Pankreaszysten: Forschungsergebnisse für eine bessere Einschätzung des Krebsrisikos

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Forschenden von der Mayo Clinic (USA) haben das Risiko dafür abgeschätzt, dass sich Pankreaszysten mit besorgniserregenden oder Hochrisikomerkmalen innerhalb von drei Jahren zu Bauchspeicheldrüsenkrebs oder fortgeschrittenen Krebsvorstufen entwickeln. Die Ergebnisse könnten dazu beitragen, das Risiko besser einzuschätzen und fundiertere Entscheidungen darüber zu treffen, ob eine Zyste lediglich überwacht oder operativ entfernt werden sollte.

Die in „Gastroenterology“ veröffentlichte prospektive Studie ergab, dass das Risiko mit der Anzahl der besorgniserregenden Merkmale – also Befunden, die eine genauere Überwachung der Zyste erforderlich machen – anstieg. Patienten, deren Zysten ein solches verdächtiges Merkmal aufwiesen, erkrankten mit einer Wahrscheinlichkeit von etwa zwei Prozent innerhalb von drei Jahren an Bauchspeicheldrüsenkrebs beziehungsweise wiesen dann eine fortgeschrittene Krebsvorstufe auf. Bei Patienten mit zwei solcher Merkmale stieg das Risiko auf vier Prozent, bei drei oder mehr Merkmalen auf 18 Prozent.

„Diese Informationen helfen uns bei der Beratung von Patienten:  Wenn wir Bauchspeicheldrüsenkrebs frühzeitig erkennen und den Patienten gleichzeitig unnötige Eingriffe ersparen wollen, müssen wir genau wissen, welche Veränderungen wahrscheinlich zu Krebs führen und welche nicht“, sagt Dr. Shounak Majumder, Hauptautor der Studie und Gastroenterologe an der Mayo Clinicv.

Was bedeutet das Risiko bei Pankreaszysten für Patienten?

Pankreaszysten werden oft zufällig bei bildgebenden Untersuchungen entdeckt, die aus anderen Gründen durchgeführt wurden. Bei den meisten kommt es nicht zu einer Progression und einer Krebserkrankung. Bestimmte in der Bildgebung sichtbare Merkmale können auf ein höheres Risiko hinweisen. Pankreaszysten werden danach klassifiziert, ob sie Hochrisikomerkmale, besorgniserregende Merkmale oder keines von beidem aufweisen.

Die internationalen evidenzbasierten Kyoto-Leitlinien aus dem Jahr 2023 für das Management intraduktaler papillärer muzinöser Neoplasien des Pankreas gehen von besorgniserregenden Merkmalen aus, wenn:

  • eine akute Pankreatitis besteht,
  • ein erhöhter Serumspiegel von CA19-9 vorliegt,
  • bei einem neu aufgetretenen Diabetes mellitus oder einer akuten Verschlechterung eines bestehenden Diabetes mellitus innerhalb des vorangegangenen Jahres,
  • bei einer Zyste mit einer Größe von mindestens 30 mm,
  • bei einem kontrastmittelaufnehmenden muralen Knoten mit einer Größe von weniger als 5 mm,
  • bei verdickten/kontrastmittelaufnehmenden Zystenwänden,
  • einem Durchmesser des Hauptgangs (MPD) von mindestens 5 mm und weniger als 10 mm,
  • bei einem abrupten Kalibersprung des Pankreasgangs mit distaler Pankreasatrophie,
  • bei einer Lymphadenopathie und
  • bei einer Zystenwachstumsrate von mindestens 2,5 mm/Jahr.

Bei Pankreaszysten ohne besorgniserregende Merkmale oder Hochrisikomerkmale ist es nur wenig wahrscheinlich, dass sich eine Krebserkrankung entwickelt. Zysten mit Hochrisikomerkmalen können Anlass sein, eine Operation zu empfehlen, da sich mit höherer Wahrscheinlichkeit Krebs oder eine weiter fortgeschrittene Krebsvorstufen entwickelt. Zysten mit besorgniserregenden Merkmalen werden häufig engmaschig überwacht, wenngleich auch hier in einigen Fällen eine Operation erforderlich sein kann.

„Manchmal können wir nicht zuverlässig feststellen, ob sich eine Zyste zu Bauchspeicheldrüsenkrebs entwickeln wird oder nicht“, erklärt Majumder. „Diese Ungewissheit löst bei manchen Patienten, die sich einer Überwachung unterziehen, große Ängste aus, und manche entscheiden sich dann für eine Operation.“ Präzisere Einschätzungen des Progressionsrisikos können bei der Abwägung des potenziellen Nutzens einer Überwachung gegenüber einer Operation helfen.

Anzahl der bedenklichen Merkmale ist entscheidend für das Risiko

Im Rahmen der Studie wurden 230 Personen mit Pankreaszysten beobachtet, die besorgniserregende Merkmale oder Hochrisikomerkmale aufwiesen. Im Gegensatz zu Studien, in denen retrospektiv vorhandene Krankenakten ausgewertet werden oder in die man vorwiegend Patienten einbezieht, die bereits operiert wurden, rekrutierten die Autoren der aktuellen Studie Patienten und beobachteten sie über einen längeren Zeitraum. Dabei spielte es keine Rolle, ob sie sich für eine Operation oder eine Überwachung entschieden hatten.

Von den 230 Teilnehmenden unterzogen sich 32 innerhalb der ersten drei Monate nach Aufnahme in die Studie einer Operation, während bei 198 eine klinische Überwachung eingeleitet wurde. Unter den überwachten Personen wiesen 185 Zysten mit bedenklichen Merkmalen auf, und 13 hatten Zysten mit Hochrisikomerkmalen.

Die Studie ergab, dass Patienten mit mehreren besorgniserregenden Merkmalen möglicherweise eine Untergruppe mit deutlich höherem Risiko darstellen, wohingegen das Risiko bei Patienten mit nur einem bedenklichen Merkmal nicht wesentlich erhöht war.

Engmaschige Kontrolle entsprechend risikostratifizierter Patienten als Chance

Bei den Patienten unter engmaschiger Überwachung wurden Pankreaskarzinome in einem sehr frühen Stadium entdeckt. Dies deutet laut den Autoren darauf hin, dass die Überwachung entsprechend risikostratifizierter Patienten eine Möglichkeit bieten könnte, Bauchspeicheldrüsenkrebs frühzeitig zu erkennen. Die Ergebnisse legen nahe, dass für manche Patienten eine regelmäßige Überwachung ein geeigneterer Ansatz sein könnte als eine sofortige Operation.

Die Schätzungen zum Drei-Jahres-Risiko dienen zudem als Maßstab für die Bewertung von Bluttests und die Konzeption von Studien zu anderen Ansätzen der Früherkennung von Bauchspeicheldrüsenkrebs.

Können Bluttests und Biomarker das Risiko für Bauchspeicheldrüsenkrebs vorhersagen?

In einer anderen von Majumder und Kollegen geleiteten und im Journal „Clinical Gastroenterology and Hepatology“ publizierten Studie untersuchten Forschende den Blutbiomarker CA 19-9. Dessen Spiegel kann bei Menschen mit Bauchspeicheldrüsenkrebs erhöht sein. Zudem wird er bisweilen zur Überwachung von Bauchspeicheldrüsenzysten eingesetzt.

Ein erhöhter CA-19-9-Wert allein ließ keine zuverlässige Vorhersage darüber zu, welche Patienten mit Bauchspeicheldrüsenzysten tatsächlich an Krebs erkranken würden. Von den Patienten mit Zysten geringen Risikos, bei denen der CA-19-9-Spiegel erhöht war, entwickelte im Nachbeobachtungszeitraum der Studie keiner ein Bauchspeicheldrüsenkarzinom.

Die Ergebnisse deuten laut den Wissenschaftlern darauf hin, dass ein Bluttest auf Biomarker stets im Kontext weiterer Informationen zum Gesundheitszustand und zum Krebsrisiko des Patienten betrachtet werden sollte. Zudem unterstreichen sie den Bedarf an neuen Biomarker-Tests, mit denen sich früheste Krebsstadien bei Patienten mit Bauchspeicheldrüsenzysten zuverlässig erkennen lassen.

Außerdem sind die Autoren der Ansicht, dass die Daten der von ihnen vorgelegten Studien dabei helfen könnten, größere Untersuchungen und klinische Prüfungen zu neuen Ansätzen der Früherkennung und Prävention von Bauchspeicheldrüsenkrebs zu konzipieren.

„Das Ziel ist eine präzisere, personalisierte Überwachung sowie ein Früherkennungsansatz, der Patienten identifiziert, die von einem früheren Eingriff profitieren könnten, und gleichzeitig Patienten mit geringerem Risiko unnötige Verfahren und große Operationen erspart“, fasst Majumder zusammen. (ac/BIERMANN)