Parkinson und das Immunsystem14. Februar 2020 Prof. Jörg Tatzelt, Prof. Konstanze Winklhofer, Nikolas Furthmann und Dr. Verian Bader (v. l.) gehören zum Autorenteam der Veröffentlichung. (© RUB, Kramer) Gene, die mit Parkinson in Zusammenhang stehen, weisen auf eine Schnittstelle zwischen Nervensystem und Immunsystem hin. Das liefert Hinweise auf mögliche Therapien. Mutationen im Parkin-Gen sind eine häufige Ursache für erbliche Formen der Parkinson-Erkrankung. Das benachbarte Parkin-co-regulierte Gen PACRG reguliert ähnlich wie Parkin einen Signalweg, der eine wichtige Rolle beim angeborenen Immunsystem spielt. Das hat ein Forschungsteam um Prof. Konstanze Winklhofer vom Lehrstuhl Molekulare Zellbiologie der Ruhr-Universität Bochum (RUB) herausgefunden. Das Team konnte somit einen weiteren Beleg dafür erbringen, dass es Schnittstellen zwischen dem Nervensystem und Immunsystem gibt. Die ForscherInnen hoffen, dass die Protagonisten oder Antagonisten dieses Signalweges sich möglicherweise für therapeutische Interventionen eignen. Gene schützen Nervenzellen vor dem Zelltod Das Parkin-Gen schützt Nervenzellen vor Funktionsverlust und Zelltod. Es sorgt insbesondere dafür, dass die Mitochondrien, die für die Energieerzeugung in den Zellen verantwortlich sind, unversehrt bleiben und beschädigte Mitochondrien beseitigt werden. In Nachbarschaft zum Parkin-Gen findet sich im Erbgut das Parkin-co-regulierte Gen (PACRG). Beide Gene teilen sich einen Promotor, der die Expression der Gene reguliert. Somit werden Parkin und PACRG nach einem ähnlichen Muster abgelesen und in Proteine umgesetzt. “Über PACRG war bislang wenig bekannt, daher haben wir untersucht, welche Funktionen dieses Gen hat”, sagt Winklhofer. Es zeigte sich, dass PACRG im Unterschied zu Parkin keinen Einfluss auf die Eliminierung geschädigter Mitochondrien hat, aber ähnlich wie Parkin Nervenzellen vor dem Zelltod schützen kann. Parkin und PACRG regulieren einen Signalweg des angeborenen Immunsystems Weitergehende Untersuchungen zum Wirkungsmechanismus zeigten, dass PACRG einen Signalweg reguliert, der durch den Tumornekrosefaktor (TNF) stimuliert wird. Als Folge davon kommt es zur Aktivierung des Transkriptionsfaktors NF-κB, der für die vermehrte Bildung von Proteinen sorgt, die Zelltod verhindern. Sowohl Parkin als auch PACRG wirken auf einen essenziellen Proteinkomplex dieses Signalweges, genannt Lubac (linear ubiquitin chain assembly complex). Lubac ermöglicht eine effiziente Signalweiterleitung durch Modifizierung von Komponenten des NF-κB-Signalweges mit linearen Ubiquitin-Ketten. Der TNF-NF-κB-Signalweg reguliert nicht nur den Zelltod, sondern spielt auch eine bedeutende Rolle im angeborenen Immunsystem. Er verhindert die Ausbreitung von bestimmten Bakterien, die in Wirtszellen eindringen können, zum Beispiel von Salmonellen oder Mykobakterien, den Erregern von Tuberkulose und Lepra. “Interessanterweise sind Sequenzvarianten im Parkin– und PACRG-Gen beschrieben, die zu einer erhöhten Anfälligkeit gegenüber diesen bakteriellen Infektionen führen und mit schweren Verläufen einer Salmonellen- oder Mykobakterien-Infektion einhergehen”, erklärt Winklhofer. Die aktuellen Erkenntnisse liefern dafür eine plausible Erklärung und bestätigen, dass es Schnittstellen zwischen dem Nervensystem und Immunsystem gibt. Deren Protagonisten oder Antagonisten könnten sich für therapeutische Interventionen eignen. Originalveröffentlichung: Meschede J et al.: The Parkin-coregulated gene PACRG promotes TNF signaling by stabilizing the linear ubiquitin chain assembly complex. Science Signaling 2020;13,(617):eaav1256.
Mehr erfahren zu: "Depression kann ein frühes Warnzeichen für Parkinson und Lewy-Body-Demenz sein" Depression kann ein frühes Warnzeichen für Parkinson und Lewy-Body-Demenz sein Neue Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass Depressionen im höheren Lebensalter ein frühes Anzeichen einer schweren Hirnerkrankung sein können. Eine neue Studie zeigt, dass Depressionen häufig den Diagnosen Parkinson und Lewy-Body-Demenz […]
Mehr erfahren zu: "Immer mehr Kinder wegen psychischer Probleme in Kliniken" Immer mehr Kinder wegen psychischer Probleme in Kliniken Pandemie, Kriege, Zukunftsängste: Kinder und Teenager stehen unter Druck. Viele müssen wegen psychischer Probleme in Kliniken. Die Wartezeit ist oft lang.
Mehr erfahren zu: "Genetischer Risikofaktor und Virusinfektion tragen gemeinsam zur Multiplen Sklerose bei" Genetischer Risikofaktor und Virusinfektion tragen gemeinsam zur Multiplen Sklerose bei Multiple Sklerose wird durch eine Infektion mit dem Epstein-Barr-Virus mitverursacht. Daneben spielen aber auch bestimmte Genvarianten eine wichtige Rolle. Wie Forschende der Universität Zürich zeigen, führt erst das molekulare Zusammenspiel […]