Patientenverband kritisiert IQWiG-Bericht zur Prostata-Fusionsbiopsie6. Juli 2020 “Patienten möchten im Diagnosestadium so tiefgehend und machbar wie möglich informiert werden”, betont der Bundesverband Prostatakrebs Selbsthilfe. Foto: ©New Africa – stock.adobe.com Der Bundesverband Prostatakrebs Selbsthilfe (BPS) sieht in dem Bericht des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) zum Nutzen oder Schaden der Prostata-Fusionsbiopsie die Patientenperspektive nicht berücksichtigt. Der Verband erinnert daran, dass nach dem Prinzip “mehr Gewebeproben verringern die Zahl nicht erkannter Krebsherde” die Zahl der Stanzen auf 12 bis 14 festgelegt wurde, ohne damit die Anzahl falsch-negativer Stanzen reduzieren zu können. Die multiparametrische Magnetresonanztomotgraphie (mpMRT), fusioniert mit transrektalem Ultraschall, verspricht hingegen mit weniger Stanzen bessere Diagnoseergebnisse und damit eine geringere Belastung der Patienten. Das IQWiG sieht jedoch aus seinem rein evidenzbasiert, ausschließlich höchste Datenqualität berücksichtigenden Blickwinkel “keinen Anhaltspunkt für einen höheren Nutzen oder Schaden bei Anwendung der Fusionsbiopsie“ (wir berichteten). BPS: Nicht das Gesamtüberleben allein zählt “Für einen Patientenverband wie den BPS, der im Sinne der Betroffenen agiert, ist es doch sehr problematisch, immer wieder mit den Themen Methode und Gesamtüberleben konfrontiert zu werden”, kommentiert die Patientenorganisation. “Betroffene haben zu diesem Themenkomplex Meinungen, die in der Vorgehensweise des IQWiG bedauerlicherweise keine Berücksichtigung finden. Wir sind überzeugt, dass mit der Fusionsbiopsie deutlich bessere Ergebnisse verfügbar sein werden als mit dem bisher praktizierten Standardverfahren, und Patienten möchten im Diagnosestadium so tiefgehend und machbar wie möglich informiert werden.” Ob dies später das Gesamtüberleben beeinflusst, sei wichtig, aber sicherlich nicht Bestandteil der Diagnose- und der daraus resultierenden Therapieentscheidung. Stellungnahme von Fachgesellschaften erbeten “Wenn wir bei sämtlichen Neuerungen im Medizinsektor auf aussagefähige Daten zum Gesamtüberleben warten, verhindern wir, was wir eigentlich brauchen”, fasst der BPS zusammen und bittet daher die medizinisch-wissenschaftlichen Fachgesellschaften der Urologen und Radiologen um eine Stellungnahme zur patientenrelevanten Qualität der Fusionsbiopsie. “Von ihnen möchten wir erfahren, wie sie die Fähigkeiten der Fusionsbiopsie bezüglich rechtzeitigem Therapiebeginn, Wahl der geeigneten Therapieformen sowie Vermeidung von Überbehandlungen bewerten”. (BPS/ms)
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