
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