Patienten mit multiresistenter Tuberkulose in Osteuropa4. April 2017 © yodiyim – fotolia.com Auch wenn die Versorgungsqualität für Tuberkulosepatienten in Osteuropa gestiegen ist, sind die Raten der Wirkstoffresistenzen immer noch hoch. Eine internationale Arbeitsgruppe unter maßgeblicher Beteiligung des Robert Koch-Institutes in Berlin hat nun das Überleben in einer Kohorte von Patienten mit einer Tuberkulose untersucht, die gegen 2 oder mehr Erstlinien-Tuberkulostatika resistent waren (MDR-Tb) oder zusätzlich gegen Zweitlinien-Tuberkulostatika (XDR-Tb). Die dafür beobachteten Personen stammten aus Lettland, Litauen, Estland und aus der Stadt Bukarest. Analysiert wurden die Daten konsekutiver erwachsener Patienten sowohl in Erst- als auch in wiederholter Behandlung. Alle Studienteilnehmer wiesen eine durch Kultur bestätigte MDR-Lungen-Tb auf und waren im Jahr 2009 (bei den lettischen Patienten im Jahr 2007) für eine Behandlung registriert. Die Wissenschaftler sammelten Daten zum prospektiven Überleben. 737 Patienten wurden in die Kohorte aufgenommen. 46 % aller MDR-Tb-Fälle waren Neudiagnosen. 56 % aller MDR-Tb-Fälle wiesen keine zusätzlichen Resistenzen gegen Fluorchinolone oder injizierbare Wirkstoffe auf. 33 % der Untersuchten litten an einer Prä-XDR-Tb und 11% an einer XDR-Tb. Das mediane Überleben betrug bei MDR-Tb- und XDR-Tb-Patienten 5,9 Jahre, während es bei gleichzeitig mit HIV Infizierten bei nur 1,9 Jahren lag. Höheres Alter, männliches Geschlecht, Alkoholmissbrauch, Verrentung, Komorbiditäten, extrapulmonale Beteiligung und eine HIV-Koinfektion führten in unabhängiger Art und Weise zu einer Verschlechterung. Die Wissenschaftler stellten fest, dass die Gabe von Fluorchinolonen und injizierbaren Wirkstoffen das Überleben bei Patienten mit MDR-Tb verbesserte. Bei Prä-XDR- und XDR-Status trat keine signifikante Verkürzung des Überlebens ein, solange Fluorchinolone und injizierbare Wirkstoffe Teil des Behandlungsregimes waren. Moxifloxacin schien im Vergleich zu Fluorchinolonen der älteren Generation das Überleben bei Patienten zu verlängern, die auf Ofloxacin ansprachen. Die Belastung durch zusätzliche Resistenzen bei Patienten mit MDR-Tb sei höchstwahrscheinlich auf eine primäre Übertragung resistenter Stämme zurückzuführen, schlussfolgern die Forscher aus den Ergebnissen ihrer Analyse. Soziale Aspekte sowie Faktoren wie das Management eines Alkoholmissbrauches, eine Ausweitung von HIV-Tests und eine antiretrovirale Therapie müssten in Angriff genommen werden, um zum einen eine Heilung zu erreichen und zum anderen Übertragungen zu stoppen. Zudem empfehlen die Studienautoren, weiter zu erforschen, welche Rolle Fluorchinolone der jüngsten Generation und injizierbare Wirkstoffe in der Behandlung von Patienten mit Prä-XDR- und XDR-Tb spielen. Autoren: Balabanova Y et al. Korrespondenz: Yanina Balabanova, Abteilung für Infektionsepidemiologie, Robert Koch-Institut, Postfach 65 02 61, 13302 Berlin Studie: Survival of patients with multidrug-resistant TB in Eastern Europe: what makes a difference? Quelle: Thorax 2016;71(9):854-861. Web: www.thorax.bmj.com