Patient, Krankenhaus und Implantat beeinflussen das Gelingen einer Knie- oder Hüft-TEP entscheidend

Arnd Steinbrück bei der Online-Vorstellung des EPRD-Jahresberichtes 2020. (Bild: hr)

Im Rahmen der Digitalen Woche digital#OU 2020 hat am 22. Oktober der wissenschaftliche Studienkoordinator im Endoprothesenregister Deutschland (EPRD) den Jahresbericht 2020 vorgestellt.

„Trotz der Freiwilligkeit des EPRD sind auch 2020 die von den Krankenhäusern gemeldeten Zahlen endoprothetischer Versorgung weiter gestiegen“, erklärte Dr. Arnd Steinbrück vom Orthopädisch-Chirurgischen Kompetenzzentrum Augsburg bei der Online-Vorstellung des Jahresberichtes des EPRD, das gemeinsam von DGOOC, Industrie, Kassen und Kliniken getragen wird und laut Steinbrück eine „Erfolgsgeschichte ist“.

Mit den zunehmenden Registerdatensätzen können nach Angaben des wissenschaftlichen Studienkoordinators erstmals auch praktische Auswertungen vorgenommen werden. So seien im Jahresregister etwa der Body-Mass-Index (BMI) bei Standzeitenauswertungen mit aufgenommen worden. Untersucht wurde aber auch, wie wahrscheinlich etwa ein sekundärer Retropatellarersatz nach primärer Knie-TEP ist. „Spannend“, so Arnbrück, „sind die künftigen Entwicklungen.“ Hierzu gehörten etwa der Einfluss der Corona-Krise mit dem Aussetzen elektiver Eingriffe oder auch der Start des im kommenden Jahr geplanten und dann verpflichteten Implantateregisters Deutschland.

Die Haupteinflussfaktoren auf das positive oder negative Versorgungsergebnis sind den Registerdaten zufolge der Patient, das Krankenhaus und das Implantat. Die wichtigste Größe zur Bemessung des Erfolges ist dabei ist die Standzeit des Implantates.

Einflussfaktor Patient

Beim Faktor Patient zeigt sich, dass vor allem männliche Patienten aber auch Patienten mit einem BMI über 40 höhere Revisionsraten aufwiesen. Auch steigen die Revisionsraten mit der Anzahl der vorliegenden Begleiterkrankungen. Zudem spielt das Alter eine Rolle. Als Beispiel nannte Steinbrück den Vergleich von über 75-jährigen Patienten, deren Revisionsraten bei zementfreien Hüftimplantaten deutlich über denen mit zementierten Hüft-TEPs liegen.

Einflussfaktor Krankenhaus

„Je höher die Fallzahl, desto besser die Ergebnisse“, fasste Steinbrück zunächst die Daten zusammen. Diese Volume-Outcome-Zusammenhang sei besonders deutlich bei unikondylären Versorgungen. Hier sei bei kleineren Krankenhäusern (max. 30/Jahr) eine doppelt so hohe Revisionsrate zu verzeichnen gegenüber Krankenhäusern, die diesen Eingriff deutlich häufiger (> 100/Jahr) vornehmen – und dies seien nur die Ergebnisse bezogen auf das Krankenhaus und nicht auf die Eingriffe pro Operateur.

Aber: „Die Fallzahl allein ist nicht alles“, betonte der Experte. Denn die anhand der Fallzahlen zu erwartenden Ergebnisse seien auch nicht die Regel. So gibt es den Register-Auswertungen zufolge auch Ausreißer, also Krankenhäuser mit niedrigen Fallzahlen, die entgegen der Erwartungen unterdurchschnittliche Revisionsraten aufweisen, ebenso wie Krankenhäuser mit hohen Fallzahlen und schlechteren Ergebnissen als prognostiziert. „Der Volume-Outcome-Zusammenhang gilt also nicht immer und nicht unumstößlich“, so Steinbrück.

Einflussfaktor Implantat

2020 wurden im EPRD zum dritten Mal implantatspezifische Ergebnisse detailliert erfasst. Klare Aussagen bei diesem Faktor sind laut Steinbrück noch recht schwierig, da zu viele überlagernde Einflussfaktoren eine Rolle spielten. Da beim sekundären Retropatellarersatz kaum Unterschiede beim OP-Erfolg zwischen Häusern mit hohen oder niedrigen Fallzahlen festgestellt wurden, konnten hier besonders gut die unterschiedlichen Revisionsraten in Abhängigkeit von der Verwendung unterschiedlicher Implantatsysteme aufgezeigt werden.

Bei den Re-Revisionsraten wiederum konnte festgestellt werden, dass diese abhängig davon sind, ob es sich um eine elektive Operation handelt oder nicht. Denn planbare Eingriffe weisen deutlich besserer Ergebnisse auf. „Nach wie vor erschreckend ist die Re-Revisionsrate nach Infektionen“, so Steinbrück weiter. So müssten nach einem septischen Wechsel innerhalb von zwei Jahren bei 25 bis 38 Prozent der Patienten erneut Implantatwechsel durchgeführt werden gegenüber bei elf bis 18 Prozent nach einem aseptischen Wechsel. Für alle Registerbeteiligten bezeichnete Steinbrück die Infektionen als das nach wie vor größte Problem in der Endoprothetik. (hr)